Piroska Gavallér-Rothe am Herbstforum
Im Vorfeld des Herbstforums vom Montag, 3. November, um 19.30 Uhr im evangelischen Kirchgemeindehaus, Tägerwilen stellt sich die Referentin unseren Fragen.
Im Vorfeld des Herbstforums vom Montag, 3. November, um 19.30 Uhr im evangelischen Kirchgemeindehaus, Tägerwilen stellt sich die Referentin unseren Fragen.
Einwohner-Forum: Einige Tägerwilerinnen und Tägerwiler kennen Sie aus einem Interview in der Thurgauer Zeitung, andere von Besuchen Ihrer Kurse. Viele allerdings kennen Sie noch nicht. Wer ist Piroska Gavallér-Rothe?
Piroska Gavallér-Rothe: Wie viel Zeit haben wir? (lacht) Im Ernst: Zuerst bin ich ein Mensch, der Menschen liebt – mit allen Ecken und Kanten. Genau deshalb arbeite ich mit Menschen – in Konflikten, in Krisenzeiten oder einfach dann, wenn sie ihre Kommunikation verbessern wollen. 2019 habe ich meine Erfahrungen in meinem Buch ‚Wertschätzend Klartext reden‘ veröffentlicht – lange bevor KI-Tools Texte schreiben konnten. Schreiben ist für mich nicht nur Arbeit, sondern eine meiner Leidenschaften.
Welches sind Ihre Spezialgebiete?
Vor Corona habe ich vorwiegend im Unternehmenskontext gearbeitet. Während des Lockdowns habe ich gemerkt: Ich möchte nicht mehr ständig reisen, sondern lieber regional wirken. Deshalb liegt mein Schwerpunkt heute auf der Begleitung von Einzelpersonen und Paaren – aber auch von Schulen, Kirchen und Gemeinden. Es geht immer um Klarheit, Verbindung – und darum, Konflikte so zu lösen, dass es für alle stimmt.
Sie sind Dozentin an der Uni Tübingen für Konflikt- und Kommunikations-Kompetenz. Kommunikation im Zeitalter von Social Media, whatsapp und Emojis, was sagen Sie den Studierenden?
Dazu sage ich gar nichts. Wichtiger ist, dass die Studierenden erleben, was authentische Kommunikation bedeutet – und wie es sich anfühlt, in wirklicher Beziehung zu sein. Junge Menschen brauchen Begegnungen, die emotional bedeutsamer sind als das, was sie im Netz erleben. Wenn wir als Erwachsene solche Begegnungen ermöglichen, verliert die virtuelle Welt ihre Sogwirkung – und echte Beziehung wird wieder attraktiv.
Kommunikation ist Ihr Thema und «gute Kommunikation fällt nicht vom Himmel» ist einer Ihrer Kernsätze. Gibt es Unterschiede in der Art der Kommunikation im Beruf, in der Familie, im Freundeskreis oder im Gemeinwesen?
Ja und nein. Die Rollen unterscheiden sich, doch die Prinzipien sind überall gleich: Menschen wollen gehört und verstanden werden, ernst genommen mit dem, was sie bewegt. Oft wissen sie selbst nicht genau, worum es ihnen geht – dann hilft es, das Unausgesprochene hörbar zu machen. Entscheidend ist eine bewusste Kommunikation, die einfühlsam und wertschätzend ist, zugleich aber auch klar und prägnant.
Was dürfen die Besucher des Herbstforum von Ihrem Referat erwarten?
In meinem Vortrag geht es weniger darum, wie wir miteinander reden, sondern darum, wie unbewusste Denkstrukturen unsere Gespräche blockieren können. Anhand meines 4-Stühle-Modells zeige ich, welche Gedanken wirken, wenn wir uns zurücknehmen oder angriffig werden – und welches Denken uns befähigt, einander selbstbewusst auf Augenhöhe zu begegnen und kreativ zusammenzuwirken.
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