Weinfelden auf zwei Rädern unterwegs
Von Desirée Müller
Von Desirée Müller
Weinfelden Stadtrat Daniel Engeli setzt seinen Velohelm und die rassige Bikerbrille ab. Direkt von Frauenfeld sei er her geradelt – und das nicht nur zu Demonstrationszwecken, das können viele bestätigen, sagt er amüsiert. Oft sei er an einem Tag mit drei Fahrrädern unterwegs. Dem Militärvelo, dem 45er-E-Bike und dem Rennvelo, mit dem er an einem Tag locker 90 Kilometer abstrampelt. Doch in Weinfelden gebe es Luft nach oben was den Langsamverkehr angehe. Zu enge Wege oder holprige Strassen gebe es in den nächsten Jahren zu optimieren. Ein Konzept für den Dorfkern sei im Entstehen, versichert Engeli dem anwesenden Velo-Fan Franz Portman. Ein Auto hat dieser schon lange nicht mehr, bis 20 Kilometer Umkreis deckt er locker mit dem Zweirad ab. Für den Enkel gibt’s einen Kinderanhänger, einen anderen für die Einkäufe. Ausser prekäre Wetterverhältnisse gebe es keine Ausrede, um das Auto zu nehmen, sind sich Engeli und Portmann einig.
«Es gibt viele Weinfelderinnen und Weinfelder, die für 500 Meter «den Karren» aus der Garage holen», weiss der überzeugte Radler Portmann. «Obwohl man mit dem Rad eine enorme Zeitersparnis hat. Kein Parkplatz suchen, Ticket lösen und so weiter», zählt der Stadtrat auf. Die Macht der Gewohnheit treibt die Menschen an, auf vier statt zwei Rädern zum Einkaufen, ins Café oder zur Arbeit zu fahren. Um das Bewusstsein für die Co2-freundliche Art sich fortzubewegen zu stärken, beteiligt sich Weinfelden das erste Mal an der Velo-Challenge. Pro 500 Meter bekommt man einen Punkt. Rabatte für den Veloservice oder eine reduzierte Mietgebühr fürs trendige Cargo-E-Bike gibt es bereits mit wenigen Punkten abzusahnen. Vier 500-Franken-Gutscheine für ein Weinfelder Geschäft, ausgenommen Grossverteiler, wird unter den fleissigsten Radlern verlost. Ein weiterer Anreiz soll die Weinfelder zum Velofahren motivieren: Die kostenlose App trackt das Fahrverhalten der Nutzer, zeigt die gefahrenen Strecken an und erkennt, ob man zu Fuss, mit dem Velo oder Auto unterwegs ist. Automatisch wird die verursachte Co2-Emmission berechnet und ein Smiley zeigt an, ob es zufrieden mit einem ist. Quasi ein Bewegungs-Tagebuch. «Der Teilnehmer kann selbst bestimmen, ob wir die Daten zur Auswertung nutzen dürfen, oder ob er die zurückgelegten Strecken manuell eintragen möchte», spricht Projektleiter David Keller ein wichtiges Thema an. Wer die Daten frei gibt, unterstützt die Stadt Weinfelden, denn diese möchte die Auswertung verwenden, um einen Eindruck über die Nutzung der Wege der Velofahrer zu gewinnen. Anhand dieser Erkenntnisse können weitere Schritte in der Verkehrsplanung respektive der Veloinfrastruktur vorgenommen werden. Eine Feedback-Plattform für Velofahrer sei dazu angedacht. «Über diese können künftig Fotos oder Kommentare niederschwellig hochgeladen werden», so Daniel Engeli.
Wer die Hauptzielgruppe der Challenge sei, wird gefragt. «Ich finde es wichtig, dass man die Gewohnheit ablegt, auch für kurze Strecken das Auto zu nehmen», so Portmann. So sei die Aktion grundsätzlich für alle da. Und nicht nur für Weinfelder: «Auch Pendler können sich an der Challenge beteiligen. Wer zum Beispiel mit dem Zug nach Weinfelden kommt und dann mit dem Velo an den Arbeitsplatz fährt», so David Keller. Dazu zähle auch der Gemeinschaftsgedanke. So hofft die Stadt, möglichst viele zu einer Teilnahme zu bewegen und so als Gemeinde bei der Challenge punkten zu können.
Die App ist für Android und IOS-Geräte verfügbar und kann über www.cyclomania.ch runtergeladen werden.
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