Sie informierten über die Sanierung der Bodensee-Arena (vl.): Nico Seiler, Ruedi Wolfender, Thomas Niederberger und Thomas Knupp. Kurt Peter
01.05.2025 05:00
Eine Institution mit Tradition
Die Bodensee-Arena muss saniert und umgebaut werden - Energetische Massnahmen und Brandschutz nötig
Am 8. Mai diskutiert der Gemeinderat über ein Kreditbegehren von 26,1 Millionen für die Sanierung der Bodensee-Arena. Die für die Stadt wichtige Anlage soll nach den Bauarbeiten als Ort für Sport, Kultur und diverse Events dienen.
Kreuzlingen Die Bodensee-Arena hat inzwischen 50 Jahre auf dem Buckel «es steht ein grosser Sanierungsbedarf an», wie Stadtpräsident Thomas Niederberger anlässlich des Mediengesprächs betonte. Die derzeitige Betriebsbewilligung sei provisorisch und werde nur verlängert, wenn die Stadt ein Sanierungskonzept habe. Der Brandschutz entspricht nicht mehr den gesetzlichen Bedingungen, aktuell dürfen sich nur 300 Personen in der Halle aufhalten. «Daneben gibt es eine dringend nötige energetische Gesamtsanierung».
Hotel erfolgreich unterwegs
Nico Seiler gab als Geschäftsführer der Bodensee-Arena einen Überblick zum aktuellen Betrieb, der sich in fünf Geschäftsfelder unterteilt. «Die wichtige Sportnutzung umfasst den Vereinssport für die ganze Region und den Kanton, den Schulsport für den Bezirk Kreuzlingen und die Stadt Konstanz, öffentlicher Eislauf, landesweite und internationale Trainingslager, Einzelevents Firmen und weiterer Sportvereine sowie Fussballsport und weitere Sportanlässe». Generalversammlungen, Konzerte und Tagesanlässe, Grosssportanlässe und Messen, Firmenanlässe und kulturelle Veranstaltungen sowie private Ausstellungen seien als Events zu nennen.
Das Hotel bezeichnet Nico Seiler als erfolgreich. «Die 32 Zimmer mit 74 Betten sind im jährlichen Durchschnitt zu 60 Prozent belegt». Es seien Einzeltouristen, Gruppen aus Packages, Trainingslager, Geschäftsreisende sowie Tages- und Kongresstourismus zu verzeichnen. Die Gastronomie lebe von Tagesgästen, Hotelgästen, Trainingslagern, internem und externem Catering sowie Firmen- und Privatanlässen. «Die Bodensee-Arena vermietet Räume und Garderoben, vermarktet Bandenwerbung und bewirtschaftet die Parkplätze», schliesst Nico Seiler die Aufzählung.
Neue Betriebsgesellschaft
Thomas Knupp, Leiter Finanzen, ging anschliessend auf den künftigen Betrieb ein. Wichtig dabei: «Wird die Bodensee-Arena bereits vor dem Umbau in die Struktur der Stadt eingegliedert, lassen sich bei der Sanierung rund 2 Millionen Franken Mehrwertsteuern sparen». Dies sei auf einen Bundesgerichtsentscheid vom November 2022 zurückzuführen. Deshalb habe sich der Stadtrat entschieden, dass die immobilen Sachanlagen sowie der damit besicherte Kredit durch die vorzeitige Aufhebung des Baurechtsvertrages an die Stadt übertragen werde. «Die Aktiengesellschaft wird in eine Betriebs AG umgewandelt, die das Geschäft mit dem bestehenden Kernteam weiterführt».
Der neue Verwaltungsrat, der Anfang 2026 seine Arbeit aufnimmt, besteht aus Thomas Niederberger, Stadtrat Daniel Moos, Thomas Knupp, Ruedi Wolfender, Abteilungsleiter Departement Gesellschaft, verstärkt durch eine Fachperson aus dem Bereich Gastronomie/Hotellerie. «Der aktuelle Verwaltungsrat wird an der Generalversammlung 2026 verabschiedet», ergänzt Thomas Niederberger.
Die Möglichkeiten erweitern
Laut Botschaft werden in der Stadtrechnung sämtliche Investitionen und Unterhaltsarbeiten immobiler Sachanlagen der Dienststelle Bodensee-Arena belastet. Auf der Gegenseite bezahlt die Betriebs AG der Stadt einen Mietzins und den Strombezug von der im Projekt vorgesehenen PV-Anlage. Die Betriebs AG stellt die Finanzierung des Betriebs sicher, dieser muss kostendeckend geführt werden. Durch Rücklagen werden die Erneuerungen des Inventars, der Betriebsmittel und der Fahrhabe sowie allfällige Defizite etragsschwacher Jahre aus eigenen Mitteln finanziert.
Die Bodensee-Arena sei aktuell die grösste Event- und Sporthalle im Kanton Thurgau, schreibt der Stadtrat in seiner Botschaft. Sie biete zusammen mit den zusätzlichen Angeboten Gastronomie und Hotellerie für die Sport- und Eventnutzung zahlreiche Vorteile. So könnten nicht nur Trainingslager und mehrtägige nationale oder internationale Sportveranstaltungen angeboten werden. Auch für kulturelle Nutzung ständen dadurch erweiterte Möglichkeiten zur Verfügung.
