29.05.2025 00:00
«Kids uf d'Spielplätz!» - Kreative Kinderaktionen in Weinfelden
Ein Projekt des Jugendwerks Weinfelden bringt Werkstattgefühl und Beziehungspflege auf öffentliche Spielplätze
Werkeln, basteln, bauen, kicken, jonglieren: Das Projekt «Ab uf d'Spielplätz» hat sich in kurzer Zeit zu einem Geheimtipp für Familien und Kinder in Weinfelden entwickelt. Hinter dem mobilen Spiel- und Werkangebot steht das Jugendwerk Weinfelden – und ein engagiertes Team rund um Jugendarbeiter Diego Alessi.
Weinfelden Ursprünglich als Pilotprojekt gestartet, wurde die Aktion im Sommer 2024 erstmals umgesetzt – mit durchschlagendem Erfolg. «Wir hatten viele positive Rückmeldungen», erzählt Diego Alessi. Das Konzept: Ein mit Werkzeug, Bastelmaterialien und Spielgeräten ausgestatteter Anhänger wird auf wechselnden Spielplätzen in Weinfelden platziert. Ein Team vom Jugendwerk Weinfelden ist jeweils vor Ort. «Die Kinder wissen mittlerweile, was alles im Anhänger auf sie wartet», sagt Jugendarbeiter Alessi. Dabei entstehen oft überraschende Momente: Ein sonst so hibbeliges Kind übt geduldig stundenlang mit dem Diabolo, andere malen in Gedanken versunken, hämmern konzentriert, bauen kleine Holzskulpturen oder arbeiten begeistert mit Beton. Alessi beobachtet: «Es sind genau diese Situationen, in denen Kinder Fähigkeiten an sich entdecken, die sie vorher gar nicht kannten.» Das pädagogische Team hält sich dabei zurück, setzt gezielte Impulse, hilft, wenn nötig, und lässt viel Raum für Eigeninitiative.
Reden statt Wegrennen
«Kids uf d'Spielplätz» bedeutet aber nicht nur basteln und bauen, sondern auch soziales Lernen: «Beim Fussballspiel geht's oft heiss her – genau da setzen wir an», erklärt Diego Alessi, selbst Papi von zwei Jungs. «Zum Beispiel nach einem Foulspiel nehmen wir uns zwei Minuten Zeit für ein Gespräch. Die Kinder lernen, Konflikte zu lösen – nicht nur zu schreien oder wegzurennen.» Diese Beziehungsarbeit steht im Zentrum des Projekts – besonders an Spielplätzen mit vielseitigem, lebendigem Umfeld, wie etwa im Nollen-Quartier: «Dort leben viele Familien mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen. Einige Kinder drücken sich vor allem nonverbal aus – mit Gestik, Mimik und Lauten», sagt Alessi. Hier bringe die Offene Arbeit mit Kindern andere Herausforderungen mit sich. Umso schöner zu beobachten, wenn ein harmonisches, interessiertes Spielen stattfindet. Jeder Spielplatz bringt seine Eigenheiten mit sich. Während auf dem Platz an der Wilerstrasse eher Kleinkinder und Kita-Gruppen unterwegs sind – hier wird auf Werkzeuge bewusst verzichtet – ist der Thomas-Bornhauser-Spielplatz ein lebendiger Treffpunkt für alle Altersgruppen. «Ein richtiger Place to be», sagt Alessi. «Da ist immer was los, auch viele Eltern sind präsent.» In der Badi wiederum findet das Jugendwerk im Sommer eher zur offenen Jugendarbeit zurück – mit Challenges, Spielen und Gesprächen. Zwischen Mut und Verantwortung «Es geht auch darum, den Kindern etwas zuzutrauen», erklärt der Jugendarbeiter. Natürlich spielen Sicherheit und Aufsicht eine sehr grosse Rolle – «wir lassen die Kinder nicht allein mit der Bohrmaschine arbeiten», betont er – aber es geht auch darum, mutig neue Erfahrungsräume zu öffnen. Manchmal sind es gerade die Eltern, die zögerlich sind. Beim Werkelns sei klar geregelt: Das Jugendwerk stellt funktionsfähiges und sicheres Material und begleitet die Kinder. Die Verantwortung liegt aber offiziell bei den Eltern. «Bisher ist nie etwas Gravierendes passiert – mal ein blauer Finger oder ein Pflaster, mehr nicht», so Diego Alessi. Nach zwei Jahren Spielplatzpräsenz zieht er eine Zwischenbilanz: «Es ist schön zu sehen, was Kinder alles können – wenn man sie lässt.» Für die Termine wird bewusst keine grosse Werbung gemacht. Wer sie sucht, wird sie finden - oder man schaut regelmässig auf der Webseite des Jugendwerks vorbei, wo aktuelle Spielplatz-Daten aufgeschaltet werden. Weitere Infos und aktuelle Spielplatzdaten: www.jugendwerk-weinfelden.ch @jugendwerkweinfelden auf Instagram.
Von Desirée Müller