10.02.2022 00:00
Weiterbildung während der Pandemie
Studierende des Bildungszentrum für Wirtschaft in Weinfelden erreichen während der Pandemie Bestnoten
Roger Peter und sein Team mussten zu Beginn der Pandemie innert 24 Stunden entscheiden, ob der gesamte Unterricht der 2'000 Studierenden per sofort auf Fernunterricht umgestellt werden soll. Eine "brutale" Herausforderung für den Prorektor Weiterbildung des BZWW. Er erzählt, wie es mit dem Weinfelder Bildungszentrum weiter geht.
Weinfelden Das Bildungszentrum für Wirtschaft Weinfelden (BZWW) ist ein Paradebeispiel dafür, wenn es darum geht, wie effizient Bildungseinrichtungen die Pandemie bewältigen. Auch wenn dies Prorektor Roger Peter, stets bescheiden, nie so sagen würde. Insgesamt neun Monate blieben die Unterrichtsräume geschlossen. Doch gelernte wurde trotzdem: Innerhalb kurzer Zeit fanden alle Kurse und Lehrgänge am BZWW im Fernunterricht statt, davon betroffen waren 120 Dozenten und 2'000 Studierende. Eine koordinativ gewaltige Aufgabe, welche das Kollegium zu Beginn nur vage abschätzen konnte, wie Peter heute nach zwei Jahren erzählt. Nebst der Information der Teilnehmenden, mussten die technischen Voraussetzungen geschafft und die Lehrpersonen in kürzester Zeit für das Unterrichten über die Ferne ausgebildet werden. "Es freute mich, dass die Bereitschaft der Mitarbeitenden so gross war, dass auch Dozenten, welche seit 30 Jahren unterrichten sich voll motiviert bereit erklärten, sich das nötige Wissen für den Fernunterricht anzueignen." Der Unterricht über Distanz sei nicht 1:1 mit dem Präsenzunterricht zu vergleichen. "Die Dozentinnen und Dozenten mussten sich während des digitalen Unterrichts methodisches, didaktisches und technisches Know-how aneignen und somit einen zusätzlichen Effort leisten." Neu waren die Sachbearbeiterinnen und Sachbearbeiter zusätzlich noch technische Berater der Studierenden, was einen deutlichen Mehraufwand bedeutete.
Unterbruch wäre fatal
Auch von den Lernenden wurde der Bildungsinstitution grosses Verständnis entgegegen gebracht. 90 Prozent der bereits laufenden Kurse konnten weitergeführt werden, bei den Lehrgängen waren es sogar 100. "Für einige Studierende von weiter weg war der digitale Unterricht von Vorteil". Vor allem für Studierende, die sich auf ein kantonales oder nationales Zertifikat oder ein eidgenössisches Diplom vorbereiten, wäre laut Peter ein Ausfall oder Unterbruch des Unterrichts fatal gewesen. Die wenigsten Prüfungstermine wurden verschoben. Ein Unterbruch hätte für die Studierenden eine Verzögerung des Abschluss von bis zu eineinhalb Jahren bedeutet. Umso mehr freut sich Peter darüber, dass die Studierenden am BZWW in sämtlichen Prüfungen besser als der Schweizer Notendurchschnitt waren. Viele der Abgänger hätten sich explizit dafür bedankt, dass das BZWW sie in ihrem Ziel, die Weiterbildung fristgerecht abzuschliessen, unterstützt habe.
"Bei den Kursen, die während der Phase des Fernunterrichts neu gestartet wurden, war die Durchführungsquote immer noch erfreulich hoch, ein Rückgang der Anmeldungen war aber klar spürbar", so Peter. Speziell in den Sprachkursen, ergänzt er. Der Austausch sei dort essenziell und nicht mit dem Fernunterricht zu ersetzen. Vor allem berufliche Unsicherheiten vermutet er als Gründe, warum sich Arbeitnehmende während der Pandemie weniger für Lehrgänge entschieden. Doch das Interesse scheint wieder zu steigen. Die Anmeldungen für Wirtschaftslehrgänge entwickeln sich in eine gute Richtung. Der Präsenzunterricht findet mittlerweile wieder statt, was von den meisten Lernenden geschätzt wird. Um jene, welche in der Quarantäne "ausharren", trotzdem am Stoff teilhaben zu lassen, wird bei einigen Kursen und Lehrgängen "hybrid" unterrichtet. Sprich, der Unterricht im Klassenzimmer wird live auf die Laptops der Studierenden übertragen.
Desirée Müller