Stefan Keller lud im Vorfeld der Versammlung zur Kindergartenbesichtigung.
Bild: Kurt Peter
12.06.2025 00:00
Kosten und Kupfer waren Thema
Kindergarten Hauptstrasse kann saniert werden – Massnahmen sind dringend
Mit deutlicher Mehrheit bewilligte die ausserordentliche Versammlung der Volksschulgemeinde den Baukredit für die Sanierung des Kindergartens Hauptstrasse. Zu Diskussionen führten Kosten und Materialwahl.
Tägerwilen 63 Stimmberechtigte konnte Schulpräsident Daniel Heidegger am Montagabend in der Aula der Sekundarschule begrüssen. Vizepräsident und Präsident der Baukommission Stefan Keller erläuterte danach den Baukredit für die Gesamtsanierung des Kindergarten Hauptstrasse in Höhe von 3,47 Millionen Franken. Dabei warf er zunächst einen Blick in die Geschichte des Hauses, das seit 1900 der Volksschulgemeinde Tägerwilen gehört und nachweislich der älteste Kindergarten des Kantons ist.
Gesetzliche Anforderungen erfüllen
«Die letzte Gesamtsanierung wurde 1979 durchgeführt, 1998 wurde der Dachstock ausgebaut und der Rest des Gebäudes in diesem Zusammenhang sanft renoviert», erklärte Stefan Keller. Das Treppenhaus, die Garderoben, die elektrischen Anlagen und auch die sanitären Anlagen entsprächen nicht mehr den heutigen Anforderungen, führte er weiter aus.
«Vor allem in feuerpolizeilicher Hinsicht muss die Sanierung durchgeführt werden». Ausserdem sei aktuell ein Zugang für körperlich beeinträchtigte Personen unmöglich. Die Schulbehörde habe daher die Sanierung des Kindergartens Hauptstrasse schon seit längerer Zeit in die Planung aufgenommen. Die Stimmberechtigten hätten am 27. November 2023 einen Planungskredit in Höhe von 250 000 Franken bewilligt. «Im Januar 2024 hat die Infrastrukturkommission der Volksschulgemeinde mit der Planung der Gesamtsanierung begonnen», blickte Stefan Keller zurück. Vier regionale Architekturbüros seien im Rahmen des Einladungsverfahrens zur Projektteilnahme eingeladen worden, als Siegerin sei schliesslich die G2 Architekten AG aus Altnau aus dem Rennen hervorgegangen.
Baugesuch im Frühling 2026
Herausfordernd sei der Planungsperimeter wegen der geschützten Kastanie auf der Südseite des Kindergartens und der Grenzabstände gewesen. Architekt Andreas Rothen bestätigte dies bei der Vorstellung des Projekts. Herausfordernd seien auch das geforderte symmetrische Steildach sowie das bestehende Krüppelwalmdach gewesen. Die Lösung heisse «Metamorphose». Eine Umgestaltung und Verwandlung bekomme das Gebäude im Innern und ablesbar werde das im neuen Anbau. «Abgebrochen werden die alten Treppe, die WC-Anlagen und der alte Eingang, eingebaut werden der Lift und neue Nasszellen», so der Architekt. Das Klassenzimmer im Erdgeschoss bekomme eine Fläche von 105 Quadratmeter, im Obergeschoss werde es 110 Quadratmeter gross. «Im Dachgeschoss bekommen wir Platz für das Lehrer-WC, einen Multifunktionsraum, ein Besprechungszimmer und Lager», erklärte Rothen weiter. Das Untergeschoss bleibe ungeheizt und nutzbar.
«Wenn alles nach Plan läuft können wir im Frühling 2026 das Baugesuch einreichen, im Sommer/ Herbst 2026 mit dem Bau beginnen und im Sommer/Herbst 2027 den Bau beziehen», ergänzte Stefan Keller.
Andere Materialien noch diskutieren
Die Kosten belaufen sich auf 3,720 Millionen Franken, abzüglich des Planungskredits von 25 000 Franken, so dass am Montag über 3,47 Millionen Franken abgestimmt werden musste. Michael Tobler missfiel in der folgenden Diskussion das westseitige Fenster mit nur einem Laden. Die Kosten «für den Anbau und eine kleine Sanierung sind zu hoch, ich appelliere an die Grundvernunft, es ufert in meinen Augen aus». Für Stefan Keller hingegen war klar: «Die Sanierung steht jetzt an und muss nach den gesetzlichen Vorgaben gemacht werden». Und Andreas Rothen verwies darauf, dass es um eine teure Kernsanierung des Hauses gehe. Die Brandschutzvorschriften bei Schulhäusern seien zudem sehr hoch.
Christian Schwarz kritisierte die Verwendung von Kupfer am Bau. Die öffentliche Hand solle Vorbildwirkung haben und darauf verzichten.
Andreas Rothen versprach, das Thema nochmals in die Baukommission zu bringen: «Es gibt andere prüfbare Materialien, deshalb jetzt Nein zu stimmen werde schade». Der Architekt versprach zudem auf Anfrage, dass der Baumschutz gewährleistet sei. Nicht auseinandernehmen könne er an diesem Abend die Kosten von Sanierung und Neubau, das sei immer als ein Projekt gerechnet worden. Die Abstimmung ergab dann ein klares Resultat. 46 Stimmberechtigte sprachen sich für den Baukredit aus, 8 dagegen.
Kurt Peter