Die Kreuzung Bahnhofstrasse/Gutenbergstrasse ist ein neuralgischer Punkt, hier gibt es immer wieder gefährliche Situationen zwischen allen Verkehrsteilnehmern. Kurt Peter
05.02.2026 05:00
Nicht auf einen Unfall warten
Verein «Fuss und Velo» macht auf neuralgische Punkte aufmerksam und setzt auf Optimierungen
Der Verein «Fuss und Velo» sieht in der Stadt viele Gefahrenpunkte, die mit einfachen Massnahmen aufgehoben oder entschärft werden können. Im Vordergrund stehen das Miteinander und die Rücksicht aller Verkehrsteilnehmer.
Kreuzlingen «In der Stadt Kreuzlingen gibt es zahlreiche Gefahrenpunkte für Velofahrer und Fussgänger, die oft mit einfachen Mitteln entschärft werden könnten», sagt Ekkehard Fuchs, Präsident des vor einem Jahr gegründeten und inzwischen über 60 Mitglieder zählenden Vereins «Fuss und Velo». Als ein Beispiel mit zahlreichen gefährlichen Abschnitten nennt er dabei die Bahnhofstrasse. Hier teilen sich auf praktisch einer Fahrbahn der Schwerverkehr, Personenwagen, Busse, Fussgänger und Velofahrer den Verkehrsraum, was ganz besonders an der Kreuzung Bahn-hofstrasse/Gutenbergstrasse immer wieder zu gefährlichen Situationen führt. «Helfen würde hier eine einfach umzusetzende Tempo 30-Zone bereits ab Kreisel Bahnhof Richtung Helvetiaplatz», ist er überzeugt. Zu oft werde erst reagiert, wenn ein Unfall passiert sei.
Ein Raum für alle
Ziel des Vereins sei es daher unter anderem, die Stadt auf die vorhandenen Mängel hinzuweisen, erklärt Gemeinderat Thomas Leuch. Anläss-lich des Velo-Picknicks im vergangenen Jahr wurden die Besucherinnen und Besucher in einer Umfrage nach Abschnitten mit Gefahrenpotenzial befragt. «27 Punkte wurden genannt, die wir auf einer Karte festgehalten haben und zu denen wir Verbesserungsvorschläge kommentiert und der Bauverwaltung eingereicht haben», so Thomas Leuch. Ekkehard Fuchs bemängelt, dass bei den Kreiselsanierung zu wenig Rücksicht auf die Velofahrer genommen werde. «Unsere Vorschläge wurden dabei leider nicht berücksichtigt», kritisiert er die zuständigen Planer.
Vorstandsmitglied Walter Lang sieht hindernisfreie Radwege als ein absolutes Muss, ebenso eine menschenfreundliche und lebenssichere Gestaltung von Fusswegen. «Der Verkehrsraum ist ein Raum für alle und muss daher natürlich auch für Menschen gestaltet sein», fordert er. Für ihn ist ein Miteinander und Rücksichtnahme ein wichtiger und entscheidender Punkt: «Auch damit können nicht alle, aber viele gefährliche Situationen vermieden werden». Die Verkehrsflächen seien beschränkt, Velofahrer und Fussgänger brauchten mehr Platz. Die Forderung des Vereins daher: «Alle Verkehrsteilnehmer müssen gleichwertig behandelt werden».
Problematische Kreisel
«Bewegung ins Thema bringen», ist für Thomas Leuch wichtig. Damit mehr Menschen mit dem Velo unterwegs seien, brauche es mehr Sicherheit. «Man muss sich wohl fühlen auf dem Fahrrad, wer Velo fährt, fährt nicht Auto und so gibt es wieder mehr Platz», ist seine Philosophie. Und der Verein sei nicht gegen Autos, sondern für Velos und Fussgänger. Für Walter Lang ist aber auch klar: «Die Velofahrer müssen sich an die Regeln halten und vor allem müssen sie sichtbar sein». Mit dunkler Kleidung nachts und dann auch noch ohne Licht unterwegs zu sein, sei lebensgefährlich.
Der Verein setze sich dafür ein, dass bei der Neugestaltung der Strassenzüge ein Optimum für alle Verkehrsteilnehmer erreicht werde, so Ekkehard Fuchs. Vor allem müsse bei der Vielzahl problematischer Kreisel die Sicherheit erhöht werden, «heute und jetzt und vor allem vor anstehenden Generalsanierungen». Es gelte, das Augenmerk auf laufend optimierte Infrastruktur zu legen: Begegnungszonen, Barrierefreiheit, Velo-Abstellanlagen, Signalisierung, gute ÖV-Verbindungen. «Wir werden genau beobachten, wo aufgrund unserer Umfrage Verbesserungen getroffen wurden», sagt Thomas Leuch, der sich gleichzeitig für die gute Zusammenarbeit mit der Bauverwaltung bedankt. Und der Verein werde dieses Jahr deutlich häufiger öffentlich präsent sein, mit dem Velo-Picknick zum Beispiel oder mit geplanten Velo-Kinos im Sommer.
Radweg bevorzugen
«Der Austausch mit dem Verein Fuss und Velo ist sehr gut», bestätigt der zuständige Stadtrat Ernst Zülle. Die Stadt kenne die neuralgischen Punkte. Die Bevorzugung der Velofahrer an den Kreuzungen Werft-strasse/Bleichestrasse sowie Prome-nandenstrasse/Werfstrasse werde umgesetzt. «Damit bekommen die Velofahrer am wichtigen Radweg den Vortritt». Die Bahnhofstrasse werde im Zug der Sanierung umgestaltet und sicherer gemacht. Ernst Zülle bittet aber um Geduld. «Wir setzen die Priorität derzeit auf die Projekte Löwenstrasse und Hauptstrasse Nord, sie sind Teil des Agglomerationsprogramms und beide Vorlagen müssen noch vor das Volk». Wie übrigens auch das Projekt See-strasse/Freiestrasse, welche eine Schliessung des Bahnübergangs für den Individualverehr vorsieht.
Das bestehende Velo- und Fusswegkonzept beinhalte zahlreiche Massnahmen, die im Zusammenhang mit einer Strassensanierung umgesetzt würden. Auch die gemeinderätliche Kommission Verkehr setze sich intensiv mit dem Langsamverkehr auseinander. «Wir nehmen die Anliegen ernst, die Situation ist nicht optimal, aber es wird immer Konfliktsituationen geben», so Ernst Zülle abschliessend.
Von Kurt Peter