Viele Weinfelder Fachgeschäfte präsentierten sich an der WEGA.
Bild. zVg
22.02.2024 00:00
«Weinfelden hat Potenzial»
Lädelisterben ist in Weinfelden aktuell kein Thema - ganz im Gegenteil
Von Lädelisterben kann in Weinfelden nicht die Rede sein – so denken zumindest die Befragten Detaillisten. Ob Optiker, Feinkostläden, Handwerkerbedarf oder Floristik, sie alle sind überzeugt, dass Weinfelden attraktiv ist und Potenzial für Wachstum besteht.
Weinfelden «Wir haben ein Kommen und Gehen von Geschäften, was wir als Normalität empfinden. Entstandene Lücken sind bereits mit neuen Geschäften geschlossen worden. Diverse Übernahmen durch jüngere Nachfolger und Nachfolgerinnen münden in einer Verjüngung der Strukturen und entsprechenden Anpassungen in Auftritt und Angebot», so Peter Kimpel von der Villa Optik AG. Die Fachgeschäfte müssten ihr Waren- und Dienstleistungsangebot immer wieder an veränderte Marktbedingungen anpassen. Sei dies die Situation mit dem Onlinehandel, mit neuen technischen Entwicklungen oder die Grenznähe mit dem Einkaufstourismus.
Die Erscheinung sei aber keineswegs neu und nicht messbar. «Weinfelden ist eine wachsende kleine Stadt, die als Wohn- und Arbeitsort interessant ist. Unsere Aufgabe als Fachgeschäfte besteht darin, den Ort als Ganzes und das Ortszentrum im Besonderen auch als Einkaufsziel attraktiv zu erhalten. Dazu entwickeln wir gemeinsame Ideen und Aktionen und erfahren dabei auch tatkräftige Unterstützung durch die Stadt und das Gewerbe.» Loretta Giacopuzzi Schätti von «Wein und mehr» sieht das Verhalten der Fachgeschäfte als «normale Entwicklung in einer Kleinstadt.» Es gebe Läden die schliessen und solche, die neu eröffnen. In Sachen Kundenverhalten spürt sie keine grosse Veränderung. «Unsere Kunden möchten Qualitätsprodukte und eine persönliche Beratung. Das bieten wir ihnen und deswegen kommen sie zu uns.» An «Nachwuchs-Kunden» mangle es nicht. So kämen immer wieder neue Gesichter in ihr Geschäft. Sie selbst unterstütze die Detaillisten, in dem sie so oft wie möglich dort einkaufe. Auf die Frage, was sie sich von den Weinfelderinnen und Weinfeldern wünsche, antwortet sie mit der schönen Aussage: «Dass sie so bleiben wie sie sind.»
Alles wird teurer
Sara Baumgartner von der Pius Schäfler AG, vormals Papeterie Hutterli, sieht, dass sich das Einkaufsverhalten überall verändern. «Ich denke aber, dass Weinfelden Potenzial hat zu wachsen.» Trotzdem werde alles teurer und die Leute müssten wieder mehr auf ihr Geld schauen. Sie kann auf Stammkunden zählen. Die Lage nahe der Schule und dem Bahnhof verschaffe ihnen aber auch immer wieder Neukunden. «Wichtig ist, dass man nicht nur fordert, sondern auch zusammen mit dem Gewerbe den Kunden etwas bietet. Dass heute der Onlinehandel sehr stark ist, wissen wir alle und genau deshalb müssen wir uns abheben davon.»
