Die beiden Schwestern Laura-Jolie (l.) und Amelie-Charlene mit ihren Pferden Flashdancer (l.) und Fitch Unstoppable KWG. Bild: Nico Wrzeszcz
14.10.2026 14:00
Zwei Schwestern, ein Ziel: Mit der Dressur in Richtung Spitze
Laura-Jolie und Amelie-Charlene Finkeldei haben sich im Dressursport bereits einen Namen gemacht. Die beiden Schwestern aus Illighausen feiern nationale Meistertitel und internationale Podestplätze. Während Laura-Jolie bereits dem Schweizer Junioren-Nationalkader angehört, verfolgt Amelie-Charlene das gleiche Ziel.
Dressurreiten Wenn Laura-Jolie und Amelie-Charlene Finkeldei nicht gerade in der Schule sind, verbringen sie viel Zeit bei ihren Pferden im Stall in Bettwiesen. Der Dressursport bestimmt ihren Alltag und verlangt neben dem Training auch viel Einsatz für die Tiere. Beim Besuch der Familie in Illighausen wird deutlich, wie früh die Begeisterung für Pferde begonnen hat. «Mit zwei kleinen Kindern zu Hause habe ich mir einen Ausgleich gesucht und fand diesen im Reiten», erzählt ihre Mutter. Als Laura-Jolie eines Tages gefragt habe, ob sie mitkommen dürfe, habe alles seinen Lauf genommen.
Vom Pony zu nationalen Erfolgen
Auf erste Reitstunden folgten Reitlager während der Schulferien. Schon bald wurde aus der Begeisterung der Wunsch nach einem eigenen Pony. Mit Sammy erfüllte sich dieser 2019. Ein halbes Jahr später kam ein zweites Pony dazu, damit auch Amelie-Charlene regelmässig reiten konnte. Die beiden sammelten wertvolle Erfahrungen und entwickelten ihre Fähigkeiten im Dressurviereck kontinuierlich weiter.
Der Schritt in den Turniersport liess nicht lange auf sich warten. Erste Wettkämpfe eröffneten den Schwestern neue Perspektiven, auch wenn die Corona-Zeit den Einstieg zunächst erschwerte. Mit wachsender Erfahrung stellten sich die Erfolge ein. Ein Höhepunkt war das Jahr 2025: Bei den Schweizer Meisterschaften in der Kategorie Pony wurde Laura-Jolie Vizemeisterin, Amelie-Charlene belegte den dritten Rang. Ihr gelang im selben Jahr ein weiterer wichtiger Erfolg. Mit dem Schweizer Warmblutwallach Fitch Unstoppable KWG gewann sie den Schweizer Meistertitel in der Kategorie Children. Der Wallach gehört seit 2024 zu ihrem sportlichen Team und ermöglichte ihr den nächsten Schritt vom Ponysport zum Reiten mit Grosspferden.
Sprung in die Juniorenkategorie
Auch Laura-Jolie meisterte den Übergang zu den Grosspferden. 2026 wurde sie ins Schweizer Junioren-Nationalkader aufgenommen. Für die Reiterin aus Illighausen ist dies ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg in den Spitzensport. Seit diesem Jahr starten beide Schwestern in der Juniorenkategorie und stellen sich damit neuen sportlichen Herausforderungen. Mit ihrem neuen Pferd Flashdancer gelang Laura-Jolie bei den diesjährigen Schweizer Meisterschaften ein bemerkenswerter Einstieg. Nach einer kurzen Kennenlernphase erreichte sie auf Anhieb den vierten Platz in der Kategorie Junioren. Amelie-Charlene setzt weiterhin auf Fitch Unstoppable KWG, mit dem sie bereits mehrere bedeutende Erfolge feiern konnte.
Ende September führte der gemeinsame Weg die Schwestern nach Ornago in Italien. Beim internationalen Dressurturnier überzeugte Laura-Jolie mit Flashdancer gleich zweimal mit einem Podestplatz. Amelie-Charlene erreichte mit Fitch Unstoppable KWG unter anderem den fünften Rang in ihrer erstmals international präsentierten Musikkür.
Für Amelie-Charlene war es bereits der dritte internationale Turnierstart und der zweite in der Juniorenkategorie. Im Vorjahr hatte sie in Ornago noch bei den Children teilgenommen und alle drei Prüfungen gewonnen. Die jüngsten Resultate zeigen, dass sich beide auch auf internationalem Niveau behaupten können. Trotz der Konkurrenz im Viereck ist der Zusammenhalt gross. «Wir unterstützen uns gegenseitig, feuern uns an. Wenn eine von uns reitet, fiebert die andere mit und umgekehrt», erzählen die Schwestern.
Training, Gefühl und ein starkes Team
Hinter den Erfolgen steckt viel Trainingsarbeit. Dressurreiten verlangt neben technischem Können auch Kraft, Ausdauer und Balance. Gleichzeitig müssen sich die Reiterinnen auf den Charakter und die Bewegungen ihrer Pferde einstellen. «Pferde haben ihren eigenen Charakter. Diesen gilt es beim Reiten zu berücksichtigen», erklären Laura-Jolie und Amelie-Charlene. Zum Training gehört deshalb mehr als die Zeit im Sattel. «Wir sind regelmässig im Gym, trainieren dort Kraft und Ausdauer. Zusammen mit der Balance ist das äusserst wichtig. Schliesslich muss man die Bewegungen vom Pferd mitgehen», betonen die beiden.
Einmal pro Woche fahren sie zum Training mit Markus Graf nach Dielsdorf. Der Trainer begleitet sie auch an internationalen Turnieren. Ebenso entscheidend ist das Team im Hintergrund. Die tägliche Betreuung der Pferde, die Organisation der Turnierreisen und die Vereinbarkeit von Schule und Sport verlangen viel Zeit. Neben der Familie leisten auch die Mitarbeitenden des Stalls Schrackmann, Tierärzte, Hufschmiede und Pferdephysiotherapeuten einen wichtigen Beitrag. Für die Mutter ist die Entwicklung ihrer Töchter eng mit dieser Verantwortung verbunden. Der Reitsport habe sie geprägt und ihnen einen wichtigen Lebensinhalt gegeben.
Die nächsten Ziele sind gesetzt
Mit der Aufnahme ins Junioren-Nationalkader hat Laura-Jolie einen wichtigen Schritt geschafft. Amelie-Charlene möchte nachziehen. «Ich möchte auf jeden Fall auch Teil des Kaders sein, sowie auch weiterhin an internationalen Turnieren an den Start gehen», sagt sie mit Blick auf ihre sportlichen Ziele. Der Weg in den Spitzensport bleibt anspruchsvoll. Neben Talent und kontinuierlichem Training braucht es passende Pferde, Erfahrung und ein stabiles Umfeld. Auch die finanziellen Anforderungen sind hoch, weshalb Sponsoren für die Entwicklung eine wichtige Rolle spielen können.
Die beiden Reiterinnen aus Illighausen haben bereits mehrere bedeutende Etappen gemeistert. Ihre Erfolge an Schweizer Meisterschaften und die jüngsten Resultate in Ornago zeigen, dass sie auf nationaler wie internationaler Ebene auf Kurs sind. Mit viel Trainingsarbeit, klaren Zielen und einem starken Zusammenspiel mit ihren Pferden wollen Laura-Jolie und Amelie-Charlene Finkeldei ihren sportlichen Weg weitergehen.
Von Nico Wrzeszcz