V.l. René Künzli, Patrick Eich, Werner Lenzin und Carsten Niebergall. zVg
06.09.2023 09:00
Was möchten Kinder über ihre Grosseltern wissen?
Es ist nunmehr bald vier Jahre alt, das Projekt «Was ich über mein Grosi wissen sollte», welches René Künzli, Gründer der terz-Stiftung in Berlingen, anstiess und der pensionierten Sekundarlehrer und Schulleiter Werner Lenzin entwickelte. In der Projektgruppe wirken weiter der Gerontologe Carsten Niebergall und der Medienfachmann Patrick Eich mit. Nun steht es in der Umsetzungsphase im Zyklus 1 an der Schulgemeinde Bottighofen und auch Kreuzlingen und Berlingen haben ihr Interesse angemeldet.
Berlingen Die Vergangenheit zeigt, dass in früheren Zeiten zwei oder gar drei Generationen unter einem Dach wohnten und die Anwesenheit zum Alltag der Heranwachsenden gehörten. Dies hat sich grundlegend geändert und oft wohnen Grossmami und Grosspapi weit weg und die Beziehungen zwischen den beiden Generationen hat sich geändert, zumal auch viele Seniorinnen und Senioren bis ins hohe Leben ein eigenständiges und aktives Leben führen. «Das vorliegende Projekt hat zum Ziel, den Wert älterer Menschen differenziert zu betrachten und zu würdigen», erklärt René Künzli. Dabei sollen ältere Menschen mit Kindern in wechselseitiger Weise in Kontakt treten.
Fünf Lektionen zum Auftakt
Die ersten fünf Lektionen hat der ehemalige Märstetter Schulleiter Werner Lenzin in Zusammenarbeit mit der Projektgruppe entwickelt und sie sollen interessierten Lehrpersonen im Kanton Thurgau zusammen mit dem dazugehörenden Material zur Verfügung gestellt werden. Sie stimmen überein mit dem Lehrplan 21 des Kantons Thurgau und lassen sich dort im Bereich «Natur, Mensch und Gesellschaft» einsetzen, geht es doch darum, Lebensweisen und Lebensräume von Menschen zu erschliessen und zu vergleichen. Anfänglich setzen sich die Kinder im Verlaufe dieser Lektionen in Anknüpfung an ein Lied und verschiedene Gegenstände aus der früheren Zeit mit den verschiedensten Fragen rund um das Alter auseinander. Fortgesetzt wird das Thema mit der Anwesenheit von Grosseltern im Unterricht und einem Gespräch mit gegenseitigen Fragestellungen. Weiter geht es dann mit alten Berufen und Werkzeugen und mit Schilderungen der Schule von damals. Als sehr anspruchsvoll darf die fünfte Lektion bezeichnet werden: Man will den Schülern das Thema Demenz aufzeigen und sie dafür sensibilisieren. Die Lektion basiert auf dem Kinderbuch «Anna mag Oma und Oma mag Äpfel» von Katrin Hofer Weber und Tatjana Mai-Wyss.
Durchwegs positive Feedbacks
Erste Lektionen wurden bereits im vorletzten und letzten Jahr in Sirnach und Bischofszell gehalten. «Ich habe das Grosi-Projekt in der Klasse behandelt und die Kinder waren Feuer und Flamme», schreibt Mirjam Brühwiler, Lehrperson des Zyklus 1 im Schulhaus Nord der Volksschulgemeinde Bischofszell. Die Kinder hätten die Gegenstände von früher in Form von alten Skiern, Hilfsmittel vom Bauernhof und anderes begeistert in die Hand genommen und mitten im Thema von ihren Grosseltern erzählt und sich über den Unterschied von Alt und Jung gesprochen. «Im weiteren Verlauf verglichen wir Berufe von früher und heute, lernten die Demenz-Krankheit kennen und besonders fesselte die Kinder der Vergleich der Schule von früher und heute», so die Lehrperson. «Das Projekt beinhaltet ein Thema, welches ich bestimmt wieder mit einer Klasse behandeln werde und ich würde es sehr befürworten, wenn das Projekt von der Volksschulgemeinde Bischofszell weitergehend unterstützt würde, fasst die Lehrperson von Schulhaus Nord zusammen. Der pädagogische Leiter, Pierre Joseph, der Volksschulgemeinde Bischofszell schliesst sich an: «Für die Zukunft erhoffen wir uns, dass viele weitere Schulen und Klassen ebenfalls in den Genuss dieses Angebots im Rahmen des Lehrplans 21 kommen.» Auch Lehrerin Nicole Havenstein vom Schulhaus Obertor in Bischofszell hat zusammen mit ihren Schülerinnen und Schülern das Thema interessant und positiv erlebt. «Durch das Begreifen der Gegenstände konnten die Kinder aktiv teilnehmen, wie auch beim gemeinsamen Austausch der Fragen durch eine aktive Teilnahme», fasst sie zusammen. Sie erachtet das Thema für diese Altersklasse als ideal und kann sich weitere Folgelektion gut vorstellen.
Wie geht es weiter?
Nun liegt das Projektgesuch beim Departement für Erziehung und Kultur (DEK) und auch Regierungsrätin Monika Knill hat positive Signale ausgesendet: «Das Projekt greift mit dem demografischen Wandel und den damit verbundenen Heraus-forderungen ein sehr aktuelles Thema auf und die gesellschaftspolitischen Bereiche sind auch im Lehrplan Volksschule Thurgau verortet», schrieb sie zum Projekt-Start. Dabei hält sie fest, dass, wenn eine Schulgemeinde ein Pilotprojekt einreicht, das Amt für Volksschule das Projekt wohlwollend, dies auch im Zusammenhang mit einer finanziellen Unterstützung, prüfen wird. Dieses Gesuch darf das Departement von der Schulgemeinde Bottighofen erwarten.
red