10.02.2022 06:00
Unter einem Dach unterwegs
«Rat & Tat» ist ein niederschwelliges Beratungs- und Informationsangebot aus zwei Departementen
Es ist ein Ort, an den sich alle Menschen der Stadt wenden können, welche Fragen ganz allgemeiner oder aber auch ganz gezielter Art haben. Am 14. Februar startet im Trösch das Angebot «Rat & Tat» der Departemente Gesellschaft und Soziale Dienste.
Kreuzlingen «Vor über drei Jahren begannen die Diskussionen in den Departementen Soziale Dienste und Gesellschaft einen zentralen Ort zu schaffen, an dem Fragen zu verschiedenen Themen gestellt und beantwortet werden können», erklärte Stadträtin Dorena Raggenbass vom Departement Gesellschaft. So sei beispielsweise die Freiwilligenarbeit gut abgestützt, es habe aber bisher keine Stelle gegeben, um gezielt nachzufragen. Mit dem Projekt «Rat & Tat» ändert sich das ab kommenden Montag. Dann öffnet das Büro im Begegnungszentrum «Trösch».
Hilfe in vielfacher Form
«Wir haben nach vier Jahren Arbeit im Trösch die Erfahrung gemacht, dass niederschwellige Beratungsangebote ein grosses Anliegen sind», so die städtische Integrationsbeauftragte Zeljka Blank. Es sei dem Departement deshalb ein grosses Anliegen gewesen, eine solche Anlaufstelle fortzusetzen. Nun gebe es ab Montag dieses Büro im gleichen Haus an zentraler Stelle vis-a-vis des Einkaufszentrums «Karussell». Damit «erweitern wir die Willkommenskultur der Stadt um ein wertvolles Angebot».
Die bisherigen Erfahrungen hätten gezeigt, dass es ganz viele Menschen gebe, «die in der digitalen Welt nicht angekommen sind und auch nicht mehr ankommen werden», sagte die Integrationsbeauftragte. Rat- und Hilfesuchende könnten das neue Angebot beim Ausfüllen von Formularen, Fragebögen, Anträgen aber auch Übersetzungen nutzen. «Auch dafür ist die neue Stelle da, in der Stadtverwaltung ist diese Hilfe innerhalb des täglichen Ablaufs kaum umzusetzen». Aber, das hielt Dorena Raggenbass fest: «Wir sind keine Fachstelle, wir sind eine Schnittstelle für Rat-und Hilfesuchende».
Mehrwert für die Stadt
Das wöchentliche Programm hängt einerseits an der Tür, kann aber auch über die Homepage der Stadt abgerufen werden. Gestartet wird mit «Integrationsfragen» am Montagnachmittag, «Altersfragen» werden am Dienstagnachmittag und Mittwochmorgen beantwortet, am Mittwochnachmittag gibt es «Schreibhilfe», am Donnerstagnachmittag steht das Thema «Freiwilligenarbeit» auf dem Programm und am Freitag «Zukunftsfragen aller Art». «Natürlich wird sich das alles noch entwickeln», so Ruedi Wolfender, Abteilungsleiter im Departement Gesellschaft, «wir werden uns an den Fragestellungen orientieren». Zwei Departemente seien gemeinsam unterwegs und das bedeute doch einen Mehrwert für die Stadt.
«Die Fachstelle Alter geht auf das städtische Alterskonzept aus dem Jahr 2018 zurück, wurde politisch legitimiert und verfügt über eine 60-Prozent-Stelle, vorerst befristet bis Ende 2023. Ziel soll sein, die Fachstelle danach in einen Regelbetrieb zu überführen», so Stadtrat Markus Brüllmann, Vorsteher des Departements Soziale Dienste. Die Fachstelle sei so kompetent besetzt, dass sämtliche Fragen beantwortet werden könnten, zeigte er sich überzeugt. Bis Ende März führt Rita Doré die Fachstelle «Altersverantwortliche» in einem 20-Prozent-Pensum, anfang April wird die neue Stellenleiterin die Arbeit im Trösch aufnehmen.
Rasch und unkompliziert helfen
«Betroffene Menschen haben viele Fragen», sagte Mirko Bassetto, Abteilungsleiter Soziale Dienste. Es gehe beispielsweise um den Übertritt vom Spital in ein Heim und die damit verbundenen finanziellen Fragen. «Damit sind die Angehörigen oft überfordert, weil es eine komplexe Materie ist. Diese Überforderung führt zu Stress». Es sei sehr wichtig, den Betroffenen rasch und kompetent zu helfen. Für Rita Doré sind Angehörige wichtige Ressourcen, wenn ältere Angehörige zu Hause bleiben wollten. «Diese Sicht müssen wir berücksichtigen, Angehörige sollen sich nicht allein gelassen fühlen». Es gehe aber auch darum, nicht nur Lösungen anzubieten, sondern nachzufragen, ob diese auch funktionierten. «In der heutigen Gesellschaft gibt es viele ältere Menschen, die der Stadt ihre Ressourcen auch in vielen Bereichen anbieten können».
Daher müsse sich die Verwaltung auch fragen, was es für eine «altersfreundliche Stadt» brauche. Aus eigener Erfahrung weiss die Altersverantwortliche auch, dass «die Ansprüche der älteren Menschen deutlich anders sind als noch vor Jahren. Die Betroffenen wollen beispielsweise einen Whirlpool auf der Dachterrasse, sie verlangen von der Pflege häufigeres Waschen. Diesen Wandel müssen wir mitgehen». Sehr wichtig sei für sie auch die aufsuchende Beratung. Es sei wichtig zu wissen, was in der eigenen Wohnung nach einem Spitalaustritt vorhanden sei. «Was ist in der Wohnung vorhanden, was muss eventuell angepasst werden?» Und für Mirko Passetto war klar: «Es handelt sich hier um keine reine Büroaufgabe, die Probleme gilt es zeitnah anzupacken und gemeinsam mit allen Beteiligten zu lösen».
Jetzt heisst es, bekannt machen
Die Bedeutung der Fachstelle «Alter» werde in den kommenden Jahren noch zunehmen, ist Markus Brüllmann überzeugt. Der Anteil älterer Menschen in der Gesellschaft werde steigen, das sei keine Frage. Deshalb, und weil in seinem Departement grosses Wissen und viel Kompetenz vorhanden sei, «schaue ich einem Regelbetrieb entspannt entgegen». Stadtpräsident Thomas Niederberger sieht zwei Ziele aus dem Legislaturprogramm 2019 bis 2023 erfüllt. «Die Beratungen und die Hilfe in den Bereichen Altersfragen und allgemeiner Anliegen, auch gesellschaftlicher Art, sind mit diesem Projekt erfüllt», sagte er. Er sei davon überzeugt, dass das Angebot in der Bevölkerung gut ankomme und brachte es auf die Formel: «Wir sind 50 Wochen im Jahr mit Rat und Tat für die Menschen da». Für das grosse Engagement der Beteiligten im Vorfeld und für die Arbeit ab kommenden Montag bedanke er sich im Namen des Stadtrates.
Flyer in verschiedenen Sprachen werden auf «Rat & Tat» hinweisen, ein grosser Verteilkreis «wird das Angebot bekannt machen und wir werden die Beratungsstelle mit den eingereichten Fragen medial begleiten», so Dorena Raggenbass. Wichtig seit, dass die Kreuzlingerinnen und Kreuzlinger wüssten, dass es die Stelle gebe und dass sie sich gerne an diese wenden könnten.
Kurt Peter