Architekt Bernhars Roost führte die Interessierten durch die Hertlerhalle. Kurt Peter
21.08.2025 07:00
Keine Zunkunft in der Hertlerhalle
Für Werkhof, Entsorgungshof und Feuerwehr bevorzugt der Tägerwiler Gemeinderat den Neubau an der Arastrasse
Der Tägerwiler Gemeinderat bevorzugt einen Neubau für Werk- und Entsorgungshof sowie das Feuerwehrdepot. Eine grobe Kostenschätzung rechnet mit 14,2 Millionen Franken, noch teurer käme demnach der Umbau der bestehenden Hertlerhalle.
Tägerwilen Anlässlich der Informationsversammlung «Ersatz Werk- und Entsorgungshof und Feuerwehrdepot» vor Ort bei der Hertlerhalle an der Lohstampfestrasse und anschliessend in der Bürgerhalle ging Gemeindepräsident Markus Ellenbroek zunächst auf die lange Geschichte der gemeindeeigenen Liegenschaft ein. «1992 erfolgte der Umbau und die Inbetriebnahme des Werk- und Entsorgungshofes sowie des Feuerwehrdepots». 2021 habe ein Schadenfall, der Bruch einer Gasbetonplatte, zu intensiveren Überlegungen über die Zukunft der Halle geführt. «Die Zustandsanalyse von 2022 durch die M+P Architektur hat gezeigt, dass eine Totalsanierung erforderlich ist, nun liegt eine Variantenanalyse am heutigen Standort Lohstampfestrasse und an der Arastrasse vor», schloss Markus Ellenbroek seinen Rückblick.
Haustechnik am Ende
Bernhard Roost, Geschäftsführer Müller+Partner Architekten AG, ging in der Variantenstudie zunächst auf die Nutzungsmängel der Ist-Situation ein. In der Hertlerhalle «gibt es keine Platzreserven, keine räumliche Trennung von Lager zu Einstellhalle und Werkstatt sowie eine Vermischung von Werk- und Publikumsverkehr». Besonders problematisch sei die Entsorgung vor der Feuerwehrausfahrt, sie sei aus Sicherheitsgründen nicht tolerierbar, hier müsse bald eine Lösung gefunden werden. Auch sei die Parkierung aktuell nicht gelöst.
Den Zustand der Hertlerhalle bezeichnete Bernhard Roost «gesamt bei 40 Prozent. Zusammenbrechen wird die Halle nicht, doch der Wärmeschutz ist katastrophal». Die Heizkosten 2024 hätten sich auf fast 95'000 Franken belaufen. Klar sei, dass «die gesamte Haustechnik am Ende der Lebensdauer und der Ausstieg nur eine Frage der Zeit ist», machte Bernhard Roost deutlich. Zudem seien die Fluchtwege äusserst problematisch und der Innenausbau sei mangelhaft. «Zudem sind die Umgebungsbeläge doch sehr sanierungsbedürftig».
Sollprogramm nur im Neubau
Das gemeindeeigene Grundstück an der Arastrasse verfüge über eine nutzbare Fläche von 8500 Quadratmetern und befinde sich in der Zone für öffentliche Bauten. «Das Land wäre auch der Standort für ein Provisorium, sollte die Hertlerhalle saniert oder umgebaut werden», erklärte Bernhard Roost. Das Soll-Raumprogramm mit dem Werkhof (Lager, Einstell- und Sozialräume und Werkstatt), der Feuerwehr (Lager-, Einstell- und Sozialräume), Mehrzweckräume, Schutzraum für 200 Personen, Trafostation und offener sowie gedeckter Entsorgungshalle und Parkplätze könne weder bei einer Sanierung noch einem Umbau der Hertlerhalle erfüllt werden, machte er deutlich.
Bei einem Umbau der Halle müsse das Erdgeschoss komplett abgeräumt und danach breiter neu erstellt werden. Auch beim Umbau könne das erforderliche Soll-Raumprogramm nicht erfüllt werden, der Bau des Schutzraums sei nicht möglich, die Parkplatzsituation sei nicht befriedigend. Das Soll-Raumprogramm könne nur bei einem Neubau zu 100 Prozent erfüllt werden, so Bernhard Roost. Ein Neubau mache zudem ein Provisorium überflüssig, könne den Konflikt zwischen dem internen und dem Publikumsverkehr lösen. «Die Schutzanlage kann integriert werden, eine Erweiterung ist möglich und die Hertlerhalle wird für eine andere Nutzung frei».
Traktandum an der Versammlung
Beim Kostenvergleich zeigte sich, dass der Umbau der Hertlerhalle mit 16,6 Millionen Franken die teuerste Lösung wäre. Die Sanierung der Hertlerhalle kommt laut Schätzung auf knapp 12 Millionen, der Neubau auf 14,2 Millionen Franken. «Mögliche Beiträge für Schutzrum und Feuerwehr sind nicht berücksichtigt», stelle Markus Ellenbroek fest. Nach einer Gesamtabwägung favorisiere der Gemeinderat klar die Variante «Greenfield», den Neubau an einem anderen Standort. Dieser sei ohne Einschränkungen beim Raumprogramm, den Verkehrsflächen, Logistikabläufen und Erdbebenschutz realisierbar. Zudem seien keine Provisorien nötig und eine künftige Erweiterung möglich.
Die Realisierung sei auf der Parzelle Nr. 356, Untere Rüllen, angedacht, so Markus Ellenbroek weiter. Die Hertlerhalle könne später vermietet werden oder als Reserve für die öffentliche Hand dienen. Die Photovoltaikanlage könne bei Bedarf gezügelt werden. Bis 7. September hat die interessierte Bevölkerung nun Zeit, zu den Projekten Stellung zu beziehen und sich dazu zu äussern. Diese sind an gemeinde@taegerwilen. ch, zu richten. Danach folge Besprechung und Beschlussfassung im Gemeinderat. «An der Budget-Gemeindever-sammlung vom 2. Dezember wird über einen Planungskredit von 360'000 Franken abgestimmt. Eigentlich liegt der Betrag in der Kompetenz des Gemeinderates, doch wir werden voraussichtlich einen Antrag als separates Sachtraktandum stellen».
Von Kurt Peter