Für 1,7 Millionen Franken soll das Friedhofsgebäude saniert und erweitert werden. Kurt Peter
14.11.2024 05:00
Die fetten Jahre sind vorbei
An der Tägerwiler Gemeindeversammlung steht nach Jahren wieder eine Steuerfusserhöhung zur Diskussion
An der Gemeindeversammlung vom 3. Dezember werden die Tägerwiler Stimmberechtigten über ein Budget befinden, das mit einem Defizit von 710'000 Franken abschliesst. Aufgrund der in den kommenden Jahren anstehen Investitionen beantragt der Gemeinderat eine Steuerfusserhöhung um drei Prozent.
Tägerwilen «Bis Ende 2018 hatte die Gemeinde Tägerwilen keine Bankschulden, Ende dieses Jahres werden es rund zehn Millionen Franken sein», so Gemeindepräsident Markus Ellenbroek in seinen Erläuterungen zum Budget 2025. In der Botschaft zur Gemeindeversammlung heisst es klar: «Im Jahr 2025 wird die Gemeinderechnung einen deutlichen Sprung im Aufwand erfahren». Unter anderem wegen der höheren Zahlungen an den Finanzausgleich, den steigenden Gesundheitskosten sowie dem nötigen Stellenausbau in der Verwaltung.
Verschuldung abfedern
Der Gemeinderat beantragt eine Steuerfusserhöhung um drei Prozent von derzeit 33 auf 36 Prozent. «Wir wollen vor allem den Mittelabfluss aus dem laufenden Betrieb verhindern» sagt Markus Ellenbroek. Dank Kürzungen in Höhe von 400'000 Franken gegenüber dem ersten Budgetentwurf und der vorgeschlagenen Steuerfusserhöhung liege mit dem Budget 2025 ein vertretbares Ergebnis vor, das trotz beträchtlichem Verlust von 710'000 Franken keinen zusätzlichen Abfluss von Geldmitteln aus der Erfolgsrechnung vorsehe.
Dem Eigenkapital von 12,4 Millionen Franken ständen mittlerweile Bankschulden von zehn Millionen Franken gegenüber. Zudem «erfordern unsere hohen Investitionen in den kommenden Jahren (Friedhofsgebäude, Hertlerhalle, Bürgerhalle, Werke und Strassen) erhebliche Geldmittel». Mit der Steuerfusserhöhung könne die immer noch starke Zunahme der Verschuldung etwas abgefedert werden. Sollten die Liegenschaftensteuern wegfallen, treffe dies die Gemeinde Tägerwilen mit drei bis vier Steuerprozenten.
Hohe Investitionen in Verkehr
Die Gemeinde rechnet im kommenden Jahr mit Nettoinvestitionen in Höhe von 2,156 Millionen Franken. Der Bereich Verkehr ist dabei mit 875'000 Franken der höchste Posten. Neben Gemeindestrassen ist auch ein grösserer Beitrag an den behindertengerechten Umbau der Bushaltestelle Glaser durch das kantonale Tiefbauamt vorgesehen. Bei der allgemeinen Verwaltung sind es 470'000 Franken, die vor allem für Planungsgeschäfte bei den Verwaltungsliegenschaften vorgesehen sind. An die Sanierung des Walls der Schiessanlage in Neuwilen wird ein Beitrag von 340'000 Franken fällig.
Das Elektrizitätswerk rechnet mit einem Gewinn von 17'000 Franken. Die hohen Investitionen von knapp zwei Millionen Franken setzen sich unter anderem aus dem Neubau Trafostation Trompeterschlössli (110'000 Franken), Trafostation katholische Kirche (400'000 Franken), Smart Metering (630'000 Franken) und Ersatz Rundsteuerfrequenzanlage (210'000 Franken) zusammen. Das Wasserwerk budgetiert einen Gewinn von 7000 Franken und will 725'000 Franken investieren. Dabei macht die Quellfassung erste Etappe mit 260'000 Franken den höchsten Betrag aus. Mit 32'000 Franken Gewinn rechnet der Wärmeverbund, er investiert im kommenden Jahr 100'000 Franken in Ausbau und Ersatz Heizkessel.
Friedhofsgebäude auf Stand bringen
Für die Sanierung und Erweiterung des Friedhofsgebäudes beantragt der Gemeinderat einen Kredit von 1,7 Millionen Franken. Die heute bestehende Aufbahrungshalle wurde 1972 durch die evangelische Kirchgemeinde Tägerwilen-Gottlieben erbaut und ist auch in deren Besitz. Inzwischen ging die Zuständigkeit des Bestattungswesens an die Politische Gemeinde über. «Das Gebäude wurde von 50 Jahren für eine Einwohnerschaft von 2000 Personen erbaut», erklärt die Botschaft. Heute leben in Tägerwilen 5400 Personen. Das Gebäude entspricht nicht mehr den heutigen Anforderungen für die Aufbahrung und Aufarbeitung von verstorbenen Personen. Auch fehlt es an Räumen für die Gerätschaften der Friedhofsmitarbeiter. Ein Raum für die Abdankung Konfessionsloser wäre zudem wünschenswert. Das Projekt sieht vor, dass die bestehende Dachkonstruktion erhalten bleibt und provisorisch abgestützt wird. Unter dieser frei stehenden Dachkonstruktion wird ein gedeckter Eingang für Besucher wie Betrieb mit zweiflügligen Türen, seitlicher Verglasung und offener Garderobe angeordnet. Realisiert wird zudem eine öffentliche WC-Anlage für Damen und Herren und eine 104 Quadratmeter grosse, offene Vorhalle. Der Abdankungsraum umfasst 88 Quadratmeter, der sich zur Vorhalle öffnen lässt und einen Raum von 192 Quadratmeter entstehen lässt. Die Stimmberechtigten müssen auch einem Baurecht mit der evangelischen Kirchgemeinde Tägerwilen-Gottlieben zustimmen, damit das Gebäude in den Besitz der Politischen Gemeinde übergeht.
Beitrag an Bodensee-Arena
Die Gemeindeversammlung wird auch an einen jährlich wiederkehrenden Betriebsbeitrag an die Bodensee-Arena Kreuzlingen befinden. «Um einen Rückbau zu verhindern müssen die Städte Kreuzlingen und Konstanz sowie die Bezirksgemeinden zeigen, dass sie hinter der Sportanlage stehen und einen Beitrag an die Kosten und den Betrieb leisten möchten», heisst es dazu in der Botschaft. Der Gemeinderat beantragt einen jährlich wiederkehrenden Beitrag von 4,50 Franken pro Einwohner, was einem Gesamtbetrag von etwa 25'000 Franken entsprechen würde. «Auf zehn Jahre befristet und frühestens ab 2029 fällig», präzisiert Markus Ellenbroek. Am 3. Dezember geht es in der Gemeindeversammlung auch um eine Umzonung von der Landwirtschaftszone in eine Landwirtschaftszone für besondere Nutzung Pflanzen. Die Jud Bio-Pflanzen AG an der Konstanzerstrasse produziert bio-zertifizierte Gemüse- und Kräutersetzlinge. Wegen der rasanten Entwicklung stiess man auf den rund drei Hektaren Gewächshaus und Freilandfläche schon bald an die Grenzen. Der Pachtvertrag am Standort Bonau läuft Ende 2026 aus, die Firma möchte sich auf den Standort Tägerwilen konzentrieren und die Fläche in Bonau mit einem Gewächshausprojekt ersetzten. Geplant ist dieses zwischen Konstanzerstrasse, vierter Strasse, Kreuzlingerstrasse und Kafigraben.
Von Kurt Peter