In Arbon wurde bereits ein "Testfestival" veranstaltet.
06.02.2025 14:58
Festival der Vorgärten
Neues Kunst-Projekt im Mai in Weinfelden, Warth und Arbon
Vom 16. bis 18. Mai in Weinfelden und vom 23. bis 25. Mai in Warth verwandeln sich Vorgärten von jeweils einem Quartier zur Bühne. Künstler und MitorganisatorSan Keller erzählt, was es mit dem neuen Kunstformat auf sich hat.
Region Zurück im 2014: Künstler San Keller wandert durch die Strassen Los Angeles’, schlendert durch die Villenquartiere und beginnt sich während seiner Streifzüge durch Hollywood für die unterschiedlichen Klassenverhältnisse der Wohnformen zu interessieren. Ihm fällt auf, dass anders wie in der Schweiz, bei den Vorgärten der Mittelklasse der Zaun fehlt. Keller drehte einen Film in den USA und nutze die frei zugänglichen Vorgärten für seine kleinen, feinen Performances, wie er sie nennt. Meist spontan, ohne die Hausbesitzer vorher zu fragen. «Die Idee für das Format 'Festival der Vorgärten' ergab sich dann acht Jahre später während einem Spaziergang durch das Quartier Huben in Frauenfeld, wo ich für das Projekt 'Solos & Sights' recherchierte. Ein Vorgarten ohne Zaun erinnerte mich unterbewusst an Los Angels und das Projekt nahm seinen Lauf.» Nicht ganz so spontan wie seine Garten-Performances in den USA geht es bei den Vorbereitungen des «Festival der Vorgärten» zu uns her, welches erstmals diesen Mai von Anna von Siebenthal und ihm organisiert wird. Das Konzept ist neu, frech und kommt gut an. Die Tage gingen die Initianten von Tür zu Tür der Einfamilienhäuser im Südquartier in Weinfelden, stellten ihr Projekt vor und fragten, ob sie Interesse hätten, ihren Vorgarten als «Bühne» für einen der sechs teilnehmenden Kunstschaffenden bereitzustellen. Das gleiche taten sie an den beiden anderen Standorten im Quartier Bergli in Arbon und dem Quartier Breite in Warth.
Die Künstlerinnen und Künstler kommen aus der Musik, Tanz und Literatur – ein bunter Haufen. Die Performances seien «Low Budget». «Es werden keine 10'000 Franken für eine Beleuchtung ausgegeben. Sie arbeiten mit dem, was das Quartier hergibt.»
Interesse bei der Bevölkerung
In allen drei Städten und Gemeinden trafen sie auf grosse Neugier bei den Hausbesitzern. Einige sagten gleich zu, andere benötigen Bedenkzeit. Ein kleiner Teil sagte direkt oder durch die Blume ab. Die sozialen Verhaltensformen der Besuchten waren verschieden. Von Zurückhaltung bis zur Einladung zu einem warmen Tee, erzählt San Keller. Wo genau die Künstlerinnen und Künstler ihre Performances darlegen, wird erst am Freitag vor dem Veranstaltungswochenende bestimmt. Dann nämlich laufen die Künstler wie einst San Keller in den Los Angeles durchs Quartier und lassen sich von den Gärten inspirieren. Findet eine «Connection» statt, klingelt die oder derjenige an der Türe und bespricht sich mit den Hauseigentümern. Wer lieber Zuschauer ist, statt zur Bühne zu werden, hängt das verteilte «Bitte nicht stören» -Kartonschild wie man es von den Hotels kennt – an die Türfalle.
Spaziergangs durch Quartier
Die sechs Stationen werden gemeinsam im Rahmen eines von den Organisatoren geführten Spaziergangs besucht. Treffpunkt wird in Weinfelden wie in Warth ein Spielplatz sein. «Man trifft sich beim Ping-Pong-Tisch und geht von dort aus los», erzählt San Keller. «Es wäre schön, wenn sich noch Anwohner melden, welche unterwegs etwas über das Quartier erzählen möchten.» Oder ebensolche, welche sich über einen Besuch der Kunstschaffenden am Freitag vor dem Event freuen würden. Warum sie sich den Thurgau für ihr Festival ausgesucht haben, interessiert. «Im Kanton ist das Einfamilienhaus die häufigste Wohnform», so Keller. Quartiere in Gemeinden mit mindestens siebzig Häusern kamen für sie in Frage. Es soll kein Druck unter den Eigentümern entstehen, mitmachen zu müssen.
Von Desirée Müller