Die Hertler-Halle ist baufällig, eine Sanierung sinnlos.
Bild: zVg
29.05.2024 00:00
Viele Projekte mit Potenzial
Gemeindeversammlung genehmigte Rechnungen – Infos über Bürgerhalle, Friedhofsgebäude und Zentrumsgestaltung
Es war eine unspektakuläre Gemeindeversammlung am Dienstagabend in der Bürgerhalle. Die Rechnungen wurden einstimmig genehmigt. Und es gab interessante Informationen über Zukunftsprojekte in Tägerwilen.
Tägerwilen 70 Stimmberechtigte konnte Gemeindepräsident Markus Ellenbroek am Dienstag begrüssen. Das Haupttraktandum «Rechnungen» wurde von Gemeinderätin Rebecca Fässler erläutert. «Das Ziel einer realistischen Budgetierung haben wir erreicht», erklärte sie zunächst. Die Politische Gemeinde schloss die Rechnung 2024 mit einem Gewinn von
117 000 Franken. Das Resultat sei aber nur dank dem Verkauf von Grundstücken in Höhe von 321 000 Franken möglich geworden. Die allgemeinen Gemeindesteuern seien mit 5,375 Millionen Franken leicht höher als budgetiert ausgefallen. «Deutlich tiefer als erwartet lagen sie bei den Quellensteuern, was auf die Rückstände bei den Veranlagungen zurückzuführen ist», sagte sie. Auch die schwer zu budgetierenden Grundstückgewinnsteuern seien um 25 Prozent tiefer ausgefallen. «Sollten die Liegenschaftensteuern abgeschafft werden wie es diskutiert wird, müsste die Gemeinde dies mit dem Steuerfuss ausgleichen», mahnte sie.
Diese schlugen sich in der Rechnung mit 403 000 Franken zu Buche.
Strom wird teurer
Mehraufwände gegenüber dem Budget seien unter anderem in der allgemeinen Verwaltung zu verzeichnen gewesen. «Die Einführung einer neuen Software hat uns schwer beschäftigt, nicht nur finanziell», führte Rebecca Fässler aus. Die Kosten für die öffentliche Sicherheit hätten sich aufgrund der Einbruchserien im vergangenen Jahr verdoppelt. Steigende Kosten seien auch in der Langzeitpflege zu verzeichnen gewesen, ebenso bei der Übernahme von Krankenkassenprämien. Geringere Ausgaben habe es in den Bereichen Verkehr, Umweltschutz und Volkswirtschaft gegeben. «Im vergangenen Jahr hat die Gemeinde deutlich weniger investiert als vorgesehen, statt 3,09 Millionen waren es nur knappe 1,9 Millionen».
Das Wasserwerk schloss mit einem Gewinn von 203 000 Franken, das Stromnetz des Elektrizitätswerks mit einem Gewinn von 161 000 Franken, der Stromhandel mit einem Minus von 6500 Franken und der Wärmeverbund verzeichnete 21 500 Franken Verlust. Investiert wurden vom Wasserwerk 471 000 Franken, vom EW knapp über eine Million und beim Wärmeverbund 543 000 Franken. «Der Strompreis wird steigen», musste Gemeinderat Jean-Michel Farine auf die Frage von Bruno Schlauri bekanntgeben. Dies sei trotz der gestaffelten Einkaufspolitik nicht zu verhindern. Zudem versprach er Marcel Fässler, dass die Energiekommission das Tarifmodell diskutieren werde. Marcel Fässler hatte in der Diskussion bemängelt, dass bei der Investition in grosse PV-Anlagen nichts zurückkomme. «Es müssen Anreize geschaffen werden», verlangte er. Anschliessend wurden die Rechnungen sowie die Gewinn- und Verlustverwendungen einstimmig genehmigt.
Zentrumsgestaltung kommt voran
Markus Ellenbroek informierte anschliessend über die Naturfachstelle. Der Gemeinderat habe beschlossen, zur Unterstützung der Naturkommission eine externe Fachperson auf Mandatsbasis zu engagieren. Es handle sich um Thomas Mathis von Kaden & Partner AG. Der Gemeinderat budgetiere diese Massnahme mit 30 000 Franken jährlich. Die Naturfachstelle sei vor allem operativ tätig, etwa bei der Überprüfung und Umsetzung der gesetzlichen Grundlagen oder des Schutzplans Naturobjekte. Die Fachstelle sei zudem für Kommunikation und Beratung zuständig.
Bei der Zentrumsgestaltung Bahnhofstrasse Süd gebe es seit April dieses Jahres das Workshopverfahren mit Planerteam, Begleit- und Expertengruppe. Über das Kerngebiet sei im März dieses Jahres eine Planungszone erlassen worden, «das heisst, dass in den kommenden zwei Jahren keine Baugesuche behandelt werden». Ab Herbst 2024 sei die Mitwirkung der Bevölkerung möglich. Nicht ganz einfach einzuhalten sei das Ziel, den Masterplan bis Ende des Jahres abzuschliessen, meinte Markus Ellenbroek.
Hertler-Halle: Sanierung sinnlos
Die Sanierung und Erweiterung des 1973 erbauten Friedhofsgebäudes stehe ebenfalls an. Das Gebäude habe erhebliche Mängel und entspreche nicht mehr den Bedürfnissen wie der Aufbahrung von Leichnamen oder der Abdankung bei konfessionslosen Personen. Im Mai 2023 seien Sanierung, Umbau und Erweiterung beschlossen worden. «Ziel ist es, den Planungs- und Baukredit an der Dezember-Gemeindeversammlung zu behandeln», erklärte Markus Ellenbroek. Er schloss aber nicht aus, dass die Kompetenz von zwei Millionen Franken «vielleicht nicht einzuhalten ist und es eine Urnenabstimmung geben könnte».
Der Gemeindepräsident erläuterte auch die Machbarkeitsstudie Bürgerhalle. Untergeschoss, Bühnenanbau und südlicher Anbau seien in schlechtem baulichen Zustand. Es gebe keine hindernisfreie Erschliessung und die Gebäudehülle sei schlecht gedämmt. «Die Lebensdauer der haustechnischen Installationen ist erreicht». Eine umfassende Sanierung und betriebliche Optimierung sei angesagt, so Markus Ellenbroek weiter. Grosses Potenzial sei im Untergeschoss vorhanden. Der südliche Anbau solle laut Machbarkeitsstudie durch einen Neubau ersetzt werden. Zudem solle unter der Bühne ein Mehrzweckraum geschaffen werden.
«Die Hertler-Halle ist baufällig, eine Sanierung sinnlos», ging Markus Ellenbroek auf ein weiteres Thema ein. Es gebe massive Mängel bei Statik, Haustechnik, Sicherheit und Wärmeschutz. Seit dem Sommer 2022 liefen Abklärungen für einen alternativen Standort. Es habe sich gezeigt, dass ein Abtausch der Standorte Werkhof und Mehrzweckhalle umgesetzt werden könne. Die Mehrzweckhalle könne am Standort Lohstampferstrasse realisiert werden und damit auch deutlich zentrumsnaher. Zum Schluss der Versammlung informierte der Gemeindepräsident über die neue Veloabstellanlage beim Bahnhof Tägerwilen-Gottlieben, die von der SBB realisiert werde. Es sei eine doppelstöckige Anlage. «Die SBB übernimmt 50 Prozent der Kosten, 50 Prozent bleibt bei Tägerwilen. Wobei Gottlieben noch etwas beitragen wird und eventuell gibt es Gelder aus dem Agglomerationsprogramm».
Kurt Peter