30.06.2022 14:27
«Zu Hause ist sie der Chef»
Höchster Weinfelder im Interview
Manuel Strupler ist seit letzter Woche der höchste Weinfelder. Ein schönes Amt, doch die Freude hält sich etwas in Grenzen. Im Interview erzählt er, warum er lieber der Vize geblieben wäre, wie er all seine Engagements unter einen Hut bringt und wer der Tätschmeister in der Familie ist.
Weinfelden «Es ist mir eine Ehre, den Rat zu repräsentieren», sagt Manuel Strupler als frischgebackener höchster Weinfelder. «Bei den Sitzungen werde ich künftig die Leitung inne und nicht mehr aktiv mitdebattieren. Das wird mir wohl fehlen. » Doch er möchte sich für eine faire und korrekte Debatte einsetzen und auch mal den Mut haben einzugreifen, wenn zum Beispiel der Tonfall oder ein Votum nicht angebracht ist. Die Parlamentssitzungen seien aber nicht da, um alle Traktanden einfach abzunicken, eine Debattenkultur sei sehr erwünscht. Der 42-jährige Familienvater sitzt im Besprechungszimmer seines Gartenbauunternehmens. 19 Jahre war der Sohn einer Bauernfamilie jung, die Ausbildung zum Landschaftsgärtner erst gerade in der Tasche, als er den Schritt in die Selbstständigkeit wagte. «Ich hatte immer schon gerne die Zügel in der Hand und konnte anpacken. So auch auf dem Hof der Eltern, welchen ich gemeinsam mit meinem Bruder übernommen habe.»
Er hätte auch einen anderen Weg einschlagen können, bei einem Betrieb Erfahrungen sammeln und sich weiterbilden. «Doch ich entschied mich, alles auf eine Karte zu setzten, auch wenn ich dafür zum Teil Lehrgeld zahlen musste», sagt er und lächelt. Damals war Strupler aktiv im Ringen und Schwingsport unterwegs, trainierte drei bis fünfmal die Woche und verbrachte die Wochenenden im Sägemehl. Ein Unfall stoppte seine Karriere abrupt. «Ich hatte jedoch sowieso vor, dass nach dem Eidgenössischen in Frauenfeld 2010 Schluss ist und ich etwas zurückschrauben will.» Neben dem Platz war er aber weiterhin als technischer Leiter beim kantonalen Schwingverband neun Jahre im Einsatz und half mit, ein starkes Team aufzubauen. Kein Ja-Sager Politik war durch seinen engagierten Vater, der als Stadtrat aktiv war, immer schon ein Thema bei den Struplers. Vor elf Jahren wuchs das Interesse bei seinem Sohn. Er hat seine politische Parteiheimat bei der SVP gefunden und vertritt ihre Werte. Mit allen Entscheidungen sei Manuel Strupler aber nicht einverstanden. «Wer zu allem ja sagt, hat keine eigene Meinung», so sein Credo. Nebst seinem politischen Einsatz, der Leitung seiner Gartenbaufirma und dem Hof, betreiben die Struplers weitere Aktivitäten mit viel Freude und pflegen mit ihrem bald 2-jährigen Töchterchen ein aktives Familienleben. «Ohne meine Frau würde nichts laufen, sie ist zu Hause der Tätschmeister und unterstützt mich bei allen Projekten. Auch wenn es so aussieht, es ist keine One- Man-Show, zwar vertrete ich unsere Engagements nach aussen, doch im Hintergrund ist sie die wichtigste Person.» Ihr Entscheid, sich für die Familie zu engagieren, anstatt «Auswärts» zu arbeiten und sich um die Tochter zu kümmern, rechnet ihr Strupler hoch an. «Und bald schon stösst ein zweites Kind zur Familie dazu», verrät er. Wenn er dann schon mal daheim sei, wolle er sich voll und ganz auf die Familie einlassen und rund um Haus und Hof gibt es auch immer etwas zu werkeln oder im Garten zu pflanzen, klein Anna mache da gerne mit.
Stadtpräsi soll ein anderer sein
Wo er sich in der Politik hin entwickeln möchte, fragen wir. «Eine politische Karriere kann man meiner Meinung nach nicht planen. Ich werde sicherlich nochmals für den Nationalrat kandidieren. Für ein 100- prozentiges Amt in der Exekutive bin ich wohl der falsche Mann, da wäre mir das Korsett zu eng. Hier braucht es einen Generalisten der Weinfelden gut kennt und eine Verwaltung führen kann», spricht er den aktuellen Wahlkampf um das Amt des Stadtpräsidenten an. Ein Berufs- Politiker brauche andere Eigenschaften als Parlamentarier, ist er überzeugt. Auch ein Amt im Weinfelder Stadtrat sei aktuell kein Thema für ihn. «Da gibt es fähigere Leute.» Auf die Wahl des Stadtrats im September ist er gespannt. Es werde keine Bestätigungswahl werden wie auch schon. Alle, auch die bestehenden Mitglieder, können sich laut Strupler nicht sicher sein. So eine grosse Auswahl an Kandidaten hätte es schon lange nicht mehr gegeben.«Es bleibt spannend. » Es ist 8.30 Uhr und die erste Sitzung steht für Manuel Strupler an. Es war spannend, auch mal die persönliche Seite des «Vollblutpolitikers » kennenzulernen.
Von Desirée Müller