16.04.2025 08:04
«Doppelte Hilfe ist möglich»
Ein Mädcheninternat in Odessa wird vom Zentrum Bindersgarten regelmässig mit Hilfsgütern versorgt
Direkte Hilfe vor Ort mit Spenden aus der Schweiz: Die Ukraine-Hilfe des Tägerwiler Bindersgarten unterstützt ein Mädcheninternat in Odessa unkompliziert und effektiv, auch dank der bestehenden Beziehungen.
Tägerwilen Für Otto Egloff vom Bindersgarten ist klar: «Wir schicken kein Geld in das betroffene Gebiet, wir suchen uns die Hilfsprojekte aus und unterstützen vor Ort». Die erste Hilfsaktion aus Tägerwilen startete im Januar 2023 und setze, wie auch die aktuelle, auf die im Bindersgarten arbeitenden Ukrainerinnen und deren Netzwerke.
Es fliesst kein Geld
Zwei Tonnen Hilfsgüter, darunter Kleidung, Rollstühle, Krücken, Stromgeneratoren und zwei Fahrzeuge erreichten die Ukraine. Die beiden Fahrzeuge stehen übrigens noch heute gemeinnützigen Organisationen für den Transport zur Verfügung. Statt wie eine Giesskanne Hilfsgüter über das ganze Land zu verteilen, konzentriere sich der Bindersgarten auf eine einzelne Institution, die Hilfe brauche. «Wir haben uns, auch wegen der guten Kontakte vor Ort, für ein Mädcheninternat in Odessa entschieden», erklärt Otto Egloff. Die Ukrainerin Inna Mykhailova arbeitet im Zentrum und nutzte ihre guten Kontakte für eine effiziente Hilfe vor Ort. Im Heim leben rund 100 Menschen im Alter von 4 bis 35 Jahren mit geistiger oder körperlicher Behinderung. Im Heim gibt es auch eine Beschäftigungs- und Nähwerkstatt.
«Das Haus war auch schon Ziel von Luftangriffen», bestätigt Inna Mykhailova. Leider gebe es viele Zerstörungen in diesen kriegerischen Zeiten. Für Otto Egloff ist deshalb klar, dass «wir Spenden auch in die Infrastruktur investieren». Aber, und das ist beiden Verantwortlichen wichtig, es fliesst kein Geld direkt in das Heim oder an die Heimleitung. «Wir liefern in das Internat, was gebraucht wird. Neben der Heimleitung sind auch die Bewohnenden aufgefordert, uns ihre dringenden Wünsche und Bedürfnisse bekanntzugeben».
Langfristige Hilfe
Inna Mykhailova war zuletzt im März in Odessa. «Wir konnten wieder Freude bereiten, vor allem mit Lebensmitteln, Früchten, Säften, Keksen und Süssigkeiten. Besonders freuten sich die Kinder über die Schokolade von Chocolat Bernrain, immerhin konnten wir 45 Kilo übergeben». Eingekauft werde übrigens vor Ort, präzisiert Otto Egloff. Durch die Spenden aus der Schweiz könne damit die Wirtschaft vor Ort unterstützt werden. Verwaltungsaufwand gebe es keinen, jeder Franken komme dorthin, wo er gebraucht werde.
Finanziert wird die Aktion aus dem gemeinnützigen Fonds des Bindersgarten und weiteren Spenden. «Wir wollen das Heim langfristig unterstützen, nach dem Krieg muss ja wieder aufgebaut werden». Die Verantwortlichen und die Bewohnenden des Internats wird das freuen. Sie bedanken sich mit einem Brief im Bindersgarten: «Wegen des Krieges hat die Abwehr der Russen und der Schutz der Zivilbevölkerung Vorrang. Deshalb brauchen wir mehr denn je Unterstützung», heisst es im Dankesbrief. «Wir sind dem Pflegeheim Bindersgarten, den Bewohnern von Tägerwilen und der Leitung der Schokoladenfabrik Bernrain in Kreuzlingen sehr dankbar».
Von Kurt Peter