Mitarbeitende entdeckten eine versteckte Kamera an ihrem Arbeitsplatz im Alterszentrum Kreuzlingen.
Bild: zVg
13.05.2026 07:48
Kamera gegen Diebstähle im Alterszentrum
Mitarbeitende sprechen von Überwachung und haben Strafanzeige gestellt - Die Genossenschaft relativiert die Massnahme
Der Einsatz einer Kamera im Alterszentrum Kreuzlingen sorgte im Gemeinderat für Aufregung. Genossenschaft und Stadtrat begründeten die Massnahme mit über längere Zeit anhaltenden Diebstählen.
Kreuzlingen Thomas Leuch (Mitte/EVP) wollte Auskünfte über den Einsatz von Kameras im Alterszentrum zur Personalüberwachung. 20 Minuten online habe darüber berichtet, sagte er im Rat. Der zuständige Stadtrat Markus Brüllmann ging auf das Thema konkret ein. In der Genossenschaft Alterszentrum seien über einen längeren Zeitraum Diebstähle an Bewohnern, Mitarbeitenden und der Genossenschaft verübt worden. «Es handelte sich um verschiedene Vorfälle, von Bargeldentwendungen aus Portemonnaies und Glückwunschkarten bis hin zu grösseren Geldbeträgen und Wertgegenständen», präzisiert Geschäftsführer Marco Styner. Es habe Anhaltspunkte gegeben, dass die Täterschaft Teil des Personals sei. «Unabhängig vom materiellen Wert steht für uns insbesondere der Schutz der Bewohnenden im Vordergrund. Bewohnerinnen und Bewohner eines Pflegeheims gehören zu einem besonders schützenswürdigen Personenkreis. Entsprechend bestehen gegenüber ihnen erhöhte Sorgfalts- und Schutzpflichten». Die Geschäftsleitung sah und sehe sich verpflichtet, Hinweise auf mögliche Straftaten ernst zu nehmen und geeignete, verhältnismässige Massnahmen mit der Kantonspolizei und der Staatsanwaltschaft zu prüfen. «Deshalb wurde eine sorgfältige Interessen- und Güterabwägung vorgenommen». Aufgrund des konkreten Verdachts sei eine Diebesfalle mit Kamera geplant worden, erklärte Markus Brüllmann. «Diese wurde jedoch entdeckt, bevor sie in Betrieb genommen werden konnte. Es wurden zu keinem Zeitpunkt Aufnahmen erstellt, oder Gespräche abgehört oder sonstige Persönlichkeitsrechte verletzt». Eine Strafanzeige sei eingereicht worden, «weil in allen Fällen mit konkreten Tatverdachtsmomenten entsprechende Schritte eingeleitet werden», so Styner. Zwei Mitarbeitende, die bereits im gekündigten Zustand gewesen seien, hätten versucht, die Kameraüberwachung bei der Kantonspolizei Kreuzlingen zur Anzeige zu bringen. Diese habe nach Abklärungen des Sachverhalts den Fall abgeschlossen, da kein Straftatbestand erfüllt worden sei.
Diese Mitarbeitenden hätten versucht, beim Kanton St. Gallen dieselbe Anzeige zu erstatten. «Sie wurde ohne Überprüfung des Sachverhalts oder Anhörung der Genossenschaft entgegengenommen». Inzwischen hat die St. Galler Staatsanwaltschaft das Verfahren an den Thurgau abgetreten.
Mehrere Personen hatten Anzeige gegen die Überwachungsmassnahme eingereicht. Einer davon, ein diplomierter Pfleger, störte sich daran, dass «die Kamera ohne Vorinformation installiert wurde und mein Versuch, mit der Geschäftsleitung deswegen telefonisch Kontakt aufzunehmen, scheiterte». Dass die Kamera nur eine Woche installiert gewesen sei, könne er der Geschäftsleitung nicht abkaufen, sagte er auf Anfrage. Er vermute, dass sie während Bauarbeiten im Dezember 2025 installiert worden sei. Immer wieder sei es vorgekommen, dass im Haus Sachen verschwunden seien, «im Falle der Kamera aber seien ihm keine Vorfälle bekannt». Beim Personal habe es deswegen Verunsicherungen gegeben. Marco Styner: «Innerhalb der Belegschaft erleben wir insgesamt eine ruhige Situation. Viele Mitarbeitende teilen die Haltung, dass Diebstähle im Pflegeheim nicht akzeptiert werden können. In persönlichen Gesprächen wurde Verständnis dafür geäussert, dass die Institution verpflichtet ist, Bewohnende und deren Eigentum zu schützen».
Kurt Peter