Das Budget 2023 der Stadt Weinfelden steht.
31.10.2022 10:27
Wie ein orientalischer Markt
Budget 2023 vorgestellt
Grössere Sanierungsprojekte im Strassenbau werden verschoben und für «Extrawürste» der Ressorts hat es keinen Platz im Budget 2023. Max Vögeli und Erwin Wagner schnüren die Gürtel enger und werfen einen Blick zurück in die Vergangenheit.
Weinfelden Ein schwieriges Umfeld sei es. Die Entwicklungen ungewiss, so wie die Inflation. Dann noch die Ukraine, die hohen Energiepreise und die Nachwehen der Pandemie. «Alles Faktoren, welche den Finanzhaushalt der Stadt Weinfelden beeinflusst haben», sagt Stadtpräsident Max Vögeli im Rahmen der Medienorientierung. Es ist seine letzte Budgetplanung und wider erwarten wird dem baldigen Pensionär das Jonglieren mit den Zahlen fehlen. Ein Job, bei dem man es nicht jedem Recht machen kann. Wie auf dem orientalischen Markt sei dieses Jahr gehandelt worden, sagt Finanzleiter Erwin Wagner. Denn sparen war das Motto des Budgets 2023. «Es gab beim Budgetprozess zwei Sparrunden. Von drei sind wir auf 1,7 Millionen runtergekommen », so Vögeli. Alle Ressort müssen laut Wagner Einsparungen machen, der Gurt werde überall enger geschnallt. Grosse Posten wie Strassensanierungen werden hinausgezögert, kleinere Positionen und Notwendigkeiten anders beurteilt und wenn möglich verschoben. Das Problem sei natürlich nicht behoben mit der «Verzögerungs-Taktik», doch aktuell die einzige Möglichkeit, Geld zu sparen. Schliesslich sei die Budgeterstellung kein Wunschkonzert. Ein unerwarteter Budgetposten tat sich im Sommer auf, als Thurgauerhof Direktor Beat Engel kündigte. «Wir mussten die Strukturen neu organisieren und Anschaffungen tätigen wie Reinigungsmaschinen. Dies wurde bisher alles in Eigenregie des Thurgauerhofs bewerkstelligt», so Wagner. Der Stelzenhof sei als Caterer zuständig, die Verwaltung und Vermarktung des Thurgauerhof- Saals laufe über die Messen Weinfelden AG. Es sei eine «riesige Geschichte, um darin Fuss zu fassen», doch funktioniere soweit alles wie geplant.
Ungewisse Investitionen
Grundsätzlich solide sei er, der Finanzhaushalt der Stadt. Der Personalaufwand werde leicht zunehmen, da eine 80-Prozentstelle in der Kommunikation neu geschaffen wird. Auch müssen mit steigenden Kosten im Bereich Gesundheit gerechnet werden - einem Wachstumsmarkt, wie Max Vögeli sagt. Hier wird das Ressort mit 10 Stellenprozent aufgestockt. Der Posten «Öffentlicher Verkehr» wird mit 1,35 Millionen «en rechte Lupf». So würden laut Wagner die Angebote immer grösser, was demnach auch Kosten verursache. Die geplanten Investitionen sind hingegen schwer einzuschätzen. Grossprojekte wie der geplante Bushof müssen zuerst vors Volk. «Dazu wissen wir nie, ob es noch Einsprachen gibt und der Bau verzögert wird», so Vögeli. Vorhaben wie die Erneuerung der Technik im Freibad, die Realisierung von weiteren Unterflurcontainern oder die Anpassungen an den Bushaltestellen im Rahmen des Behindertengleichstellungsgesetzes sind fix. Ukrainische Flüchtlinge Die Beherbergung der aktuell 50 ukrainischen Flüchtlinge belasten die Rechnung der Stadt nicht weiter. Trotz erheblicher personeller Kosten können die Aufwände von 950'000 Franken mit den Bundesbeiträgen ausgeglichen werden. Doch sei auch schwer vorhersehbar, wie sich dieses Thema in Weinfelden entwickeln wird. Aller Anfang ist schwer Vögeli und Wagner ist bewusst, dass auf die neue Exekutive viele Herausforderungen warten, trotzdem sind sie zufrieden mit ihrem «Werk» der letzten 21 Jahre. Mit 33 Millionen Schulden hat Vögeli seine Amtszeit 2001 angetreten, heute sind es noch acht. Von 85 Steuerprozent, 15 davon alleine für die Begleichung der Zinsen der Schulden, sind es aktuell noch 55. Gemeinsam mit Leiter Finanzverwaltung Erwin Wagner, der seit 30 Jahren den Finger auf den Finanzen hat, können die Männer auf eine erfreuliche Entwicklung zurückschauen.
Von Desirée Müller