Die Machtkämpfe haben das öffentliche Bild des Kulturzentrums angekratzt. sb
04.05.2022 11:18
Vorstandsmitglieder gesucht
Aufatmen in der Kreuzlinger Kulturszene – es geht weiter mit dem Kulturzentrum
An einer ausserordentlichen Versammlung hat der Kreuzlinger Kulturverein Kult-X die Weichen für die Zukunft gestellt. Der grosse Rumms, von vielen befürchtet, blieb aus: Statt dreckige Wäsche zu waschen, diskutierte man in weiten Teilen konstruktiv. Die vorgeschlagene Vereinsauflösung ist vom Tisch. Stattdessen geht jetzt die Suche nach neuen Vorstandsmitgliedern los. Die sollen so schnell wie möglich eine neue Betriebsleitung einsetzen.
Kreuzlingen Es war so gar nicht kultig, was im Vorfeld der ausserordentlichen Mitgliederversammlung des Kult-X ablief. Vorstand und Geschäftsführung des Kreuzlinger Kulturzentrums hatten die Auflösung des Trägervereins beantragt (die «Kreuzlinger Nachrichten» berichteten). Während Insider schon länger von Machtkämpfen wussten, bekam die Öffentlichkeit die Querelen hinter den Kulissen erst kurz vor dem hastig angesetzten Termin mit. Wer das Geschehen aufmerksam verfolgte, musste mit dem Schlimmsten rechnen und viele fragten sich: Was, wenn das Kult-X kollabiert?
Die fast dreistündige Versammlung am Mittwochabend vor einer Woche lief dann gesitteter ab als befürchtet. Wie «Thurgau Kultur» schrieb, begann Co-Leiterin Christine Forster den Abend mit einem Lied am Klavier, bevor sie ihre Vision einer neuen Organisationsform, eines Kulturbüros, unter dem Dach der Stadt Kreuzlingen vorstellte. Die «Thurgauer Zeitung» stellte zwar fest, dass zeitweise gestritten wurde und Themen emotional diskutiert wurden. Aber auch die Tageszeitung schreibt: Die Eskalation blieb aus. Am Ende fand Christine Forsters Idee eines Kulturbüros keinen Anklang. Und die beantragte Vereinsauflösung wurde von neun der 18 anwesenden Vereine abgelehnt, fünf stimmten dafür, vier enthielten sich.
Wie geht es jetzt weiter?
Den Antrag der Vorstandsmitglieder und der Geschäftsleitung, zurückzutreten, bekräftigte die Versammlung. Die Co-Betriebsleiter Christine Forster und Stefan Militz werden eigenen Aussagen nach die bislang gebuchten Veranstaltungen durchführen, bis eine Nachfolge gefunden ist. Wie Stadträtin Dorena Raggenbass auf Anfrage mitteilt, werden Stadt, Vorstand und Betriebsleitung in den kommenden Tagen besprechen, wie diese Übergangszeit zu meistern ist. Mit dem Ziel, keine geplanten Veranstaltungen abzusagen, versicherte die Stadträtin. Wann die nächste ordentliche Generalversammlung stattfindet, kann momentan noch nicht gesagt werden. An der Versammlung war zu hören: frühestens im Juli. An dieser soll der Vorstand entlastet und damit aus der Verantwortung entlassen werden. Dabei muss auch die Rechnung und der Revisorenbericht angenommen werden.
Vereine stellten Antrag
Eventuell könnte es aber schon vorher einen neuen Vorstand geben. Denn noch am selben Abend schlossen sich sieben Vereine zusammen, um so rasch wie möglich eine ausserordentliche Generalversammlung einzuberufen. Dies ist laut Statuten mit einem Fünftel der Stimmberechtigten möglich. Diese ausserordentliche Generalversammlung könnte einen neuen Vorstand wählen und den Trägerverein damit wieder handlungsfähig machen. Mit dabei sind die Gesellschaft für Musik und Literatur (GML), das See-Burgtheater, die Festivals Kultling und KIK, das Kinoforum KuK, das Theater an der Grenze und der Chor Grenzenlos. Ins Rollen gekommen ist die Sache nach einem Votum von Sven Frauenfelder. Er wollte an der Versammlung wissen, welche Vereine den Antrag für eine ausserordentliche Generalversammlung unterstützen.
Auf Anfrage sagt der Vertreter des Chors Grenzenlos: «Namen können wir noch keine nennen. Aber Gespräche laufen.» Ziel sei es, einen funktionierenden Vorstand zu präsentieren, sprich mindestens fünf oder sechs Köpfe. Dieser Vorstand muss sich nicht dauerhaft verpflichten. Wichtig sei, die Geschäfte des Kult-X so schnell wie möglich wieder in geregelte Bahnen zu lenken, so der ehemalige Frauenfelder Stadtrat. «Um Menschen zu finden, die sich längerfristig engagieren wollen, bleibt danach noch Zeit. Unser Wunsch ist es, die Vorstandswahlen noch vor den Sommerferien durchführen zu können.» Ein ehrgeiziges Ziel, müssen doch die Einladungen zur ausserordentlichen Versammlung 30 Tage vorher versendet werden. Die Hoffnung der beteiligten Vereine ist also, innerhalb von wenigen Wochen neue Vorstandsmitglieder zu finden. Interessenten können sich per Mail bei Sven Frauenfelder melden (s_frauenfelder@bluewin.ch).
Abspann läuft
Ob diese neue Entwicklung eine Veranstaltungspause zur Folge hat, wird sich zeigen. Auf der Homepage des Kulturzentrums und in den sozialen Medien werden weiterhin Veranstaltungen angekündigt. Eine der letzten war ein Konzert. Zu hören gab es Filmmelodien. ⋌Stefan Böker