18.11.2024 13:28
Arealentwicklung im Zentrum Kreuzlingens: Stadt erteilt Bewilligung
Die Baubewilligung der Stadt für die Arealentwicklung «Zur Helvetia» in Kreuzlingen ist erteilt. Nach einer einzigen Einsprache ist der Weg frei für eine attraktive Überbauung. Damit soll der Boulevard in Kreuzlin-gen belebt werden – mit viel Wohnraum, dem neuen Geschäftssitz der Raiffeisenbank sowie weiteren Gewerbeflächen.
Kreuzlingen Lanciert wurde die Arealentwicklung «Zur Helvetia» am unteren Ende der Einkaufsmeile «Boulevard» am Helvetiaplatz in Kreuzlingen schon 2020. Gegen das Baugesuch, das Ende 2023 eingereicht worden war, wurde eine Einsprache eingereicht, die eine komplette Verweigerung der Baubewilligung forderte. Bemängelt wurde etwa, dass die Überbauung zu dicht sei. «Diese Kritik und die Forderungen in der Einsprache haben uns völlig überrascht. Denn wir sind in der Projektausarbeitung vor allem auf die Anforderungen der kantonalen Raumplanung eingegangen, die eine stärkere innere Verdichtung fordert. Sogar die Denkmalpflege hat vorgängig diese Art Arealentwick-lung mit einem Studienauftrag ausdrücklich begrüsst», sagt Projektinitiant Jürg Pengler von der federführenden Immobilienentwicklungsfirma ImmoH2J.
«Vorbildlich und geschickt»
Das Projekt und die Detailpläne haben auch den Stadtrat Kreuzlingen überzeugt: Dementsprechend bewilligt der Stadtrat das Baugesuch und kommt in der Abweisung der Einsprache zum eindeutigen Schluss: «Das entstandene Projekt nimmt insbesondere in seiner Ausgestaltung in der Höhe, mit den geplanten Rückversätzen sowie weite-ren, auch horizontal gliedernden Elementen wie beispielsweise dem Durchgang am Boulevard durchaus in vorbildlicher Weise Rücksicht und Bezug auf den Ort und seinen baulichen Kontext. Die Zentrumszone lässt eine hohe Dichte grossvolumiger Bauten zu und fordert grundsätzlich mit der geschlossenen Bauweise in der ersten Bautiefe entlang der Hauptstrasse lange Baukörper bzw. Bauzeilen. Der ausserordentlich geschickte Umgang mit diesen spannungsvollen Anforderungen des spezifischen Orts und die bauliche Lösung in Volumen, Fassaden, Materialisierung sowie Freiraumgestaltung zeichnen den einstimmig zum Siegerprojekt erkürten Vorschlag der renommierten Büros Wild Bär Heule Architekten AG und Uniola AG gerade aus.»
Einsprache wollte Hürden
Pengler hofft, dass damit die Umsetzung der Arealüberbauung zügig an die Hand genommen werden kann, sofern die nochmals 30-tägige Rekursfrist nicht genutzt wird. Die Baubewilligung umfasst zusammengefasst den Abbruch der bestehenden Gebäude an der Hafenstrasse 2, den Umbau und die Nutzungsänderung der Gebäude an der Hafenstrasse 4, den Neubau von zwei Wohn- und Geschäftshäusern an der Hauptstrasse 29 und der Hafenstrasse 2, eine Tiefgarage sowie Erdwärmesonden-Bohrungen.
Für André Ess, Verwaltungsratspräsident der Raiffeisenbank Tägerwilen ist der geplante Neubau auf dem Grundstück «Zur Helvetia» an der Hauptstrasse 29 auf zwei Geschossen «die grosse Chance auf der Suche nach mehr Raum für die Geschäftsstelle in Kreuzlingen». Die vorliegende Projektidee entspreche der Wunschvorstellung für den neuen Bankstandort. Die Investition der Bank sei überdies nachhaltig, weil sie zur Entwicklung eines bedeutenden Areals der Stadt Kreuzlingen beitrage, betont Ess. «Wir müssen jetzt zügig realisieren können. Das ist für alle Beteiligten wichtig, um rasch wirtschaftliches Potenzial erschliessen zu können. Bereits die Verzögerung durch die unseres Erachtens haltlose Einsprache hat uns Projektpartner und die Verantwortlichen auf der Stadtverwaltung – also die Steuerzahlenden – viel Geld und Energie gekostet.»
