Erich von Däniken glaubt an Aliens. Sein erster Bestseller zum Thema erschien 1968. sb
16.02.2022 23:45
Geschichten aus dem Apfelgarten
Die Götter waren Astronauten – Bestseller-Autor Erich von Däniken begeisterte sein Publikum mit Theorien über Ausserirdische
Schon verrückt, das mit den Aliens. Ihre Existenz lässt sich nicht beweisen. Das heisst aber nicht, dass es sie nicht geben kann. Von dieser Pattsituation profitiert Bestseller-Autor Erich von Däniken seit über 50 Jahren. Am vergangenen Freitagabend war er im Müllheimer Modelhof zu Gast.
Müllheim Mit rund 80 Gästen waren die Plätze in der Säulenhalle gut besetzt. Die imposante, etwas kitschige Architektur diente als passende Kulisse für den Alien-Forscher aus Beatenberg. Ohne Umschweife begann Erich von Däniken und nahm seine Gäste mit auf einen wilden Ritt querbeet durch seine Theorien. So glaubt er unter anderem, dass Pyramiden nur mit Hilfe von Ausserirdischen gebaut werden konnten. In Bibeltexten findet er Beweise für den Besuch von Ausserirdischen bei unseren Vorfahren. Und auch in anderen Religionen, Kulten oder Mythen. So seien die Kachinka-Figuren der Hopi-Indianer nichts anderes als deren Versuch, Ausserirdische in ihren Raumanzügen nachzustellen. «Im Grunde sagen alle Kulturen dasselbe», meint der berühmte Autor. «Die Lehrmeister kamen aus dem All. Eigentlich eine sternenklare Botschaft, selbst für noch so kreuzdumme Menschen.»
Die Wahrheit kommt ans Licht
Das Faszinierende an Erich von Dänikens Vortrag ist: Er verwandelt sein Publikum in Eingeweihte, macht es zu Verbündeten im Kampf für die Wahrheit. Denn für ihn steht fest: Die Mächtigen der Welt wollen verhindern, dass alles ans Licht kommt. Das reicht von Ägyptologen, die Entdeckungen in den Pyramiden verschweigen, über «die Presse», die Wissenswertes ignoriere, bis zu Skelettfunden von ETs, welche die Regierung unter Verschluss halte. Eine globale Abmachung. Er sei einer der ersten gewesen, die über den Kontakt mit Ausserirdischen berichteten. Dafür sei er hart angegriffen worden. Doch der Zeitgeist sei im Wandel, ja, er müsse sich wandeln, sagte «EvD» mehrfach. Zwar sei die Menschheit «am Verblöden». Doch diejenigen, die langsam begreifen, werden immer mehr. Und dafür brauche es Mut und Charakter, lobte er seine Zuhörerschaft indirekt.
Erich von Dänikens Auftritt war sein erster öffentlicher Vortrag in der Schweiz nach langer Corona-Pause. Die Gäste kamen auch aus Deutschland und Österreich und nahmen dafür teils mehrstündige Anreisen auf sich. Schon vor der Show liessen sich Fans ihre Bücher signieren. Hinter der grossen Goldpforte des Modelhofs finden regelmässig Kulturveranstaltungen statt. Gleichzeitig dient der klassizistische Bau als Regierungsgebäude des vom Unternehmer Daniel Model ausgerufenen Kleinstaats Avalon (was man als «Apfelgarten» übersetzen könnte). Sein Sohn David begrüsste das Publikum zu anfangs und outete sich dabei ebenfalls als Fan. Er habe von Dänikens Bücher verschlungen und als Kind den von ihm initiierten Themenpark in Interlaken besucht. Darum freue er sich heute besonders. David Model kritisierte zugleich, dass Erich von Däniken im Vorfeld der Veranstaltung als «Altmeister der Verschwörungstheoretiker» bezeichnet wurde. «Ich bin der Meinung, wer heutzutage als Verschwörungstheoretiker bezeichnet wird, der hat etwas richtig gemacht.»
Während sich Erich von Däniken auf Twitter auch zu anderen Themen als zu Ausserirdischen äussert – unter anderem geisselt der Autor aus dem umstrittenen Kopp Verlag gendergerechte Sprache und politische Korrektheit oder leugnet menschengemachten Klimawandel – blieb Politik an diesem Abend vor der Tür. Genauso wie Impfzertifikate, Masken oder Abstandsregeln, nebenbei bemerkt. «Wir sind hier schliesslich in Avalon», erklärte eine Besucherin aus Zürich achselzuckend.
«Seien Sie unvernünftig»
Nach rund eineinhalb Stunden schloss Erich von Däniken seinen Vortrag. Unter Zeitgeist verstehe er übrigens die herrschende Vernunft, erklärte der bald 87-Jährige noch. «Also seien Sie unvernünftig». Dafür gab es grossen Applaus. Dann leerte sich der Saal schnell.
Von Stefan Böker