Stiftungsratspräsident René Walther, Gesamtleiter Marcel Heuberger, Leiter Finanzen Michael Stalder und Heike Wienholt, Leiterin Agogik & Arbeit.
17.03.2022 08:26
«Unser Blick für die Zukunft wurde geschärft»
Stiftung Mansio veranstaltete eine Zukunftskonferenz
Rund 60 Beteiligte nahmen an der ersten Zukunftskonferenz der Mansio Stiftung teil. Dabei wurden acht Ziele definiert, welche es in den nächsten Jahren umzusetzen gilt. Den einen oder anderen «Magic Moment» gab es dabei.
Münsterlingen «Bei der Arbeit mit Menschen gehören Veränderungen zum Alltag, wie die Butter zum Butterbrot», eröffnet Stiftungsratspräsident René Walther die Presseorientierung der Stiftung Mansio. Sie ist eine der grössten Einrichtung im Kanton Thurgau und mit ihren Angeboten auf Menschen mit kognitiven und oder psychischen Beeinträchtigungen spezialisiert. «Wir sind wie alle anderen auch dem gesellschaftlichen Wandel ausgesetzt, Ansprüche von Mitarbeitenden, Klienten, Partner und Angehörigen an das Arbeiten und das Wohnen verändern sich.» Zeit, um nach vier Jahren wieder die Stiftung Mansio der Zukunft zu planen. 2018 fand der letzte Strategieworkshop statt, bei dem unter anderem das Thema «Selbstbestimmtes Leben» im Fokus stand. Vier Jahre später arbeiteten im Rahmen einer Zukunfskonferenz sechzig Beteiligte drei Tage lang an neuen Ideen und Ansätzen für die Stiftung. Mitarbeitende, Klienten, Vertreter aus Ämtern und Behörden brachte ihre Inputs ein. Die Methode der Zukunftskonferenz wird sei 30 Jahren eingesetzt - bei Institutionen ist diese bisher aber weniger bekannt. «Nicht nur Banken oder Versicherungsunternehmen können von der Technik profitieren», so Gesamtleiter Marcel Heuberger. «Wir stellten die Frage in den Mittelpunkt, was die betroffenen Menschen, somit unsere Klienten sich wünschen.» Die Stiftung Mansio sehe sich als Dienstleister und die begleiteten Menschen als Kundinnen und Kunden. Weg von Bezeichnungen wie Patienten und Betreuung und hin zu einer Begleitkultur auf Augenhöhe mit einer selbstbestimmten Lebensweise und einer flachen Hierarchie - so die Maxime. «Teils leben die Leute seit 40 Jahren hier. Bei ihnen, wie auch bei den Mitarbeitenden findet ein grosses Umdenken statt», so Heike Wienholt, Leiterin Agogik und Arbeit. Sie greift Schlagworte wie «Partizipation» und «Inklusion» auf. «Die Teilhabe an der Gesellschaft ist ein Grundrecht. Barrieren beginnen bei jedem Einzelnen im Kopf. Angefangen bei der Beschriftung von Sanitärenanlagen. Ein Symbol statt dem geschriebenen Wort ist zum Beispiel ein Anfang.» Dazu schreibt sich die Stiftung künftig die Durchlässigkeit noch grösser auf die Fahne.
Acht Handlungsfelder
Was macht die Mansio stark und wie soll die «perfekte» Stiftung 2030 ausschauen, stellten sich die Teilnehmenden der Zukunftskonferenz die Frage. Fachexperte Matthias zur Bonsen und Guy Pernet leiteten die Konferenz. In kleinen Gruppen wurden die Zukunftsvisionen in Form von Darstellungen inszeniert. Eine doch ziemlich ungewohnte Technik - doch sehr effektiv, wie sich erwies. Klassische Methoden wie die Arbeit mit einer Mindmap, bei der die Beteiligten gewisse Themen aufschreiben, brachte die Zukunftsvisionäre ebenfalls voran. Doch nur von der Zukunft zu «träumen», bringt die Stiftung nicht weiter. «Welche Massnahmen verlangen die Pläne? Wer ist für was verantwortlich und in welchem Zeitraum soll eine Umsetzung stattfinden», zählt Heuberger auf. Während den drei Tagen kristallisierten sich acht Handlungsfelder heraus: Wohnungsangebote, Mitsprache, Vernetzung, Jobcoach, Peer, Klientenzentriert, Digitalisierung und Kita & Arbeitsbedingungen. Diese werden laut Heuberger kontinuiertlich umgesetzt.
Viel «Revolutionäres» wurde während der Konferenz nicht beschlossen, doch an Bestehendem festgehalten und weiterentwickelt. So zeigten die Tage, dass die Stiftung auf einem sehr guten Weg. «Die Hälfte der Ideen war nicht neu, doch uns wurde bewusst, wie wichtig einzelne Dinge sind. Mitarbeitende der Stiftung, von Ämtern, Angehörige und Klienten sprechen nun die gleiche Sprache, können konkretisieren und Themen nicht mehr schwammig, sondern richtig definieren, so das 'De Hinderscht und Letztsch« es versteht, so Walther. Eine sehr wichtige Erkenntnis, bestätigt auch Michael Stalder, Leiter Finanzen
Synergien mit Spital und Gemeinde
Den einen oder anderen «Magic Moment» habe es aber durchaus gegeben, versichert René Walther. Auch Themen, bei denen akuter Handlungsbedarf besteht, wurden durchgespielt. Wie die Digitalisierung der Mansio. Künftig sollen Klientinnen und Klienten über Ipads Zugang zu ihrer eigenen Dokumentation haben. Dazu brauche es w-Lan und Zugriff auf die Datenstruktur. Dazu müssen Klienten und Mitarbeiter im Umgang mit der Hard- und Software geschult werden. Auch wird aktuell eine Klientenbeirat aufgegleist, auch ein Angehörigenbeirat sei ein Thema. Verschiedenen Beteiligten eine Stimme zu geben, das wird immer wichtiger für die Mansio. Auch sollen die Klientinnen und Klienten intern leichter die Arbeitsbereiche wechseln können. Dazu soll die Arbeit für die Stiftung Mansio auch für Mitarbeitende mit Familien einfacher gemacht werden. So wird eine Kita angedacht und flexiblere Arbeitszeiten. Walther denkt an Synergien mit dem Spital und der Gemeinde. «Ich würde sagen, der Weg zum Ziel wurde geschärft.»
Zum Schluss wurde noch die Situation des Mansio-Areals besprochen. So wird die Stiftung bis 2035 in einer reduzierten Form bestehen. Von den vier Häusern ist bereits eines an die Klinik vermietet. Durch immer mehr externe Wohnmöglichkeiten, lasse der Bedarf nach Raum in den nächsten Jahren nach.
Desirée Müller