18.02.2025 16:10
Mit Pauken und Trompeten: 17 Guggen geben auf dem Boulevard Gas
Am Samstag findet die erstmals die Guggenparty statt
Stéphanie Baiker kann die grosse Guggenparty kaum erwarten. Die Präsidentin der Gasse-Schränzer erzählt, wie die Idee entstanden ist, warum Guggen nicht mehr so schräg klingen wie früher und wie aufwendig das Einstudieren neuer Lieder ist.
Kreuzlingen Stéphanie Baiker und ihre Guggenkolleginnen- und Kollegen könnens kaum erwarten – Am Samstag steigt die grosse Guggenparty auf dem Boulevard. «Alles begann vor drei Jahren als wir als Gruppe das Glöggli Air in Amriswil besuchten. Wir schauten uns an und sagten, so was wollen wir auch haben in Kreuzlingen», so Stéphanie Baiker. Die Idee wurde immer weitergetragen und beim sonntäglichen Zusammentreffen der Baikers wurde das Thema zum Gespräch. Ihr Vater ist Markus Baiker, Präsident der Kreuzlinger Narrengesellschaft. «Er fand den Gedanken an eine Guggenparty toll und versprach, ‘seine’ Narren zu fragen, was sie von der Idee halten.» Dass es nebst Narren Night Show und Umzug nochmals zusätzlich Arbeit für die Fasnächtler bedeutet, war allen klar. Trotzdem entschied man sich für die Durchführung des Novums in Kreuzlingen. So wurde das Umzugskomitee durch vier Vertreter der Gasse-Schränzer erweitert. Lernen von den Grossen «Die Narren haben so viel Erfahrung im Organisieren von Grossevents. So waren wir in der Anfangsphase immer wieder auf Ihre Hilfe angewiesen. Wir konnten von grossen (Fasnachts)Grössen lernen», sagt Stéphanie und lacht. Nicht nur für die Narren, sondern auch für die Gasse-Schränzer bedeutet die Fasnachtssaison 2025 mehr Engagement als sonst. So ist auch Tourmanager Erich Hoffmann in Doppelbelegung im Einsatz. «Er plant unsere eigene Guggensaison und ist gleichzeitig für die Koordination der Guggen vor Ort zuständig.» Eine grosse Herausforderung war die Kommunikation zu den angemeldeten Guggen: «Wann können wir welche Infos an die Guggen rausgeben. Diese planen natürlich gerne früh ihre Saison und es war uns ein Anliegen, dass sie immer up to date sind.» Bei einem Erstlingsevent konnte vieles aber erst im Laufe der Vorbereitungen final definiert werden. So auch die Standorte. «Wir hoffen, dass diese auch weit genug auseinanderliegen, so dass sich die Musik nicht überschneidet. Aber wir sind guter Dinge.» Dass es nun 17 Guggenmusiken sind, welche am Samstag an den drei Standorten spielen, freut Stéphanie sehr. «Es haben uns schnell viele zugesagt. Etwas herausfordernder war es bei der Festwirtschaft. Wir haben andere Vereine angefragt und schlussendlich konnten wir die Ermatinger Seebuebe mit einem Verpflegungswagen. Die Konstanzer Seegeister helfen dazu bei unserer Festwirtschaft mit.» Eine besondere Freundschaft verbindet die beiden Cliquen. «Da die Seegeister keine Guggenmusik mehr haben, begleiten wir sie beim Befreien des Landratsamts in Konstanz – was immer mega Spass macht. So betreiben wir quasi einen Kuhhandel», sagt Stéphanie lachend.
Niveau immer höher
Für die neue Saison werden jeweils zwei, drei neue Lieder einstudiert. Geprobt wird bei den Gasse-Schränzern ab September. Und das ist nicht ohne. So beginnt es mit der Entscheidung, welche Songs es sein werden. «Da gibt es von Gugge zu Gugge Unterschiede. Einige, wie wir, entscheiden im Plenum, bei anderen bestimmt der Obergugger das Repertoire.» Bei den Gasse-Schränzern könne jede und jeder bei einem Treffen «Lieder in die Runde werfen.» Am Schluss gebe es eine Abstimmung. Aktuell seien Songs aus den 90er-Jahren im Trend. «So auch bei den Guggen, die wir dieses Jahr schon spielen hörten.» Sie selbst hätten ein 90er-Jahre-Medley geprobt. Einfach drauflosspielen gibt’s auch bei Guggen nicht: «Für jede Stimme braucht es ein anderes Notenblatt. Viele Vereine, wir auch, lassen sich die Lieder für ihre Gruppe arrangieren.»Warum das Spielniveau immer höher werde, werden die Gugger oft gefragt. Vor zwanzig, dreissig Jahren durfte es noch schön schräg klingen. Heute unterscheiden teils nur noch die Kostüme Guggenmusiken von «normalen» Musikvereinen. «Man muss einiges tun, um neue Mitglieder zu gewinnen. Es gibt immer weniger Guggen und so je stärker eine Gruppe ist, desto besser sind die Chancen.» Ein Konkurrenzkampf sei es aber keinesfalls. «Man besucht auch gegenseitig Konzerte voneinander und macht gerne Stimmung für andere Guggen.» Es dürfe an der Bar mal ein blöder Spruch fallen, doch die Beziehung sei immer freundschaftlich. «Wir tauschen uns zum Beispiel auch über unsere Kostüme aus. Da gibt es viele Geschichten zu erzählen.»
von Desirée Müller