Mehr Lagerflächen
Die geplante Sanierung sieht vor, die bestehende Eisfläche in der Grösse von 60 mal 30 Meter zu belassen. Auch das Restaurant mit angrenzender Küche bedarf demnach keiner Massnahmen. Im energetischen Bereich werden alle Glasfronten ersetzt und die Wand- sowie teilweise die Deckenflächen gedämmt. Im Hotelbereich stehen die Sanierung der Nasszelle, die Dämmung der Wandflächen zu unbeheizten Räumen und der Ersatz der Glasfront inklusive Türen Richtung See in den Hotelzimmern auf diesem Stockwerk an. Die heutige Tribüne wird zurückgebaut und durch zentrale Lagerräume ersetzt. Diese können gemietet werden.
Im westlichen Innenbereich wird die Stehtribüne zurückgebaut und ein neuer Garderobentrakt errichtet. Dieser entspricht den Anforderungen an Funktionalität und Komfort von Mannschaften, Schiedsrichter und externen Nutzenden den Anforderungen. Der neue Trakt wird im Holzbau ausgeführt. Im ersten Obergeschoss werden Treppenhaus und Eingangsbereich den Brandschutzbestimmungen angepasst. Nach dem Aufgang wird ein leistungsfähiges Office mit einer integrierten Regenerationsküche eingebaut. Der Multifunktionsraum wird verlegt und kann für Sitzungen, Seminare und Verpflegung von Gruppen genutzt werden.
Neue Gruppenunterkunft
Über dem Lagerbereich entsteht der Multifunktionsraum Nummer 2 mit 400 Quadratmeter Fläche. Dieser Raum mit 50 Meter Länge eignet sich vor allem für Aktivitäten verschiedener Sport- und Bewegungsarten. Er verfügt über eine gute Aussicht über das Spielfeld und steht auch Vereinen ausserhalb der klassischen Eissportarten zur Verfügung. Für den Stadtrat «stellt der Neubau des Garderobentrakts eine bedeutende Verbesserung der Garderobensituation dar». Erst durch diesen Ausbau seien ausreichend Garderoben für die Gesamtanlage verfügbar. Im zweiten Obergeschoss wird der Multifunktionsraum 3 mit integriertem WC eingerichtet. Der Raum ist flexibel nutzbar. Die Funktion als Gruppenunterkunft für sportübergreifende Trainingslager schafft viele Synergien für Hotel- und Gastrobetrieb. Das heute bestehende Aussenfeld wird zurückgebaut. Die so entstehende Trainingshalle umfasst eine NHL-Eisfläche mit den Massen 56 mal 26 Meter.
Im Rahmen der geplanten Sanierungsmassnahmen wird die Bodensee-Arena gemäss den aktuellen gesetzlichen Vorlagen und Normen optimiert. Nach der Umsetzung wird der gesamte Energiebedarf ausschliesslich über Elektrizität und Umweltwärme abgedeckt. Dazu werden PV-Anlagen und Wärmepumpen realisiert und die Abwärme aus der Eisproduktion genutzt. Der heutige Energieverbrauch beläuft sich auf 1,4 Millionen Kilowattstunden Elektrizität und 705'000 Kilowatt Gas jährlich. Die Energiekosten belaufen sich auf 630'000 Franken im Jahr. Nach der Sanierung betragen diese noch 260'000 Franken.
Eröffnung 2029
Die Baukosten belaufen sich auf 26,1 Millionen Franken. In die Sanierung der Eishalle werden 19,881 Millionen Franken investiert. Mit 7,4 Millionen Franken ist die Gebäudetechnik der grösste Posten. Für die neue Trainingshalle rechnet die Botschaft mit Kosten von 3,381 Millionen Franken. Der aktuelle Kostenanteil der Stadt beträgt 780'000 Franken, allein der Betriebsbeitrag beläuft sich auf 400'000 Franken. Nach der Sanierung steigt der Kostenanteil auf 870'000 Franken. Betriebsbeiträge in Höhe von 220'000 Franken kommen von den umliegenden Gemeinden und Konstanz.
«Der Projektstart erfolgt unmittelbar nach dem positiven Volksentscheid vom 28. September», erklärt Ruedi Wolfender, Abteilungsleiter Departement Gesellschaft. Der Bauaublauf garantiere, dass immer ein Eisfeld zur Verfügung stehe. Der Baustart der Trainingshalle soll im März 2027 erfolgen, der Baustart des Hauptgebäudes im März 2028. Die Eröffnung der Gesamtanlage könnte dann im dritten Quartal 2029 erfolgen.
Von Kurt Peter
12 Millionen bei Ablehnung
Sollten die Stimmberechtigten das Kreditbegehren ablehnen, entstehen nach Aussagen von Thomas Niederberger der Stadt Kosten in Höhe von zwölf Millionen Franken. Diese setzen sich aus dem Rückbau der Infrastruktur und Liquidation (2 Millionen), der Vernichtung von Realwert (3,6 Millionen sowie dem Ersatzbau Infrastruktur Fussball und Gestaltung Klein Venedig (5 Millionen) zusammen. Der FC Kreuzlingen nutzt heute Garderoben in der Bodensee-Arena, diese müssten bei einem Rückbau ersetzt werden.
Konstanzer Beitrag
Thomas Niederberger relativiert den von vielen als zu gering beurteilten Konstanz Betriebsbeitrag von 150'000 Euro jährlich. Die Stadt Konstanz betreibe Anlagen und Institutionen, die auch von der Kreuzlinger Bevölkerung genutz würden, wie etwa die Bodensee-Therme. «Wir unterstützen zwar die Bodensee-Philharmonie und das Theater mit jährlich 50'000 Franken, die Stadt Konstanz bezahlt daran aber stolze 10 Millionen Euro jährlich.