Das Freilichtspiel 1999 war ein grosser Erfolg. Mario Gaccioli
16.10.2024 09:10
Eine ganze Gemeinde spielte Theater
«De Luft het gcheert!», ein grosses historisches Schauspiel fand vor 25 Jahren im ganzen Kanton einen grossen Anklang
Das grosse Freilichtspiel aus dem Jahre 1999 feiert diesen Herbst sein 25-Jahr-Jubiläum. Im Gedenken an die Schlacht bei Schwaderloh im Jahre 1499 inszenierten die Kemmentalerinnen und Kemmentaler vom 21. August bis 18. September 1999 ein Freilichtspiel in einer noch nie dagewesenen Form im Gelände westlich Ellighausen.
Kemmental Die 180 Mitwirkenden in 240 Rollen versetzten die Zuschauer und Zuschauerinnen ins Mittelalter zurück, zeigten aber nicht das Schlachtgetümmel rund um Schwaderloh, sondern das Leben der Menschen in der damaligen Vogtei Eggen und rund um Konstanz/Kreuzlingen. Die Lebenseinheit in dieser Grenzregion wurde durch die Wirren des Schwaben-, respektive Schweizerkrieges von 1499 zerstört. Die damals errichtete Grenze vom Engadin bis zum Bodensee und nach Basel hat bis heute noch ihre Gültigkeit. Die Bilder des Freilichtspiels stellten die schwierige Lebenssituation Einzelner sowie grosser Kriegs- und Flüchtlingsgruppen in der Region dar.
Das wackere Thurgauer Mädchen
Zu einer Symbolfigur wurde Anna - das tapfere Thurgauer Mädchen. Sie durchlebte in dieser Zeit Höhen und Tiefen in besonderem Ausmass und fragte wohlweislich am meisten nach dem Sinn oder Unsinn des Krieges. Und spürbar waren auch Parallelen zur heutigen Zeit. Die Zeit vor 500 Jahren wurde in einer einzigartigen Bühnenlandschaft von über einer Hektare Hangfläche in vier Bildern, den Zeitabschnitten den Zuschauenden näher gebracht. Über ein ganzes Jahr wurden Kulissenhäuser errichtet, Strassen und Wege gebaut, Tiergehege und ein Mittelalter-Garten angelegt. Zu den vielen Tieren gehörten Pferde, Ochsen, Schweine, Ziegen und Hühner. Alle hatten ihre darstellende Rolle.
Kemmental gemeinsam
Mit dem Freilichtspiel «De Luft het gcheert» durfte ein Gemeinschaftswerk präsentiert werden, das von engagierten Laienschauspielern und über 40 emsigen Helfer und Helferinnen mit aufwendigen Bauten und verzaubernder Lichttechnik gestaltet werden. Waren ursprünglich noch viel Skepsis und Zurückhaltung zu spüren, so wichen diese mit der Kenntnis des Stückes, der Rollenverteilung, der schönen Gestaltung der Bühnenlandschaft, der Technik und des Festgeländes der einsetzenden Begeisterung der Bevölkerung weit über das Kemmental hinaus.
Einmaliges Theatererlebnis
In 18 Vorstellungen verfolgten über 17'000 Besucher das grosse Volksschauspiel, das während drei Jahren vorbereitet wurde. Nicht nur die Zuschauer und Zuschauerinnen waren begeistert, auch die Mitwirkenden hatten grosse Freude. Zum gemeinsamen Werk im Festgelände hatten alle einen grossen Beitrag geleistet, sei es als Bauleute, Landschaftsgärtner, Strassenbauer, Installateure, Techniker, Landwirte und viele Helferinnen. Selbst eine Trafo-Station musste installiert werden, um die 500 Scheinwerfer zu beleuchten!
Freilichtspiel als Film
Die Aufführung des Schauspiels wurde verfilmt. Die Akteure von Tele D (Diessenhofen) hielten den Ablauf und das Ambiente ausdrucksstark als Film fest, der nicht nur als Erinnerung dient, sondern auch allen Leuten nachträglich die Inszenierung zeigt, die sie vielleicht verpasst haben. Der Film wird am Wochenende vom Bodensee-TV (Kreuzlingen) ausgestrahlt. In der Sendung kommt auch Josef Mattle, damaliger Produktionsleiter des Festspiels, zu Wort.
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