Die Kurse der TAB sind auch nach 45 Jahren immer noch sehr beliebt.
24.04.2025 16:49
Inklusion rockt – 45 Jahre TAB Thurgau
45 Jahre TAB Thurgau - am 3. Mai wird das Jubiläum im Martin-Haffter-Schulhaus gefeiert
45 Jahre voller Begegnungen, gemeinsamer Wege und stetiger Weiterentwicklung im Zeichen der Inklusion. Der gemeinnützige Verein mit Sitz in Weinfelden feiert ein besonderes Jubiläum und blickt zurück auf eine bewegte Geschichte, in der Menschen mit besonderen Bedürfnissen nicht am Rand, sondern im Zentrum stehen – mit ihren Fähigkeiten, Wünschen und Lebensgeschichten.
Weinfelden Seit 1980 begleitet die Thurgauische Arbeitsgruppe für Menschen mit Beeinträchtigungen (TAB) Personen auf Bildungs- und Freizeitwegen, die offen sind für alle. Das Angebot richtet sich an Erwachsene mit und ohne Beeinträchtigung–undbasiertaufdemVertrauen, dass jeder Mensch etwas beizutragen hat. Der Verein ist assoziiertes Mitglied von insieme Schweiz und trägt das ZEWO-Gütesiegel. Finanziert wird TAB über Mittel von Bund, Kanton, Stiftungen, Landeskirchen, Spenden sowie durch Beiträge der Teilnehmenden. Begegnungen auf Augenhöhe «Ich bin Feuer und Flamme für das, was wir beiTAB machen», sagt Charlotte Mäder, Geschäftsstellenleiterin und Bereichsleiterin Bildung seit 2022. Besonders bewegt sie, wie individuell auf Menschen eingegangen wird. «Unsere Bildungs- und Ferienangebote sind auf ihre Bedürfnisse, ihr Tempo, ihre Lebensrealität zugeschnitten, und in diesem Sinn manchmal auch leistungsorientiert». Bei TAB geht es um das gemeinsame Tun, um Begegnung auf Augenhöhe. «Es ist nicht selbstverständlich, dass auf Jede und Jedengenaueingegangenwird.Beiuns ist das möglich. Wir finden Wege.» Für Menschen mit Beeinträchtigung sei ein Kurs manchmal auch eine Grenzerfahrung – aber eine, die wachrüttle, herausfordere und stärke. «Es ist unglaublich, was für ein Selbstbewusstseinda entsteht,wenn jemand merkt: Ich kann etwas. Ich werde gesehen».
Teilnehmerin zur Kursleiterin
Ein Beispiel dafür ist ein Kurs zum Thema öffentlicher Verkehr, den eine Teilnehmerin mit schwerer Behinderung neu mitgestaltet und ihre Erfahrung einbringt. Seit 40 Jahren nutzt sie selbst den ÖV, kennt ihn in- und auswendig. Jetzt zeigt sie anderen, wie man sich zurechtfindet: wie man umsteigt, Automaten bedient, sich orientiert. Es sei ein mutiger Schritt, sagt Charlotte Mäder, und zugleich ein leuchtendes Beispiel dafür, was entstehen kann, wenn Menschen Vertrauen geschenkt wird. Ein Herzensanliegen sind Mäder auch die Schreib-Erzähl-Werkstätten, die TAB seit einigen Jahren anbietet. Wenn sie davon erzählt, wird sie fast ein wenig emotional. «Ich dachte früher, da kommen Menschen, die doch gar nicht so gut schreiben können. Und dann schreiben sie wunderschöne, berührende Texte – so klar, so ehrlich, so auf den Punkt.» Es sind Texte, die nicht um den heissen Brei reden, sondern tief aus dem Inneren kommen. «Da ist so viel Wahrheit und Direktheit drin, dass man manchmal richtig schlucken muss.» Die Ferienangebote von TAB gehörenebenfalls zum Herzstück des Vereins. Sie bieten nicht nur Erholung und Erlebnisse, sondern auch Begegnung und Struktur. Die Teilnehmenden treffen sich jeweils vorab, um sich kennenzulernen, was Unsicherheiten abbaut und Vorfreude schafft. FürAngehörige bedeutet das gleichzeitig eine wertvolle Entlastung. Charlotte Mäder ist überzeugt: «Für viele ist das mehr als eine Reise. Es ist eine kleine Auszeit vom Alltag –mit Menschen,die einenverstehen und mittragen.» Mit denTreffpunktenschafftdieTAB Räume, in denen sich Menschen mit und ohne Beeinträchtigung auf Augenhöhe begegnen können. Die Angebote sind vielfältig, niederschwellig und bewusst so gestaltet, dass sie sowohlfür Stammbesucherinnenals auch für neue Gäste offen und einladend wirken. Im Mittelpunkt steht das gemeinsameTun, sei es beim gemütlichen Kafi-Treff in Sulgen, beim kreativen Werken in Stein am Rhein oder beim sogenannten TeileteBrunch, bei dem jede und jeder etwas zum Buffet beiträgt. Auch politisches Interesse findet hier Platz: Beim Abstimmungs-Kafi werden aktuelle Themen diskutiert, wobei der Austausch stets respektvoll und inklusiv gestaltet ist. Eine Besonderheit ist das Kurs-Treffen, das Teilnehmenden verschiedener Angebote die Möglichkeit bietet, sich zu vernetzen und voneinander zu lernen.
Es wird gefeiert
Am Samstag, 3. Mai, wird diese Geschichte gefeiert – mit einem grossen Jubiläumsfest im Martin-Haffter-Schulzentrum in Weinfelden. Ab 15 Uhr findet die Generalversammlung fürMitglieder statt, ab17.30Uhr sind alle willkommen, die TAB verbunden sind oder es kennenlernen möchten. Bei einem bunten Abend mit Salatbuffet, Hotdogs, Kuchen und Getränken wird gegessen, erzählt, gelacht. Höhepunkt des Abends ist das Konzert der inklusiven Band FunkeSprung um 19 Uhr – mit Groove, Jazz und Lebensfreude, die keine Barrieren kennt. Charlotte Mäder blickt mit Dankbarkeit und Stolz auf die vergangenen Jahrzehnte – und mit Offenheit auf das, was kommt. «TAB ist für viele Menschen ein Stück zu Hause geworden. Ein Ort, an dem sie sich zeigen dürfen – und gesehen werden.»
Desirée Müller