20.02.2025 08:00
Einmischung unter der Gürtellinie
Ein Wahlkampf nach amerikanischer Manier scheint aktuell in Berg zu toben. Am 23. März ist der zweite Wahlgang
Andreas Galiga, Kandidat für das Berger Gemeindepräsidentenamt, wird immer wieder zu privaten Themen angegriffen. So wie aktuell im unten stehenden Leserbrief von Gaston Zwahlen, ein Befürworter von Toni Thoma. Im Gespräch mit den beiden Kandidaten zeigt sich: Solch ein bissiger Wahlkampf ist absolut unnötig. Andreas Galiga und Toni Thoma reagieren auf den Leserbrief.
BergStatement von Andreas Galiga: «Es ist faszinierend, mit welchen Argumenten im Wahlkampf gearbeitet wird. Wäre meine Tochter in Zürich eingeschult worden – wäre das auch ein Skandal? Würde ich in Romanshorn einkaufen – gäbe es dann auch einen Leserbrief? Es ist Wahlkampfzeit in Berg – und leider werden auch in dieser zweiten Runde wieder persönliche Unterstellungen und Halbwahrheiten verbreitet. Der Leserbrief von Herrn Zwahlen ist ein Beispiel dafür. Ja, meine Frau hat berufsbedingt zeitweise einen Wohnsitz in Konstanz, und ja, unsere Tochter besucht dort die Schule – eine bewusste Entscheidung für unsere Familie. Meine Frau pflegt ausserdem auch ihre schwerkranke Mutter, die nicht mehr aus ihrem Haus gehen kann. Und unterstützt ihren 84-jährigen Vater im Tennispark. Doch was sagt das alles über meine Eignung als Gemeindepräsident aus? Die Wahrheit ist: Ich lebe in Berg, ich engagiere mich hier und möchte mit Herzblut für diese Gemeinde arbeiten. Ein Wahlkampf sollte sich um Ideen drehen, nicht um Einkaufstaschen. Und ob die Gerüchteküche in Berg brodelt und die Stimmbeeinflussung so weiter unfair betrieben wird oder nicht, lässt mich im Grunde genommen kalt. Auch die Frage meiner beruflichen Situation wird immer wieder thematisiert. Ja, ich finde mich aktuell in einer beruflichen Neuorientierung – genau wie viele andere Menschen in herausfordernden Zeiten auch. Eine Kandidatur für das Gemeindepräsidium ist jedoch nicht aus wirtschaftlichem Kalkül erfolgt, sondern aus Leidenschaft für unsere Gemeinde. Ich verbinde drei Welten: die praxisnahe Arbeit in einer KMU, strategische Entscheidungen in einem internationalen Konzern, seit 2019 kommunale Verantwortung in der Werkkommission. Diese Erfahrung stärkt meine Fähigkeit, vorausschauend, effizient und faktenorientiert zu handeln. Lasst uns jetzt und in Zukunft lieber gemeinsam diskutieren, was Berg in den nächsten Jahren voranbringt – das ist doch das, worauf es schliesslich ankommt. Deshalb lade ich zu einem Bürgeraustausch ein, bei dem ihre Fragen direkt beantwortet werden. Freitag 7.März 2025 um 19 Uhr im Medienraum der Mehrzweckhalle Berg .»
Statement von Toni Thoma«Ich habe nicht die geringsten Anstrengungen gemacht, irgendwie gegen meine Mitstreiter zu wettern. So habe ich auch keine Kontrolle darüber, wer Leserbriefe schreibt und mir ist auch der erwähnte Leserbrief von Gaston Zwahlen nicht bekannt. Ich kenne Gaston, er gehört zu einer losen Verbindung von Wahlhelfern, welche mich unterstützen. Andreas und ich sind uns am Podiumsgespräch begegnet und ich finde ihn sympathisch. Wir kandidieren auf Augenhöhe. Sein Wahlresultat war bekanntlich sehr gut, viele Stimmen lagen nicht zwischen uns. Somit ist der Ausgang des zweiten Wahlgangs gänzlich ungewiss. Auch mich erreichen kritische Stimmen während des Wahlkampfs. Im Speziellen zu meiner Abwahl als Gemeindepräsident von Andwil, St. Gallen. Meine Kandidatur in einer anderen Gemeinde während meiner Amtszeit hat nachvollziehbarerweise zu meiner Abwahl als Gemeindepräsident geführt. Zumal ein Bewerber bereitstand, welcher eine längerfristige Perspektive bot. Die Ausschreibung fürs Präsidentenamt in Berg habe ich noch vor den Neuwahlen in Andwil gesehen, mich jedoch erst nach der Wahlniederlage vertieft mit der Gemeinde befasst und mich beworben. Eine erneute Anstellung als Gemeindepräsident wäre optimal, da der Beruf auf mich zugeschnitten ist und ich im perfekten Alter bin, um einer Gemeinde die Perspektive von mindestens zehn Jahren zu geben. Als Auswärtiger stellt sich vielleicht die Frage, wie meine private Zukunft in Berg aussehen würde. Bei einem Wahlsieg würde ich meinen Wohnsitz nach Berg verlegen. Von unseren fünf Kindern sind vier bereits erwachsen und ausgeflogen. Unser jüngster Sohn ist noch in der Berufsausbildung und bleibt bis nach der Ausbildung in Andwil wohnen.
Leserbrief von Gaston Zwahlen: Toni Thoma als Gemeindepräsident von Berg drei Kandidaten treten in Berg zum 2. Wahlgang an; Toni Thoma, Andreas Galiga und Bruno Moser. Ein Blick hinter die Kulissen von Andreas Galiga zeigt folgendes: Seit geraumer Zeit arbeitslos, eine 30%-Gemeindeanstellung kommt da wie gerufen. Trotz offiziellem Wohnsitz Berg, wohnt die Ehefrau mehrheitlich in Konstanz. Die Tochter ist in Konstanz eingeschult worden. Selbstredend, dass auch die täglichen Bedürfnisse (Einkauf, Arztbesuch, usw.) in Deutschland getätigt werden. Aus Überzeugung wähle ich wiederum Toni Thoma.
Von Desirée Müller