Gute Mischung Wohnen und Gewerbe
Die Genossenschaft Thurgauer Milchproduzenten (TMP) ist Eigentümerin einer bedeutenden Fläche des Entwicklungsareals. «Wir haben ein zentrales Interesse, dass die Entwicklung des gesamten Areals rasch vorangetrieben wird», sagt der Präsident des Verbandes, Kantonsrat Daniel Vetterli. Längerfristig sei die Nutzung der ursprünglich als Industriebaute konzipierten Liegenschaft kaum mehr sinnvoll. Vetterli: «Die Mischung mit Arbeitsplätzen, Wohnungen und öffentlichem Raum ist sehr attraktiv für uns.» Alleine könne man eine zukunftsfähige Entwicklung des Areals kaum umsetzen, ergänzt Emil Harder, im TMP-Vorstand für Liegenschaften zuständig. Nachdem sich die Genossenschaftsmitglieder schon 2022 positiv zum Vorhaben geäussert hätten, sei es nun auch für die TMP wichtig, die einmalige Ausgangslage gemeinsam und rasch zu nutzen. Die Abstimmung mit den Mietern der Gebäudeliegenschaften auf dem Areal und Anrainern verlaufe erfreulich, sagt Martin Köchli, Finanz- und Liegenschaftsverwalter bei der TMP: «Die Verzögerungen sind auch für unsere Mieter eine zusätzliche Belastung. Alle freuen sich auf die baldige erfolgreiche Realisierung, damit der Helvetiaplatz von der momentanen Brandruine rasch wieder zu einem würdigen Zentrumsgebiet wird.»
Positive Rückmeldungen
Jürg Pengler erläutert die städtebaulichen Überlegungen der Planung. Die Gewerbeeinheiten im Neubau erhalten laut Pengler auch Zugänge vom Boulevard aus. Insgesamt seien über 30 Wohnungen geplant. Eine Tiefgarage für die Wohnungen, die Arbeitsplätze und die Kundinnen und Kunden diene auch der Entlastung des öffentlichen Raums und der Bahnhofstrasse: «Eine Win-win-Situation – auch für die Anwohnerinnen und Anwohner, von denen wir bis auf die eine Einsprache nur positive Rückmeldungen erhalten haben.»
Helvetiaplatz aufwerten
Pengler betont zusätzlich die Aussenräume: «Mit dem Projekt wird der Helvetiaplatz aufgewertet. Zudem wird in der zweiten Reihe hinter dem Boulevard eine neue Raumqualität geschaffen, indem ein Innenhof geschaffen wird, der einerseits ein grüner Ort für das Quartier werden soll. Die Bepflanzung mit Hochstammbäumen und ein zentraler Brunnen laden zum Verweilen ein und bieten Spiel- und Ruhefläche. Andererseits können die flachen Stufen als Sitztreppe genutzt werden oder besonderen Anlässen als kleine Tribüne für Veranstaltungen dienen.»
eingesandt
Projekt und Partner
Mit einem gemeinsamen Planungs- und Bauprojekt haben drei Projektpartner in enger Zusammenarbeit mit der Stadt Kreuzlingen das Grundstück «Zur Helvetia» in Kreuzlingen entwickelt: Die Raiffeisenbank Tägerwilen, die Immobilienentwicklungsfirma Immo H2J der Familie Pengler und die Genossenschaft Thurgauer Milchproduzenten (TMP). Geplant ist eine gemischte Nutzung mit zentrumsnahen Wohnungen, einer neuen Geschäftsstelle der Raiffeisenbank Tägerwilen und viel Fläche für lokale Produktions- und Dienstleistungsbetriebe. Die gemischte Nutzung soll den Boulevard beleben und das Quartier zwischen Hafen- und Bahnhofstrasse für die Öffentlichkeit aufwerten.