Alltagssplitter einer Seniorin
… seufzte eine Bekannte kürzlich, versinkend in Selbstmitleid…
Marina Tsvetayeva schreibt in ihrem Gedicht: «Wie im Traum sind wir zusammengewachsen. Und nun kann ich nicht springen, denn meine Hand hält deine fest». Julia Onken drückt sich mit ihrem Buchtitel «Wer loslässt, hat die Hände frei» etwas salopper aber genau so treffend aus.
Familienbeziehungen, die von langer Dauer und sehr eng sind, können Verwirrung stiften. In solchen Beziehungen verlieren wir leicht das Gespür für unsere persönlichen Grenzen. Wir bringen unsere eigenen Sehnsüchte und Schmerzen mit denen des anderen Menschen durcheinander, der unser Lebenspartner ist, oder ein Elternteil, eines der Geschwister oder insbesondere das eigene Kind.
Wir Eltern sind da wohl etwas vorbelastet, indem wir oft Mühe haben, unser Kind loszulassen. Dass ein Mensch, der uns derart verbunden ist, einfach nicht mehr braucht und uns dies klar merken lässt, ist keine leicht verdauliche Kost!
Ändert sich unsere Beziehung, wenn der Mensch, der uns so nahestand, stirbt oder sich von uns trennt, um vielleicht eine neue Beziehung einzugehen, sind wir am Boden zerstört, verletzt und verzweifelt. Oft verlieren wir sogar das Gefühl für uns selbst und landen in eine Depression.
Das Verwischen unserer persönlichen Grenzen ist nicht ratsam, obwohl man oft nicht mal merkt, welchen Schaden es anrichtet. Die Werbung ist uns dabei keine grosse Hilfe. Harmonische, langwährende Beziehungen werden uns da vorgegaukelt, alles Harmonie, Friede, Freude…. Da wir uns gern mit anderen Menschen vergleichen ist es schwer, sich nicht als Versager zu fühlen, wenn es in unserem eigenen Alltag nicht so harmonisch aussieht!
Stabile Beziehungen wollen bewusst und sorgfältig aufgebaut werden. Unsere eigene, individuelle Lebensweise sollte dabei jederzeit beibehalten werden. Wenn eine solche Beziehung endet, schmerzt das natürlich auch. Jedoch die Verwirrung und Verzweiflung, die dann über uns kommt, wenn wir in einer Beziehung einen Teil unserer Beziehung aufgegeben haben, ist sehr viel grösser. Unser Selbstwertgefühl, welches wir uns in jahrelange Arbeit aufgebaut haben, dürfen wir nicht selbst zerstören….
Beziehungsknäuel brauchen viel Energie, welche man besser für lebhafte und neue Begegnungen einsetzt. Ich wünsche uns allen neue, lebhafte Begegnungen!
Eure Johanna




Vampirgerüchte mit glanzvoller Premiere
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