18.02.2026 14:38
Els Model und Johanna Meyerhans geehrt
Die ersten beiden Weinfelder Strassen mit Frauennamen wurden offiziell eingeweiht
Es war ein besonderer Tag in der Stadt Weinfelden. Am vergangenen Mittwoch, 11. Februar, wurden zwei Strassennamen inklusive eine Stele eingeweiht.
Weinfelden Im September 2021 sei im Parlament durch den heutigen Stadtrat Claudio Votta die Idee entstanden, zwei bedeutenden Weinfelder Frauen mit einer Namensgebung für zweier Strassen Rechnung zu tragen. «Wir haben diese Idee damals in den Stadtrat aufgenommen. Mittlerweile durfte Claudio Votta das Projekt selbst mit vorantreiben», erklärte Stadtrat Valentin Hasler. Man habe geprüft, welche Möglichkeiten es gebe. Für den Stelentext etwa habe man bei Martin Sax angefragt, auch die Bilder in genügend ausreichender Qualität zu finden, habe Mühen bereitet. «Nach rund fünf Jahren haben wir es von der Idee bis zur Umsetzung und Einweihung geschafft», so Hasler.
Nicht für ihre Rollen vorgesehen
Für Stadträtin Dominique Bornhauser war es eine grosse Freude, die ersten beiden Weinfelder Strassen mit Frauennamen einzuweihen. «Wir erzählen zwar oft die Geschichten der Frauen, jetzt werden sie auch tatsächlich sichtbar.» Zwar hätten Els Model und Johanna Meyerhans nichts miteinander zu tun gehabt, dennoch sei die Geschichte der beiden Frauen eng mit einander verbunden.
«Johanna Meyerhans ist 1855 als Müllerstochter geboren. Im Jahr 1890 hat sie mit ihrem Mann die Mühle von der Bürgergemeinde übernommen», erzählt Dominique Bornhauser. 1897 verstarb ihr Mann und hinterliess sie mit ihren vier Kindern. Durch ihre Erfahrungen als Müllerstochter habe sie aber die ungewöhnlich schwere Aufgabe der Betriebsführung übernommen. Trotz Krieg konnte sie die Mühle weiter vorantreiben, ehe sie 1916 den Betrieb an ihren Sohn Emil übergeben. An der Einweihung nahm sogar ihr Urenkel, Dominic Meyerhans, teil. Dieser führt die Familienfirma mittlerweile in sechster Generation.
Elsa, meist jedoch nur Els genannt, Model war die Tochter einer alleinerziehenden Mutter. «Sie war ausgebildete Konzertpianistin, litt jedoch unter starkem Lampenfieber», erzählte Dominique Bornhauser. 1927 heiratete sie Otto Model und zog mit ihm und seiner kleinen Kartonagenfabrik von Ermatingen nach Weinfelden. Auch sie verlor ihren Mann früh, er kam 1940 durch einen Unfall beim Eissprengen am Thurwehr ums Leben. «Ähnlich wie Johanna Meyerhans übernahm sie den Betrieb ihres Mannes und führte ihn erfolgreich bis 1961. Der Betrieb wurde dann von ihrem Sohn Otto übernommen.» Besonders ist zudem, dass sie quasi den ersten Kinderhort für ihre Mitarbeiter in Weinfelden ins Leben gerufen habe. «Diese beiden Frauen stehen nun stellvertretend für andere bedeutende Frauen in Weinfelden.»
Von Nico Wrzeszcz