15.05.2025 05:00
Die Probleme sind sehr vielfältig
In der Stadt Kreuzlingen gibt es viele Angebote für Menschen über 65. Von Beratung über Begleitung, Entlastungshilfen bis hin zu Ferien und Ausflügen. Für die Verantwortlichen allerdings ist für viele Personen der erste Schritt dahin noch schwierig.
Kreuzlingen Hanspeter Rissi, Diakon der evangelischen Kirchgemeinde und zuständig für die Altersgruppe 65+ nennt die grössten Probleme der älteren Menschen: «Armut, Krankheit, nachlassende Mobilität, Einsamkeit und auch die Digitalisierung». 4000 Personen sind in Kreuzlingen zwischen 65 und 85, erklärt Immanuel Knaus, Sozialdiakon in Ausbildung. «Und es gibt in Kreuzlingen zahlreiche Angebote, die aber leider oft nicht genutzt werden». Die Gründe sieht er in Scham, um Hilfe oder Beratung nachzufragen, aber auch Stolz oder Unwissenheit.
Kostenlos und neutral
Das Schweizerische Rote Kreuz Thurgau hat seit Sommer 2023 eine Beratungsstelle an der Hauptstrasse 42. Eva Härtel und Tamara Strässler betreuen die Fachstelle kantonale Alter in Kreuzlingen, die sich vor allem als Vermittlerin und Koordinatorin sieht. «Die Probleme sind wirklich vielfältig, beispielsweise wollen viele Menschen so lange wie möglich zu Hause bleiben», erklärt Eva Härtel. Gerade wenn Partner oder Partnerinnen gepflegt werden, wenn die Belastung zu gross werde, komme es zu schwierigen Situationen. «Finanzielle Probleme treten oft bei der Pensionierung auf», ergänzt Tamara Strässler.
Die Fachstelle Alter vermittle und helfe. «Oft sind die Älteren mit dem Ausfüllen von Formularen, beispielsweise vom Sozialamt, überfordert, die Situation verschärft sich, je länger keine Hilfe in Anspruch genommen wird», sagt Eva Härtel. Bei Armut sei oft eine Krankheit dahinter, schlimm sei, dass viele der Ratsuchenden von einem Leistungsstopp der Krankenkasse betroffen seien. «Wir beraten kostenlos und neutral Menschen, die in schwierigen Lebenssituationen sind oder präventiv dann, wenn diese Situationen drohen». Die Gespräche finden in der Fachstelle oder zu Hause bei den Kundinnen und Kunden statt.
Gut vernetzt
«Die Digitalisierung wird für ältere Personen zum Problem, so Hanspeter Rissi. Er spricht in diesem Zusammenhang bereits von Diskriminierung. «Viele alltägliche Bereiche sind betroffen, sei es bei Einzahlungen, beim Kauf von Fahrkarten oder E-Mail-Verkehr mit Behörden». Wenn keine Unterstützung von Kindern oder Enkeln da sei, «stecken die Betroffenen oft den Kopf in den Sand». Das erfährt auch die Fachstelle Alter: «Unsere Kundinnen und Kunden sind oft noch analog unterwegs, bei der digitalen Arbeit unterstützen wir».
Es gebe nicht zu viele Beratungsstellen für das Alter, betonen Tamara Strässler und Eva Härtel. Die Zusammenarbeit mit mit den Partnerorganisationen wie bspw. Pro Senectute, Alzheimer Thurgau und Spitex sei hervorragend. Auch Pro Senectute sei gut vernetzt mit Behörden, Organisationen, Ärzten oder Heimen. Das soziale Engagement der Pro Senectute mit Seniorentreffen, Besuchsdiensten, Mittagstischen, kostenlose Sozialberatung für Menschen im Alter und vielen Angeboten mehr sei sehr wertvoll. Pro Senectute bietet darüber hinaus viele wertvolle Hilfe für den Alltag älterer Menschen an, bis hin zur Steuererklärung und Treuhhanddiensten.
»Ich trau mich» lesen
«Wenn ältere Menschen Probleme haben oder solche in Sicht sind, dann merken wir das oft bei den Geburtstagsbesuchen», sagt Hanspeter Rissi. Dabei sei es von Vorteil, die Menschen schon seit Jahren zu kennen und ein Vertrauensverhältnis aufgebaut zu haben. «Aber auch hier ist es manchmal schwierig, die Seniorinnen und Senioren von Hilfe oder Beratung zu überzeugen». Die evangelische Kirchgemeinde habe in letzte Zeit ein breites Angebot an Freizeitmöglichkeiten aufgebaut.
«Kirche auf Rädern» findet viermal jährlich statt, regelmässig gibt es im evangelischen Kirchgemeindehaus «Kreativität im Zentrum» einmal im Monat gibt es «gemeinsam zmörgele» und die «Seniorennachmittage». Auch Ferienangebot stehen auf dem Programm. «Gerade wenn die Mobilität eingeschränkt ist, sind ältere Menschen froh, dass sie dabei sein können und ihnen geholfen wird». Für Eva Härtel ist klar: «Der Schritt aus der eigenen Wohnung hinein in ein Heim wird oft so lange wie möglich hinausgeschoben». Sollte ein Umzu doch nötig sein, hilft «Ich trau mich», eine von der evangelischen Kirchgemeinde angebotenen Box mit Informationsmaterial zur Vorbereitung und mit Wünschen zum Eintritt in ein Heim.
Von Kurt Peter