12.10.2023 15:54
Von Beschimpfungen bis zu Kunstwerken
Pascal Schmid muss Vandalismus erfahren, Thomas Leu kehrt den Spiess um
Thomas Leu, FDP, nimmt bemalte oder entwendete Wahl-Plakate auf die leichte Schulter und macht sogar einen Aufruf, in den letzten Wochen vor der Wahl seine Plakate zu «verzieren». Irgendwo hört der Spass auf, sagt SVP-Politiker Pascal Schmid. Statt einer knallig gelben Sonnenbrille oder einem Schnurrbart prangen Beschimpfungen wie «Nazi» oder «Hurensohn» neben seinem Gesicht am Strassenrand. Er plädiert an die Verursacher, die Meinungsfreiheit zu respektieren.
Weinfelden/Kreuzlingen Pascal Schmids Meinung ist fadengrad. Dass Äusserungen zu Themen wie Kriminalität, Asyl- und Ausländerpolitik polarisieren, ist ihm bewusst. Dass die SVP in Wahlkämpfen oftmals unter die Räder kommt mit verschmierten oder mutwillig beschädigten Plakaten, ebenfalls. Doch irgendwann sei genug, inzwischen seien fast 70 Plakate beschädigt oder zerstört worden. Er und Parteikollegin Diana Gutjahr sind in diesem Wahlkampf die meist Geplagten, wenn es um Vandalismus geht. Persönlich nehme er die Beschimpfungen nicht, obwohl sie teils direkt an ihn gerichtet sind. «Wir bleiben dran und wechseln die Plakate einfach aus oder stellen sie neu auf. Mir tun aber die vielen freiwilligen Helferinnen und Helfer leid, die in ihrer Freizeit die Plakate aufhängen.» Ob er im Nachhinein etwas anders im Wahlkampf machen würde, vielleicht etwas leiser wäre, fragen wir. «Auf keinen Fall. Ich gehe Themen an, die sich sonst kaum jemand anzusprechen traut, aber alle denken es», zeigt sich der Anwalt selbstsicher. Extremismus in der Politik in jeglicher Form sei gefährlich für die Schweiz. «Linker genauso wie rechter», so Schmid überzeugt. Doch darüber würden die Medien weniger berichten. Den Vandalismus an seinen Plakaten strafrechtlich zu verfolgen, sieht er nicht als sinnvoll an. Vielmehr wolle er einen Appell starten. «Ich bin stets anständig zu Vertretern anderer Parteien oder Menschen mit einer gegenteiligen Einstellung. Und diesen Respekt fordere ich auch von meinen Gegnern ein.» Ein anderes Thema sei die Kommunikation zwischen Kanton und Gemeinden mit den Bezirksparteien. «Seit zwanzig Jahren werden Wahlplakate an denselben Orten angebracht, und plötzlich wenden das Tiefbauamt des Kantons und die Werkhöfe der Gemeinden ihre Richtlinien so pingelig und willkürlich an. Da geht jedes Augenmass verloren.» Diverse seiner Plakate wurden ohne «Vorwarnung» entfernt und teils gar beschädigt. Er hätte sich erhofft, dass diese vorab mit den Parteien Kontakt aufgenommen hätten, so dass sich die Wahlhelferinnen- und Wahlhelfer viel Arbeit hätten ersparen können.
Thomas Leu ruft zum Plakate bemalen auf
Die meisten anderen Nationalratskandidatinnen- und Kandidaten kamen bisher glimpflich davon. Mancherorts prangt ein gelber, runder Sticker auf Nase oder Mund der Politikerinnen- und Politiker, ein amüsanter Schnurbart oder einfach ein Gekritzel. So auch auf einigen Plakaten von FDP-Politiker Thomas Leu, oder besser gesagt dem «Thurgauer Leu». Er verfolgt sein Wahlkampfmotto konsequent, läuft im Löwen-Kostüm durch die Stadt, übernimmt die Patenschaft des Leus im Plättlizoo und mischt sich unters Volk. Ein ganz anderer Ansatz, als dieser von Pascal Schmid mit seinen klaren Ansagen. Auch wurde wie bei Schmid eines seiner Plakate von einer Gemeinde abgebaut. Auch er hätte eine frühzeitige Kommunikation geschätzt. Falls es sich ergebe, werde er den Punkt nach der Wahl bei der Gemeinde ansprechen. Er konzentrierte sich bei der Wahl der Standorte auf den Gutwill von Privaten Landbesitzern. Dort gebe es am wenigsten Konflikte.
Die Situationen der beiden Nationalratskandidaten ist jedoch auch nicht vergleichbar, ist beiden bewusst. Ein «Buebestreich» oder Beschimpfungen unter der Gürtellinie seien zwei Paar Schuhe.
Inspiriert von den «Kunstwerken» auf seinen Plakaten kam Leu eine Idee: «Warum lasse ich nicht die Leute die Plakate hübsch bemalen?» So nimmt er den «Verschmierern» den Wind aus den Segeln und möchte mit der Aktion für einen «bunteren Wahlkampf» sorgen. So darf man sich ab sofort kreativ an seinen Plakaten austoben – solang die Malereien einem zum Lächeln bringen – versteht sich von selbst. Wer mag, kann ein Foto davon in den Sozialen Medien mit dem Hashtag #wennschoschmieredennrichtig posten.
von Desirée Müller