Die Nutzung des Tägerwiler Torggel bleibt offen, für die Schulgemeinde ist die Realisierung von Büros für die Verwaltung vom Tisch. Kurt Peter
05.06.2025 07:00
Auf den Erhalt konzentrieren
Für den Torggel in Tägerwilen wird nach Rückzug der Schule weiter nach Nutzungsmöglichkeiten gesucht
Die Schaffung von Verwaltungsräumlichkeiten der Volksschulgemeinde Tägerwilen im Torggel ist gescheitert. Begründet wird dies damit, dass kein gemeinsamer Nenner mit der Denkmalpflege gefunden werden konnte. Das Schicksal der Liegenschaft ist ungewiss.
Tägerwilen Der Torggel Tägerwilen ist im Besitz der Politischen Gemeinde. «Nachdem die Theatergruppe Tägerwilen das Haus verlassen hatte, machten wir uns Gedanken über die Zukunft», blickt Bauverwalter Rolf Uhler zurück. Dabei seien eine private wie auch eine öffentliche Nutzung geprüft worden. Eine Nutzung durch die Politische Gemeinde komme nicht in Frage, die Volksschulgemeinde habe die Idee für Verwaltungsräumlichkeiten ins Spiel gebracht.
Als wertvoll eingestuft
«Eine Nutzung durch die Schule erschien sinnvoll, auch durch die Nähe des Torggels zum Sekudarschulareal», ergänzt Gemeindepräsident Markus Ellenbroek. Das ursprüngliche Projekt habe Büros und Besprechungszimmer beinhaltet um durch den Umzug in den Torggel im Sekudarschulhaus Platz für Schulzimmer zu haben. Diese Idee habe dann zu einem längeren Prozess mit der kantonalen Denkmalpflege geführt. Im Hinweisinventar der Denkmapflege wird der Torggel als wertvoll eingestuft. «Zu erhalten und zu pflegen ist die Substanz der 1697/98 erbauten Liegenschaft», heisst es. Das Gebäude zähle aufgrund seiner historischen, handwerklichen und typologischen Eigenschaften zu den bedeutenden Bauten am Ort.
Der Schutzstatus hat Konsequenzen für jede weitere Nutzung. Substanziell zu erhalten sind laut Hinweisinventar im Äusseren die für den Gesamtbau charakteristischen Konstruktions- und Gestaltungselemente und im Innern die historischen Oberflächen und Ausstattungselemente in ihrer Materialiät und Formensprache. «Denkmalgerechte Anpassungen sind möglich». Diese Auflagen, so erklärt Rolf Uhler, machten den Torggel daher für die Schule nicht nutzbar.
Für Grossraumbüro ungeeignet
Eigentlich habe die Schulgemeinde die ganze Verwaltung im Torggel unterbringen wollen, bestätigt Schulpräsident Daniel Heidegger. Die Büros hätten nach den Plänen im Untergeschoss eingerichtet werden solen, im Obergeschoss das Sitzungszimmer. Dabei hätte die bestehende Wohnung beibehalten werden können. «Aber um das Gebäude behindertengerecht zu gestalten wäre ein Lift nötig gewesen, dazu WC-Anlage, die Sanierung der Gebäudehülle und die Dämmung des Dachstockes». In der Sek hätte es dann ein zusätzliches Schulzimmer gegeben.
«Für die Büros hätten wir neue Wände setzen müssen und eine historische Wand wäre den Plänen zum Opfer gefallen», erklärt der Schulpräsident. Damit sei die Denkmalpflege nicht einverstanden gewesen. Im Erdgeschoss sei auch kurz über ein Grossraumbüro nachgedacht worden, «dabei wäre aber die Anonymität nicht gewährleistet gewesen». Die Behörde habe auch über eine Schulküche im Torggel, die Verwendung für die Spielgruppe oder als Bibliothek nachgedacht: «Die Umsetzung aber machte keinen Sinn, aus praktischen und finanziellen Gründen. Es wäre doch eine sehr teure Schulküche ohne Fenster geworden».
Gemeinde hat keine Verwendung
«Der Torggel ist seit 25 Jahren ein Thema, aber es steht auch immer das Kosten-Nutzenverhältnis im Raum», so der Schulpräsident. Grundsätzliches Interesse am Torggel und der Parzelle 38 sei vorhanden, aber «von den Räumlichkeiten her ist der Nutzen einfach schwer zu definieren». Die Behörde habe das Projekt ganz grob schätzen lassen, aber Zahlen zu nennen sei unseriös. Denn in den Torggel müsse viel investiert werden. Neben dem Brandschutz und den elektrischen Anlagen seien Massnahmen im energetischen Bereich fällig. Rolf Uhler bestätig dies. «Der Estrichboden beispielsweise ist morsch und muss ersetzt werden». Sowohl Rolf Uhler wie auch Daniel Heidegger schätzen die Sanierungskosten auf einen hohen sechstelligen Betrag.
«Die Politische Gemeinde hat aktuell keinen Nutzen für den Torggel und er geniesst auch keine Prioritätl», erklärt Markus Ellenbroek. Die Gemeinde sei gegenüber Ideen offen, strebe aber nach Möglichkeit eine öffentliche Nutzung an, denn eine private Nutzung sei schwer umzusetzen. Für Rolf Uhler wäre es ideal, wenn sich eine Stiftung für den Torggel einsetzen würde, analog zum Ermatinger Kehlhof. Was für die Gemeinde bleibt: «Die nötigsten Arbeiten, umd den Erhalt zu sichern».
Von Kurt Peter