Lea Huber und Reto Kern (r.) freuen sich mit Coach Kim Grob über ihre 3. Plätze in Tokio. Bild: zVg
03.09.2025 07:30
«Ein besonderes Gefühl, seinem Lehrer am gleichen Turnier zuzuschauen»
Lea Huber und Reto Kern gewinnen am Internationalen Wado-Cup in Tokio jeweils die Bronzemedaille
Der Internationale Wado-Cup ist ein ganz besonderes Turnier der Stilrichtung Wado-Kai. Er findet nur alle fünf Jahre statt, durch Corona liegt die letzte Austragung sogar schon zehn Jahre zurück. Der dritte Platz ist daher ein ganz besonderer Erfolg für die Kreuzlinger Karateka Lea Huber und Reto Kern.
Karate Für den einen mag es nur eine Sporthalle sein. Doch für die Sportler ist der «Nippon Budokan» das Kampfsportmekka in der japanischen Hauptstadt Tokio. «Das Turnier hatte für mich emotional einen sehr hohen Stellenwert. Nach etwa zwei bis drei Jahren habe ich das erste Mal wieder an einem Kata-Turnier teilgenommen», erklärte Lea Huber. Dass sie auf diesem Niveau mithalten kann, war ihrem Karatelehrer Reto Kern bewusst. «Schliess-lich hat sie schon in jungen Jahren Erfahrungen in der Nationalmannschaft sammeln können.»
Letztes Turnier vor neuem Lebensabschnitt
Für Lea war dieses Turnier in vielerlei Hinsicht besonders. «In den letzten Jahren hatte ich mich hauptsächlich auf das Kumite konzentriert. Ein Start im Kata, womit ich vor vielen Jahren angefangen habe, und dann noch dieses Ergebnis, besser hätte es gar nicht laufen können.» Es sei ein schönes Erlebnis gewesen kurz vor Studienstart gemeinsam mit Reto nach Japan zu reisen und dann noch seinem eigenen Lehrer beim ersten Turnier seit 20 Jahren zuzuschauen. «Ich war nervöser bei Retos Auftritt als bei meinem eigenen», gesteht Lea. Und auch Reto Kern tat sich in der Zuschauerrolle schwerer. «Wenn man in seiner Übung drin ist, ist man wie in einem anderen Film. Man blendet alles um sich herumliegende aus und konzentriert sich einzig und allein auf sich selbst.»
Für beide habe sich ein Kreis geschlossen. Für Lea, die innerhalb eines Jahres dreimal in Japan war und die jetzt mit dem Studium einen neuen Lebensabschnitt startet. Und für Reto, der 1988 sein erstes Kata-Turnier bestritt bevor er sich auf das Kumite fokussiert hat. «Für mich war klar, mein letztes Turnier sollte ein Kata sein. Und dass es mit Bronze endete, liess alles nur noch schöner wirken.»
Doppeltes Bronze nach Kreuzlingen
Lea Huber zeigte in der Kata eine beeindruckende Leistung. Nach einem Freilos in der ersten Runde setzte sie sich klar gegen Irland (5:0) und China (5:0) durch. Im Halbfinale scheiterte sie an einer starken Japanerin (0:5), die anschliessend im Final den Titel holte. Huber durfte sich somit über Bronze freuen.
Reto startete souverän in den Wettkampf der Kategorie Kata Master +50: 5:0 gegen Indien, 4:1 gegen die USA und 3:2 gegen Deutschland. Damit erreichte er das Halbfinale, wo er in einem packenden Duell knapp mit 2:3 gegen Japan verlor. Da sein Gegner später auch das Finale gewann (4:1 gegen einen weiteren Japaner), bestätigte das Retos starke Leistung. Mit Bronze krönte er seinen erfolgreichen Auftritt.
Japan versprüht besonderes Flair
Beide waren nicht das erste Mal in Japan, und dennoch ist es jedes Mal aufs Neue eindrücklich. «In Japan ist so vieles anders als hier bei uns. Selbst in Tokio herrscht, trotz Millionen von Einwohnern, ein ganz anderes Gefühl von Ruhe und Ordnung», schwärmt Reto. Und auch mit Blick auf den Sport merkt man: hier wird Karate gelebt. «Natürlich sind in Japan auch Fussball, Basketball und Co. Trendsportarten. Aber Karate ist dort natürlich in der Kultur verankert und nicht nur, wie bei uns, eine Randsportart.»
Für den besonderen Flair sorgten auch zahlreiche mitgereiste Fans, die Lea und Reto vor Ort lautstark unterstützten. Darunter auch Leas Vater. «Er hat den Aufenthalt sehr genossen. Überhaupt habe ich meinen Eltern sehr viel zu verdanken. Sie haben mich die letzten 16 Jahren unterstützt und mir das alles ermöglicht», zeigt sie sich dankbar. Einen grossen Dank senden Lea und Reto auch an Coach Kim Grob. «Er war mit Herzblut und viel Engagement dabei. Er hat uns vor Ort hervorragend betreut und auch im Voraus optimal vorbereitet.»
Lea und Reto haben die Schweiz hervorragend präsentiert. «Die Zuschauer waren sehr stolz auf uns und auf unsere Leistungen.» Es sei eindrücklich gewesen, dass man so nah an den japanischen Athleten dran gewesen sei. An einem Turnier, welches nur alle fünf Jahre stattfindet, zweimal Bronze zu holen zeigt: die Schweiz ist eine Top-Nation im Karate.
Von Nico Wrzeszcz