«Unser Zentrum funktioniert. Wichtig ist aber, dass wir die Qualität halten können. Im Optiker-Bereich heisst das, dass wir regelmässig Weiterbildungen besuchen und mit Lieferanten arbeiten, auf die man sich verlassen kann.» Uwe Baumgartner von Neugart Optik sieht vor allem im Wyfelder Fritig eine grosse Chance für die Geschäfte. Dieser biete den potenziellen Kundinnen und Kunden niederschwellig einen Blick in die Geschäfte werfen zu können. Der gesellschaftliche Rahmen trage dazu bei, dass sich die Weinfelderinnen und Weinfelder träfen und ganz unverbindlich ins Gespräch mit den Detaillisten kämen. «Immer am Ball bleiben», ist Baumgartners Motto. Seine Kundschaft beschränkt sich jedoch nicht nur auf diese aus Weinfelden. So hat er Gäste vom ganzen Thurgau und sogar aus Winterthur bei sich zu Gast. Auch der Einkaufstourismus tut ihm nichts an. Obwohl die Preise wohl unschlagbar sind.
Von nichts, kommt nichts
Tanja Reinhard vom Blütenwerk ist positiv gestimmt. Sie beobachtet einen stetigen Umsatzwachstum. Das Einzugsgebiet ihrer Kunden habe sich vergrössert und vom Einkaufstourismus merke sie nichts. Doch von nichts, kommt nichts: «Wir pflegen gute Beziehungen zu unserer Kundschaft und zu unseren Geschäftspartnern. Zudem sind wir aktiv im Gewerbeverein (Ideengruppe) und machen bei der Belebung von Weinfelden mit. Wir beobachten den Markt und die Entwicklungen, besuchen Fachmessen, sind im Branchenverband im Vorstand, bilden Lernende aus und versuchen ein attraktives Sortiment anzubieten.»
Tradition wird weitergeführt
Die Conrad AG ist ein alt eingesessenes Fachgeschäft in Weinfelden, das seit 1970 besteht. Auch Stefan Conrad kann ein Wachstum erkennen. Er setzt auf Neuzuzüger: «Jeder neue Einwohner ist eine Chance für unsere Läden in Weinfelden. Mit freundlicher, kompetenter Beratung und qualitativ hochwertigen Produkten können wir sicher punkten und neue Kundschaft gewinnen.» Viele Fachgeschäft in Weinfelden seien Traditionsgeschäfte und könnten sich durch diese Eigenschaften immer wieder beweisen und halten. Gerade auch die Diskussion um Nachhaltigkeit führe immer wieder junge Menschen in die Fachgeschäfte.
Artfremd vermietet
«Wir bemühen uns darum, langlebige Produkte zu fairen Preisen anzubieten und dadurch auch ein attraktives Einkaufserlebnis zu ermöglichen», so Stefan Conrad weiter. An Treffen der Detaillisten würden regelmässig Gespräche geführt und gemeinsam neue Ideen erarbeitet. Die Stadt Weinfelden sei immer gesprächsbereit und sie stünden in gutem Kontakt. «Ich wünschte mir jedoch einen regelmässigen Austausch, einen runden Tisch, mit uns Detaillisten. Oft werden Ladenlokale an bester Lage artfremd vermietet , wie etwa Schule für Gesundheit, Ärztezentren.» Damit die Attraktivität von Weinfelden gestärkt werde, müsse dringend ein Überbauungsplan des SBB-Areals angerissen werden.
Die SBB-Immobilien würden kaum von sich aus aktiv, so Conrad. «Ladengeschäfte um den Bahnhof sind gefragt und attraktiv für die Kundschaft und unsere Stadt. Also: warum bringen wir kein Projekt, wie es in anderen Städten schon längst zu einer Attraktivitätssteigerung geführt hat.» Ein «Lädelisterben» sehe er nicht in Weinfelden. «Es sind immer wieder Veränderungen zu akzeptieren.»
Guter Dinge
Angst, dass Weinfelden durch das weit verbreitete «Lädelisterben» Geschäfte schliessen müssen, ist bei keinen der Befragten zu spüren. Ganz im Gegenteil. Sie alle sind voller Tatendrang und Dankbarkeit den Weinfelderinnen und Weinfelder gegenüber.
Von Desirée Müller