Samichlaus und Schmutzli unterwegs.
Der Samichlaus und sein Schmutzli empfingen am letzten Donnerstag im Waldschulzimmer in Weinfelden Familien. Ich durfte Mäuschen spielen und Beat Curau im imposanten Bischofsgewand über die Schulter schauen.
Weinfelden «Der Opi krault uns immer den Rücken und wir dürfen Bilder bei ihm ausdrucken», schwärmt Dani von seinem Grossvater. «Habt ihr ihm schon mal gesagt, dass ihr ihn lieb habt?», fragt der Samichlaus. Dani und seine kleine Schwester überlegen einen Moment und umarmen ihren Opi. «Wir haben dich mega lieb!», sagen die Geschwister im Kanon. Die letzte halbe Stunde kamen mir drei Mal die Tränen. Aus Rührung wie auch vor Lachen. So ein Samichlaus hätte ich mir zu Kindheitszeiten gewünscht.Er geht auf die Kinder ein, macht aus jedem Tadel eine positive Botschaft und zieht die Kleinen innert Sekunden in seinen Bann. Schon bevor Samichlaus Beat etwas sagen kann, erzählt Dani, dass sie oft streiten. So als ob er dem Mann mit dem langen weissen Bart den Wind aus den Segeln nehmen will. Die 6-jährige Annique verfolgen nachts unheimliche Babyhunde mit roten Augen und bei Dani schauen hin und wieder Monster in den Träumen vorbei. Der Samichlaus wusste natürlich davon und zieht ein Buch aus seinem grossen Sack. In der Geschichte kämpft ein Geschwisterpaar gegen eben solche Monster und als Quintessenz der Geschichte lernen die Kinder, dass Geschwister alles zusammen schaffen und sich auf einander verlassen können. Es gibt auch super lustige Momente. Momente, in denen Dani und Annique in ihrer kindlichen Offenheit aus
dem Nähkästchen plappern und Papi verlegen den Kopf schüttelt. Dem Samichlaus kann man schliesslich alles erzählen. Eine Respektsperson, doch mit einem grossen Herz und Feingefühl. Bei der zweiten Familie war ein kleiner Spatz dabei. Selena tappt auf den Samichlaus zu winkt und klatscht begeistert. Mit grossen Augen lauscht sie interessiert den Geschichten des Chlauses und freut sich, als er erzählt, dass sie wohl ein Sonnenschein sei. Der 5-jährige Leonardo sei dazu ein wunderbarer grosser Bruder für Selena, hat der Chlaus von ihren Eltern erfahren. Der Bub nimmt sein Schwesterchen in den Arm und flüstert ihr ins Ohr, dass er sie lieb hat. Solche Momente schafft nur ein waschechter Samichlaus.
Kein Samichlaus-Kodex
«Jeder Chlaus hat seine eigene Art», erzählt Beat Curau. Er erzählt den Kindern nicht, dass er im Wald wohnt, sie unterm Jahr beobachtet und sich notiert, was sie gut oder eben weniger gut machen. «Ich habe mit eurem Mami und eurem Papi geredet und sie haben mir etwas über euch erzählt», sagt er jeweils, wenn er das grosse Goldene Buch zückt. Es gebe immer wieder Kinder welche ihn anschauen und sagen, «Dich gibt es gar nicht!». Seine Antwort: «Ich zeige jeweils auf mich und frage sie, 'mich gibt es nicht'?». Was will man da noch sagen. Vielmehr erzählt er Gross und Klein die
Geschichte des Sankt Niklaus. Von dem kleinen, privilegierten Jungen, der zum ersten Mal nach Draussen geht und die Armut sieht. Nach Hause geht und all seine Spielsachen und all ihr Essen verteilt. «Wir sind die Botschafter vom Sankt Nikolaus», sagt Samichlaus Beat. «Doch es gibt bei uns kein Kodex. Jeder Chlaus darf seine Besuche individuell gestalten.» Die «Nachwuchschläuse» begleiten verschiedene Samichläuse als Schmutzlis und picken sich während drei, vier Jahren das für sie Passende heraus.
Liste zum Vergessen
Streiten, trotzen oder auf dem Schulweg trödeln. Die klassischen Geschichten auf der Liste der Eltern. «Es gab schon solche, die wir gar nicht erst zum Besuch mitnahmen», erzählt «Waldarbeiter» Gustel. Er war selbst 40 Jahre Chlaus. Seine Schwerhörigkeit macht es ihm aber nicht mehr möglich, den Kindern ein offenes Ohr zu schenken. Er sorgt aber dafür, dass bei Besuchen beim Waldschulzimmer ein Feuer brennt und die Familien den Weg zum Samichlaus und dem Schmutzli durch das Waldwegli finden. Lange Listen ohne ein gutes Wort sind zwar selten, aber es gebe
sie immer wieder mal. Es komme immer drauf an, wie die Eltern die Begegnungen in der Kindheit erlebten. Kam der Schmutzli mit der Ruthe oder drohte, bei Ungehorsam die Kinder in den Sack zu packen, sind die Erinnerungen anders als an einen Samichlausbesuch, bei dem das Loben überwog und die Ruthe zum Schuheputzen statt für den Klaps auf den Po dient. Wo andere Vereine eingehen, ist bei der Weinfelder Chlausengesellschaft immer für Nachwuchs gesorgt. Und dies seit über fünf Jahrzehnten. «Es ist wunderschön, dass die Tradition seit jeher weitergeführt wird.» Beat Curau muss plötzlich lächeln, als ihm eine Geschichte in den Sinn kommt. «Das einzige Kind, das mich unter dem Bart erkannte, war meine Tochter. Sie schaute mich an und sagte 'Papa Augen'.
Da verabschiedete ich mich aber sowas von schnell.»
Von Desirée Müller




Vampirgerüchte mit glanzvoller Premiere
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