Die JazzMeile begeisterte jährlich ein grosses Publikum. Im kommenden Jahr fällt die beliebte Veranstaltung allerdings aus. ⋌Seesalz
14.10.2026 07:44
JazzMeile: «Das Ehrenamt kommt an seine Grenzen»
Organisation muss für die Zukunft breiter aufgestellt werden - Die Weiterentwicklung wird überdacht
Im nächsten Jahr gibt es keine JazzMeile. Der Vorstand braucht eine schöpferische Pause und hofft darauf, dass sich Interessierte für eine Mitarbeit im Verein melden. Denn nach 20 Jahren intensiver Arbeit stösst das Ehrenamt an seine Grenzen.
Kreuzlingen «2027 legt die JazzMeile eine Pause ein», bestätigt Sabine Köhler, im Vorstand für die Medien zuständig. Diesen Entscheid habe der Vorstand gemeinsam getroffen. Die Pause soll genutzt werden, um das Festival organisatorisch, personell und finanziell weiterzuentwickeln und die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Zukunft zu schaffen. «Der Vorstand nutzt die Zeit, vor allem, um zusätzlich Mitwirkende zu gewinnen», erklärt Sabine Köhler. Doch der grosse Erfolg hat auch seine Schattenseiten: die Anforderungen an die Organisation sind gestiegen. Und diese Organisation liegt allein auf den Schultern des Vorstandes.
«Wir laufen auf dem Zahnfleisch»
Was vor 20 Jahren als eher bescheidenes Strassenfest begann, hat sich zu einem festen Bestandteil des Kreuzlinger Veranstaltungskalenders entwickelt. «Heute wird die JazzMeile von einem ehrenamtlich tätigen Vorstand und einem kleinen Organisationskomitee getragen, acht bis zehn Personen übernehmen einen grossen Teil der Planung und Durchführung», so die Mediensprecherin. Das sei auf Dauer nicht mehr tragbar. Denn neben der Programmauswahl ständen die Verpflichtung der Bands, die Künstlerbetreuung, das Sponsoring, die Werbung, die Technik, die Infrastruktur, die Bewilligungen, die Sicherheit und vieles mehr auf der Aufgabenliste des Vorstandes. «Alle Mitglieder haben auch noch einen Beruf, Familie, andere Hobbies, wir haben dieses Jahr gemerkt, dass es schlicht und einfach zu viel wird», schildert Sabine Köhler die Situation. «Wir laufen auf dem Zahnfleisch».
Der Vorstand wolle deshalb im kommenden Jahr eine Pause einlegen und auf die JazzMeile verzichten. Die Zeit solle genutzt werden, um die nächste Ausgabe sorgfältig zu planen. «Im Zentrum steht die Erweiterung des Vorstands oder die Bildung eines Unterstützungsteams», sagt Sabine Köhler. Die Aufgaben müssten auf mehrere Schultern verteilt werden. Gesucht würden nun Personen, die sich in den Bereichen Musikauswahl, Künstlerbetreuung, Organisation, Kommunikation und praktische Umsetzung engagieren wollten. Zusätzliche Unterstützung brauche es brauche es beim Verteilen der Flyer, beim Aufhänger der Plakate und zahlreichen Arbeiten rund um den Anlass.
Finanzielle Basis entscheidend
Für den Präsidenten Eckbert Bohner «schafft die Pause aber auch den notwendigen zeitlichen Rahmen, um weitere Sponsoren, Gönner und Partner mit ins Boot zu holen». Insbesondere die Kosten für Technik und Infrastruktur seien in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. «Grössere Bands bringen höhere finanzielle und organisatorische Anforderungen mit sich» sagt er. Auch wenn die JazzMeile auf gesunden Füssen stehe, sei eine langfristig gesicherte finanzielle Basis entscheidend, um die besondere Qualität und den persönlichen Charakter des Kreuzlinger Musikfestivals zu erhalten. Der Vorstand gehe nun über die Bücher, was die Zukunft der JazzMeile angehe. «Klar ist, dass es mehr Engagement von mehr Personen braucht, der jährliche Stress für den Vorstand ist keine Lösung. Aber vielleicht, wir werden es sehen, muss die JazzMeile auch gar nicht jährlich stattfinden».
Auch während der Veranstaltungspause soll die Musik nicht verstummen. «Der Vorstand möchte Mitte 2027 im Raum Kreuzlingen ein besonderes Konzert für Vereinsmitglieder und Sponsoren ausrichten. Damit soll die Verbundenheit zur JazzMeile gepflegt und zugleich ein musikalisches Dankeschön für die langjährige Unterstützung geschaffen werden», blicken Sabine Köhler und Eckbert Bohner voraus.Mit der Veranstaltungspause übernehme der Vorstand die Verantwortung für die Zukunft des Festivals. Ziel bleibe es, die JazzMeile mit ihrer musikalischen Vielfalt, ihrer Nähe zum Publikum und ihrem unverwechselbaren Charakter fortzuführen. «Das JazzMeilen-Komitee bleibt aktiv und wird sich für 2027 etwas einfallen lassen», verspricht Eckbert Bohner.
Von Kurt Peter