05.02.2026 09:56
Küche gegen Strand tauschen
Das Power-Couple Katja Müller und Hugo Miranda verabschieden sich vom «Siemis» und freuen sich aufs Reisen
Nach vier kulinarisch bemerkenswerten Jahren im Restaurant Siemis in Weinfelden verabschieden sich Hugo Miranda und Katja Müller Ende Februar 2026 von ihrem eigenen Gourmetprojekt. Wir lassen Sie mit unserne Fragen auf die Zeit zurückblicken.
Hugo und Katja: Was war euer häufigster Satz nach Küchenschluss?
«Jetzt nur noch sauber machen - dann haben wir endlich Feierabend». Vor einem riesigen Berg von schmutzigem Geschirr und Töpfen. Die Abende waren oft lang und die Nächte kurz. Aber die Wertschätzung und Freude der Gäste waren es uns wert.
Wer von euch hatte öfter Recht?
ImRestauranthatteHugoöfterRecht undKatjadanndafürzuHause.Nein, Spass bei Seite. Wir haben über die vielen Jahre hinweg gelernt, dass Recht zu haben nicht das Wichtigste ist. Viel entscheidender war für uns gegenseitiger Respekt und Verständnis, auch in hektischen Situationen,umgemeinsameinbestmögliches Erlebnis für unsere Gäste zu schaffen.
Welche Frage von Gästen habt ihr innerlich am meisten gefürchtet?
Dazu fällt uns spontan keine Frage ein. Wir hatten das Glück, dass wir in unserem Siemis viele unglaublich tolle Menschen begrüssen durften, die unser Konzept und unsere Küche sehr geschätzt haben. Einige davonwurdensogar zugutenFreunden. Wir sind sehr dankbar für die vielen schönen Begegnungen und der täglichen Austausch mit unseren Gästen wird uns ganz sicherfehlen.
Welches Geräusch aus dem Lokal werdet Ihr nicht vermissen?
Mir persönlich wird die ServiceKlingel bestimmt nicht fehlen. Hugo hat aber bereits gescherzt, dass erdiesenachHausemitnehmenund unserem Sohn zum Spielen geben möchte.UndHugowirddasTelefonklingeln mitten in der Rush-Hour nicht vermissen oder das Geräusch des Bondruckers in der Endlosschlaufe.
Was gönnt ihr Euch am ersten freien Abend, an dem ihr nicht Gastgeber seid?
Einfach Zeit zu zweit und etwas Ruhe.Wahrscheinlichbestellenwiruns eineleckerePizzaundgeniessendiese mit einem feinen Glas Wein in Pijamas auf dem Sofa. Wir freuen uns aberjetzt schondarauf,baldmalwieder als Gast in einem Restaurant zu sein und ein feines Essen zu geniessen,dasswirnicht selbstgekochtund serviert haben.
Was war Euer persönlicher Endgegner? Technik, Timing oder Temparement?
WahrscheinlichTiming inKombination mit Hugos Perfektionismus und dem daraus resultierenden hohen Anspruch an sich selbst und an seine Leistung. Manchmal hätte er gerne noch hochstehendere Gerichte kreiert und sich technisch noch weiter entwickelt. Dies wäre aberfürihn als One-Man-Show in derKüche nur schwer umsetzbar gewesen. Was macht Ihr mit der Zeit, wenn plötzlich niemand mehr etwas von Euch will? Wir freuen uns schon sehr darauf, ein bisschen mehr Zeit als Familie, mit Freunden und auch für uns zu zweit zu haben. Das kam in den letzten Jahren etwas zu kurz. Langweilig wird es uns dank unserem kleinen Entdecker aber sicher nicht.
Was war euer inoffizielles Belohnungsritual nach besonders harten Abenden?
Ein Belohnungsritual per se hatten wir nicht. Ab und zu haben wir mit unserem kleinen Team auf den vergangenen Abend angestossen und geschwatzt und gelacht. Meistens waren wir dafür zu müde. Für uns zu zweit wurde unser Sonntagsbrunch zu Hause zu einer kleinen Tradition. Über frisch gebackenem Zopf haben wir jeweils die vergangene Woche reflektiert und die Zeit zu zweit und nun zu dritt genossen. Sozusagen eine kleine Oase der Ruhe, bevor der hektische Alltag am Montag schon wieder weiter ging.
Welcher Gegenstand aus dem Lokal dürfte auch als Souvenir folgen?
Eine gute Freundin hat uns zur Eröffnung im 2022 ein Gästebuch gebastelt, in dem sich einige unserer Stammgäste verewigt undwir Grusskarten und Zeitungsartikel gesammelt haben. Dieses Buch wird bei uns zu Hause ein schönes Plätzchen finden, so dass wir, wann immer wir möchten, in Erinnerungen an vier wunderbare Jahre schwelgenkönnen.Einpaar erleseneWeinflaschen aus unserem Weinkeller dürfen sicher auch nicht fehlen und Hugo scherzt manchmal, dass er seine Gault Millau Auszeichnungen ab März bei uns zu Hause in der Küche aufhängen wird, in der Hoffnung, dass unser Sohn dann vielleicht ein bissen besser essen wird.
Wie sieht die Zukunft aus?
Es sind einige Projekte in Planung. Sowohl PopUp als auch Caterings. Wir dürfen hierzu aber im Moment noch nicht mehr verraten. Im März freut sich Hugo einfach auf eine kleine Auszeit und mehr Papi-Zeit.
Wie gehts weiter?
Ab April 2026 übernimmt der ThurgauerSpitzenkochDanielSimunic das bisherige Restaurant Siemis in Weinfelden, gibt ihm seinen früheren Namen «Alte Schmitte» zurück und startet gemeinsam mit der langjährigen KolleginJanaPlewealsneueGastgeberin. Simunic, der zuvor als Chef-Patissier und langjähriger Weggefährte von Christian Kuchler im Schäfli tätig war, wagt damit den Schritt zurück in die Selbstständigkeit. Er knüpft mit einem eigenen Konzept an den Standort an und setzt auf eine hochwertige, leidenschaftliche Küche – bewusst ohne den Anspruch eines Sternerestaurants, dafür mit einem klaren Bezug zur traditionellen «Alten Schmitte», die hier einst beheimatet war.
Interview: Desirée Müller