Museumsleiter David Bruder lädt zur neuen Ausstellung in die Rosenegg ein. Bis 23. November sind Werke von Anton Bernhardsgrütter und Johannes Diem. Kurt Peter
27.03.2025 07:00
Noch nie gesehene Schätze
Museum Rosenegg zeigt Werke von Anton Bernhardsgrütter und Johannes Diem
«Fürchterlich schöne Welt»: Unter diesem Titel steht die Ausstellung im Museum Rosenegg, die mit Anton Bernhardsgrütter und Johannes Diem zwei in der Region gut bekannte Künstler zeigt. Zwei Künstler mit Gemeinsamkeiten, die beide 100 Jahre alt geworden wären.
Kreuzlingen Am Freitag, 28. März, findet die Vernissage zur neuen Ausstellung im Museum Rosenegg statt. In Zusammenarbeit mit der Kunstkommission Kreuzlingen wurde «Fürchterlich schöne Welt» zusammengestellt. Kuratorin Dolores Claros-Salinas sprach anlässlich der Vorstellung von «Schätzen in Haushalten, die noch nie gezeigt wurden, Schätzen von Zeitzeugen, die noch einen persönlichen Bezug zu den beiden Künstlern hatten». Die beiden Künstler sind Anton Bernhardsgrütter und Johannes Diem, 1925 und 1924 geboren, beide in der Region wohnhaft, beide verbunden mit Natur und Landschaft.
Rücksichtloser Bruch
Museumsleiter David Bruder und Dolores Claros-Salinas sind den Werken der beiden Künstler seit Juli des letzten Jahres auf der Spur. «Die vielen Hausbesuche bei den Leihgebern haben gezeigt, dass beide grossen Stellenwert in der Region geniessen, dies über den Kanton hinaus», so David Bruder. Die Ausstellung habe biografische Lücken schliessen können, der Zugang zu den Werken sei dadurch präziser geworden. «Beide Künstler haben vieles gemeinsam, vor allem den Bruch mit dem gesicherten, bürgerlichen Leben, die rücksichtlose Entscheidung, freischaffende Künstler zu werden», erklärte die Kuratorin.
«Ich hatte das Gefühl, ich müsste es tun»: Ohne Ankündigung erschien Anton Bernhardsgrütter, beliebter Lehrer in Emmishofen, eines Tages nicht mehr zum Unterricht, erst zwei Wochen später meldete er sich bei seiner Familie wieder. Im Alter von 48 Jahren begann er ein neues Leben als freischaffender Künstler, mit einer Gruppe identifizierte er sich nie, er blieb Einzelgänger. Die Wahl seiner Motive ist vielfach autobiografisch geprägt: Der Bauernhof nahe Bischofszell, die katholische Frömmigkeit, die Mutter, die Geliebte und nicht zuletzt er selbst. Die Natur als Kulisse, nur scheinbar eine heile Welt. Grosse Auftritte scheute er, am Ende lebte er zurückgezogen im Alterszentrum Kreuzlingen.
Eine posthume Begegnung
Von seiner alleinstehenden Mutter ins Waisenhaus gebracht und unglücklich aufgewachsen bei Pflegeeltern in Appenzell, hat es Johannes Diem in den 1960er Jahren weit gebracht. Er führte in Zürich einen Coiffeursalon, doch für die Kunst gibt er das gut gehende Geschäft auf und zog mit Frau und Kindern nach Ermatingen. Am Bodensee entwickelte er einen eigenen Stil, der in manchem an Adolf Dietrich erinnert. Im Mittelpunkt steht die Natur, Wälder, Wiesen und der See, die er akribisch im Detail erfasst. In selbst organisierten Ausstellungen, später durch Galerievermittlung, fanden seine Werke schnellen Absatz. Die letzten Jahre verbrachte er, früh verwitwet, in einem Pflegeheim in Berlingen. Nur ein kleiner Teil seines Werkes gelangte, teils zufällig nach seinem Tod, in öffentliche Sammlungen.
«Anlässlich ihrer runden Geburtstage kommt es nun im Museum Rosenegg zu einer posthumen Begegnung der beiden», sagt David Bruder. Denn obwohl die beiden annähernd Gleichaltrigen nicht weit voneinander gewirkt und gelebt hatten, ist kein Austausch oder gar eine Freundschaft entstanden. «Die Ausstellung erlaubt eine interessante Wiederbegegnung, eine Wieder- und Neuentdeckung zweier Persönlichkeiten, die in der Region gewirkt und ihre Thurgauer Heimat auf unterschiedliche Weise zum Gegenstand ihrer Kunst gemacht haben», laden die beiden Verantwortlichen zum Museumsbesuch ein.
Von Kurt Peter