Toni Thoma konnte das Volk von sich überzeugen.
27.03.2025 11:00
Im zweiten Anlauf geschafft
Ein Duell auf Augenhöhe – am Ende entschied die Erfahrung
In Berg ist der neue Gemeindepräsident gewählt. Toni Thoma tritt die verkürzte Amtszeit mit viel Respekt an und macht klar: Statt langer Einarbeitung will er schnell ins Handeln kommen. Andreas Galiga sieht sich trotz Wahlniederlage als heimlichen Sieger.
Berg Spannung bis zur letzten Stimme – doch nun steht fest: Toni Thoma ist der neue Gemeindepräsident von Berg. Mit 696 Stimmen setzte er sich gegen Andreas Galiga durch, der 521 Stimmen erhielt. Eine klare Mehrheit, doch von einem klaren Favoriten konnte im Vorfeld keine Rede sein. „Dass es so ausgegangen ist, war alles andere als sicher“, sagte Thoma nach der Verkündung des Ergebnisses. „Andi hat ein starkes Resultat geholt. Ich freue mich über meinen Sieg, aber selbstverständlich auch über den fairen und engagierten Wahlkampf.“ Noch am Vorabend war Thoma unter den Gästen einer Theatervorstellung in Berg. „In den Gesprächen dort war deutlich spürbar: Die Leute waren sich uneins. Es war offen bis zum Schluss.“
Präsenz statt Parolen
Mit grosser Präsenz in Berg – aber ohne lauten Wahlkampf – hatte er sich auch im zweiten Wahlgang gezeigt. Statt auf markige Parolen setzte er auf Gespräche, Begegnungen, kulturelle Veranstaltungen. Er war präsent, hörte zu, war da. Rund um den Wahlkampf wurden allerdings auch kritische Stimmen laut: Einige Unterstützer zeigten sich in ihrer Kommunikation gegenüber dem Mitkandidaten Galiga wenig zurückhaltend. Der neue Gemeindepräsident selbst hielt sich aus solchen Auseinandersetzungen bewusst heraus und setzte auf einen sachlichen Ton. Ob die Lobby gegen Andreas Galiga ein Nachteil für den Berger war, bleibt ungewiss. „Wir müssten jede Stimmbürgerin und jeden Stimmbürger fragen, warum er sich für oder gegen mich entschieden hat.“ Unabhängig davon: Toni Thoma ist dankbar, euphorisch und voller Tatendrang.
Jetzt muss es schnell gehen
Nun tritt er ein Amt an, das durch besondere Umstände geprägt ist: Sein Vorgänger Thomas Bitschnau trat aus gesundheitlichen Gründen zurück – ein Burnout zwang ihn zum Rückzug. Deshalb übernimmt Thoma das Amt nur für die verbleibenden zwei Jahre der Legislatur.„Wir haben nicht ewig Zeit. Ich will bald etwas bewirken und anpacken.“ Dabei tritt er mit einem klaren Grundverständnis an: „Ich komme nicht mit dem Anspruch, alles zu wissen. Ich habe grossen Respekt vor der Aufgabe und höre genau hin.“ Die ersten 100 Tage sollen genutzt werden, um wichtige Themen und Strukturen zu erfassen, laufende Projekte kennenzulernen und Impulse zu setzen. Eine erste Wegmarke: die Rechnungsbürgerversammlung im Mai. Inhaltlich setzt Thoma auf Kontinuität: „Ich beginne dort, wo mein Vorgänger aufgehört hat – mit meiner eigenen Art, aber nicht im Widerspruch zu dem, was war.“ Seine Vision: eine attraktive Gemeinde, die gemeinsam gestaltet wird – mit Klarheit, Nähe und viel Engagement.
Wirtschaft vor Verwaltung?
Andreas Galiga ist der perfekte Verlierer – wenn es sowas überhaupt gibt. Was ausschlaggebend war, warum es dann doch nicht gereicht hat, kann auch er nicht sagen: „Das Volk hat sich für den Kandidaten entschieden, der bereits den Posten als Gemeindepräsident bekleidet hat – und setzt auf seine Erfahrung.“ Galiga hätte gerne seine Erfahrung bei Versorgungsthemen in die Gemeinde eingebracht: „Während sich die globale Energielandschaft rasant verändert, stehen auch die Gemeinden vor der Frage: Mitziehen oder im alten Trott verharren?“ Besonders für amtierende Gemeindepräsidentinnen und -präsidenten bedeute das: Entscheidungen treffen, die weit über die Legislaturperiode hinausreichen. „Denn was sich derzeit im Energiemarkt und bei den Versorgern tut, ist keine gewöhnliche Entwicklung – es ist ein tiefgreifender Umbruch, der durch Gesetze, Klimaziele und Marktdynamiken gleichermassen getrieben wird.“ Hier hätte Berg, so Galiga, von seinen strategischen Fähigkeiten profitieren können.
Es bleibt spannend zu beobachten, wie Toni Thoma künftig in die Fussstapfen von Thomas Bitschnau treten wird.
Von Desirée Müller