«Ihr werdet ein Kind finden, das in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegt...» Symbolbild
23.12.2023 00:00
«Weihnachten feiern heisst auch, dem Leben vertrauen»
Pfarrerin Esther Baumgartner von der Evangelischen Kirche Weinfelden über Weihnachten als das Fest der Liebe und auch als Fest der Trauer aber auch als eine gute Gelegenheit einmal Danke zu sagen.
Weihnachten wird als Fest der Liebe und der Freude gefeiert. Doch nicht alle können sich restlos freuen. Für viel ist es eine Zeit, in der auch schmerzhafte Erinnerungen geweckt werden. Menschen, die wir verloren haben, kommen uns besonders in den Sinn. Gerade ältere Menschen mussten im Laufe ihres langen Lebens von vielen Freundinnen und Freunden und Familienangehörigen Abschied nehmen und das Fehlen der geliebten Personen wird durch Weihnachten schmerzlich bewusst.
Versöhnung und Erneuerung
Der Verlust eines Menschen ist aber nicht immer durch ein Sterben bedingt. Auch Streit, Missverständnisse und Unversöhnlichkeit können Beziehungen auseinanderreissen. Das Familienfest Weihnachten macht uns solche Brüche schmerzlich bewusst. Dabei haben wir nicht alles selbst in der Hand. Nicht jeder und jede konnte in intakten Familienverhältnissen aufwachsen oder die Geborgenheit einer Gemeinschaft erleben. Gerade deshalb liebe ich die unzähligen Weihnachtsgeschichten so sehr (z.B. die bekannte Geschichte von Charles Dickens über den Geizhals Ebenezer Scrooge, der von der Liebe berührt seine Haltung ändert). Sie berichten uns von Versöhnung und der Erneuerung verloren geglaubter Beziehungen und weisen damit auf Wunder hin, die heute noch Tatsache werden können. In ihnen steckt der Grundinhalt von Weihnachten: «Euch ist heute der Heiland geboren.» Ein Heiland – einer der heilt, der verbindet. Durch seine Worte und sein Leben bringt er den Menschen einen neuen Zugang zu Gott. Dort, wo wir Gott vertrauen können, wächst auch ein Vertrauen in das Leben, in uns selbst und in den Nächsten.
Weihnachten ist die Gelegenheit Danke zu sagen
Bei uns in der Evangelischen Kirchgemeinde engagieren sich neben den festangestellten Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen auch viele Freiwillige. Allen ist es ein Anliegen, die Liebe und Fürsorge für die Menschen in Wort und Tat weiterzugeben. Weihnachten ist deshalb auch die Gelegenheit Danke zu sagen. Vieles am Dienst für die Mitmenschen geschieht im Verborgenen und manchmal in kleinen Gesten, die einfach sagen möchten: «Du bist nicht vergessen!» Danke helfen wir einander, unsere Welt menschlicher zu machen. Von Herzen wünsche ihn Ihnen ein «heilsames» Weihnachtsfest mit all den Erinnerungen, die dazu gehören. Weihnachten zu feiern heisst auch, gemeinsam dem Leben vertrauen.
Aus dem Lukasevangelium Kapitel 2, Verse 9-14
Und der Engel des Herrn trat zu ihnen und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie und sie fürchteten sich sehr. Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch grosse Freude, die allem Volk widerfahren wird. Denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr in der Stadt Davids. Und das habt zum Zeichen: ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen». Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen: «Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens.⋌Esther Baumgartner, Pfarrerin