01.12.2022 08:34
Zwei Frauen im Stadtrat
Mit Dominique Bornhauser sind die Frauen nun stärker vertreten
Mit einem klaren Vorsprung wird Jurist Simon Wolfer zum Nachfolger von Max Vögeli gewählt. Im Stadtrat wurden alle bisherigen Mitglieder wiedergewählt. Der frei gewordene Platz besetzt neu Dominique Bornhauser. Ueli Fisch und Roger Simmen zeigen sich enttäuscht von den klaren Ergebnis.
Weinfelden Stadtschreiber Reto Marty, dicht gefolgt von Stadtpräsident Max Vögeli, läuft mit schnellem Schritt die Treppe ins Rathaus- Foyer runter. In den Gesichtern der beiden Männer ist keinerlei Regung zu erkennen bis Vögeli einmal durchatmet und lächelnd das Wort ergreift. «Ich bedanke mich herzlich bei allen Kandidatinnen und Kandidaten, dass sie sich in diesem Wahlkampf engagiert haben.» Beginnen wolle er mit den Resultaten des Stadtrates.
Ursi Senn, liess er verlauten, habe mit 2492 die meisten Stimmen erhalten. Gefolgt von Martin Brenner (2468 Stimmen), Valentin Hasler (2451 Stimmen), Hans Eschenmoser (2189 Stimmen) und Dani Engeli (2157 Stimmen). Letzterer atmet erleichtert auf, so auch seine Frau. «Ich wäre schon sehr enttäuscht gewesen und freue mich riesig», so Dani Engeli. Dass der «Zuzüger» Brenner so klar wiedergewählt wird, freut ihn natürlich sehr. Das bewährte Team darf somit weiter zusammen «regieren» und wird neu vom «Küken » Dominique Bornhauser (2077 Stimmen) unterstützt. Die junge Mutter darf auf die Unterstützung von ihrem Mann setzen. «Ich gebe gerne noch mehr Gas in der Kinderbetreuung », verspricht dieser mit einem breiten Lächeln im Gesicht. Er sei doch wirklich sehr stolz auf seine Frau. Als Tochter des langjährigen Stadtrates Thomas Bornhauser will sie aber nicht in seine Fussstapfen treten und als eigenständige, engagierte Politikerin wahrgenommen werden. Die Wahl bestätige dies nun. Ursi Senn war sichtlich gerührt über das Vertrauen der Weinfelderinnen und Weinfelder. Sie vermutet, dass ihr Ressort - Soziales und Familien - zu der hohen Stimmzahl beigetragen habe. «Wenn man über mich in der Zeitung liest, dann meist in einem positiven Zusammenhang. Die Aussenwirkung ist in meinem Ressort emotionaler als zum Beispiel beim Bauressort», so Senn ganz selbstreflektiert. Sie hätte sich nebst Dominique noch eine Frau im Stadtrat gewünscht. Doch immerhin sei die Frauenquote gestiegen.
Und dann kam der Moment: Mit 2310 Stimmen entschied sich das Volk für Simon Wolfer als künftigen Stadtpräsidenten. Der Applaus ist gross. Es ist nicht die Überraschung des Nachmittags und doch wollte sich Wolfer nicht in Sicherheit wiegen. «Ich hörte schon immer wieder Stimmen, dass ich wohl der Favorit sei. Dann aber wieder andere, die sagten, dass es knapp werden könnte.» Diese behielten jedoch unrecht - mit einem klaren Vorsprung auf Ueli Fisch (890 Stimmen) und Roger Simmen (226) holte sich der junge Jurist und Familienvater den Sieg. Er sei - verständlicherweise - sprachlos. So ganz wird er wohl erst später realisieren, was das Resultat für seine Zukunft bedeutet. «Ich werde noch bis Anfang Jahr in der Kanzlei arbeiten. Es gab schon mehrere Kollegen, die in die Politik wechselten, daher standen alle hinter meinem Entscheid.» Und er könnte auch wieder in die Kanzlei zurück kehren, ist Wolfer als Plan B wichtig. Doch daran sollte er aktuell nicht denken, sondern an die herherausfordernde Zeit, die vor ihm liegt.
Zweiter ist enttäuscht
Ueli Fisch zeigt sich ehrlich enttäuscht. «Dass ich so klar hinter Simon liege, hat mich dann doch sehr überrascht und getroffen.» Der Ottoberger investierte viel Zeit und Energie in seinen Wahlkampf. Eine weitere Wahlniederlage im Tagebuch von Fisch. Doch aufgeben werde er nicht. Die Stände- und Nationalratswahlen stünden an. Von der Weinfelder Exekutive habe er sich aber somit verabschieden. «Von meinem Alter her ist dieser Zug abgefahren. » So werde er auch bei der nächsten Wahl nicht gegen Wolfer antreten. Auch Roger Simmen ist enttäuscht über das Resultat. Doch beides sind faire «Verlierer».
Von Desirée Müller