Claudia Franziska Brüwhwiler wurde von Attila Wohlrab n der Jahresversammlung begrüsst. Kurt Peter
18.03.2026 07:56
«Europa wird zum Museum»
Claudia Franziska Brühwiler sprach beim Arbeitgeberverband über die Beziehungen USA - Europa und Schweiz
Die neue amerikanische Sicherheitsstrategie lässt Europa aussen vor, sieht Interessen in anderen Regionen der Welt. Das Fazit von Claudia Franziska Brühwiler beim Arbeitgeberverband: Europa muss seine Verantwortung selbst übernehmen.
Ermatingen «Unser Blick auf Amerika – und unser Blick auf uns selbst» war das Thema des Referates von Prof. Dr. Claudia Franziska Brühwiler von der Universität St. Gallen anlässlich der Generalversammlung des Arbeitgeberverbandes auf dem Wolfsberg. Das Verhältnis zwischen Europa und den USA habe sich verändert, gab sie zu Beginn zu bedenken. «Was frühere Präsidenten wie Obama in diplomatische Worte fassten, nämlich dass Europa mehr Verantwortung übernehmen muss, wird von der Trump-Regierung deutlich gesagt», sagte die Referentin. Natürlich mit Folgen, die neue Wortwahl dämonisiere die USA.
Nicht mehr alleinige Supermacht
Die Europäer machten sich gerne lustig über die USA, Strassen, Stromversorgung, Häuser: «Scheinbar ist alles marode und kaputt». Und doch sei die Wirtschaft in den USA stärker als in den meisten europäischen Staaten, ja sogar manche Bundesstaaten hätten mehr Wirtschaftskraft. Allerdings seien die grossen Differenzen zwischen den Gesellschaftsschichten in Amerika ein grosses Problem. Nach dem Anschlag vom 11. September 2001 seien die Beziehungen Europa – USA komplizierter geworden. «Entweder mit uns oder gegen uns», sei das Motto der USA gewesen.
«Die Zeitenwende ist da», machte Claudia Franziska Brühwiler klar. Die USA könne nicht mehr die alleinige Supermacht sein, auch, weil die Bevölkerung diese Politik nicht mittrage. Das mache auch die neue nationale Sicherheitsstrategie klar, die klar feststelle, dass die USA nicht mehr die ganze Weltordnung trage und vor allem sich selbst helfen wolle. Dies sei unter vielen Präsidenten sicherheitspolitischer Konsens gewesen. Aus Sicht der USA werde Europa zum Museum: «Dieses zeigt die Welt wie sie war, nicht wie sie sein wird». Das sei auch ein Grund für den «für uns verstörenden Blick von Donald Trump auf Europa».
Ein schwieriges Jahr
Vor dem Referat an der Generalversammlung wurde die ordentlichen Traktanden behandelt. Im Jahresbericht warf Sekretär Rolf Bickel einen Blick zurück und ging dabei auch auf die Thurgauer Wirtschaft im 2025 ein. «Die Wirtschaft war geprägt von globalen Unsicherheiten und geopolitischen Spannungen, zeigte sich aber stabil und anpassungsfähig», so Rolf Bickel. Die Industrie habe weiterhin unter einer schwachen Nachfrage gelitten, die Bauwirtschaft sei im vergangenen Jahr ein stabiler Stützpfeiler der Konjunktur gewesen, habe sich im Lauf des Jahres aber abgekühlt. Der Detailhandel zeige bei vielen Betrieben einen moderaten Optimismus, dieser spiegle eine gewisse Widerstandsfähigkeit des Binnenkonsums wider.
«Für den Tourismus und die Hotellerie im Kanton Thurgau war 2025 ein eher schwieriges Jahr», sagte Rolf Bickel. Die in einigen Perioden rückläufigen Übernachtungszahlen seien vor allem auf weniger Inlandsgäste zurückzuführen. Der Arbeitsmarkt im Thurgau sei trotz dieser Herausforderungen weitgehend stabil geblieben, aber nicht ohne Spannungen. Die Arbeitslosenquote sei im November 2025 bei 2,4 Prozent gelegen, was nach wie vor im tiefen Bereich sei.
Rolf Bickel sprach von einem intensiven Vereinsjahr mit zahlreichen spannenden Veranstaltungen. «Besonders positiv wurden die so Betriebstage bewertet, bei denen Schülerinnen und Schüler aus Kreuzlingen und Tägerwilen Einblick in die Berufswelt erhielten». Wertvoll sei der jährliche Austausch des Vorstandes mit den Stadt- und Gemeindepräsidenten aus dem Verbandsgebiet. Bei der Jahresrechnung musste Rolf Bickel einen Verlust von 3647 Franken bekanntgeben. Zwar sei weniger an Veranstaltungen ausgegeben worden, dafür sei der Betriebs- und Verwaltungsaufwand höher ausgefallen. Das Budget 2026 rechnet mit einer schwarzen Null.
Von Kurt Peter