06.08.2025 09:41
Sandegg wird wiederbelebt
Aussichtsplattform und Garten werden saniert und sind in einem Jahr wieder öffentlich zugänglich
In etwas mehr als einem Jahr wird die Burgruine Sandegg in Salenstein der Bevölkerung wieder zugänglich sein. Der attraktive Aussichtspunkt wird derzeit vom Amt für Archäologie untersucht und anschliessend saniert.
Salenstein «An zwei Gemeindeversammlungen hat sich die Salensteiner Bevölkerung klar zum Aussichtspunkt und dem Park Sandegg bekannt, zur Sanierung der Anlage wurde ein Betrag von 700 000 Franken gesprochen», erklärte Gemeindepräsident Bruno Lorenzato anlässlich der Medienorientierung vor Ort. Das zeige, dass die Anlage bei der Bevölkerung tief verwurzelt sei. «Das Ziel ist es, das Budget einzuhalten und die Aussichtsterrasse und den neu gestalteten Park im Herbst 2026 der Öffentlichkeit zu übergeben».
Zu stark geheizt
Simone Benguerel, Projektverantwortliche im Amt für Archäologie, ging auf die bewegte Geschichte der Anlage ein. Gemäss Chronik von Gallus Oeheim (1461 bis 1511) soll die Sandegg bereits im 8. Jahrhundert durch einen Alemannen namens Sintlatz bewohnt gewesen sein. «Urkunden aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts nennen die Sandegg als Besitz des Klosters Reichenau», so Simone Benguerel. Die Burg habe dann regelmässig die Besitzer gewechselt, sei verpfändet worden und zu Beginn des 16. Jahrhunderts weitgehend verfallen gewesen. «Jedenfalls wurde sie um 1540 als höchst baufällig und ohne Wert beschrieben».
Die wechselvolle Geschichte zieht sich weiter wie ein roter Faden: «Zwischen dem 17. und 19. Jahrhundert sei die Sandegg mehrfach umgebaut, rückgebaut und renoviert worden». Seit 1814 wird die Sandegg als Schloss bezeichnet. Vom 2. auf den 3. September 1833 brannte das Gebäude vollständig nieder. «Um den Verputz möglichst schnell zu trocknen wurde der Ofen über die Massen geheizt. Die Folge war die Zerstörung», erklärte Simone Benguerel. Gebäude seien an diesem Ort nicht mehr entstanden, die letzten Reste seien abgetragen und auf dem Kellergewölbe eine Aussichtsplattform erreichtet worden. Ende des 19. Jahrhunderts sei die erste Gartengestaltung umgesetzt worden. «Die Anlage verfiel zusehends, im Jahr 2004 stürzte die Nordwestecke der Terrasse ein, worauf das Areal aus Sicherheitsgründen geschlossen wurde».
Turmfundamente gefunden
«Was uns ganz genau erwartet wussten wir nicht, als wir mit den Grabungen begannen», erzählte Angelika Signer vom Amt für Archäologie. Erste kleinere Arbeiten seien 2018 ausgeführt worden, seit April laufen die aktuellen Grabungen. Ziel sei es, die Gebäude und Strukturen, die in den historischen Quellen erwähnt, beziehungsweise abgebildet seien, zu verifizieren. «Tatsächlich haben wir die Reste des Turms gefunden, sie weisen ein Gebäude von mindestens 13 mal 6,5 Meter aus». Da die Mauern im Süden und Westen aber abgetragen wurden, sei die die ursprüngliche Gebäudegrösse nicht bekannt.
Von Pallas und der Kapelle der Anlage seien bisher keine Fundamentmauern entdeckt worden. «Wir haben hier gefunden, was üblicherweise bei solchen Grabungen gefunden wird», sagte Angelika Signer. Tierknochen, Keramik, Mörtel, Bausteine, Geschirr, Glas und Ofenkacheln. Auch eine mittelbronzezeitliche Scherbe sei unter den Fundstücken: «Das heisst aber nicht, dass der Ort dauerhaft bewohnt war, wahrscheinlicher scheint uns ein kurzer Aufenthalt, vielleicht ein Lagerfeuer».
Gewölbekeller sichern
Im Rahmen der Gartengestaltung sei im Eingangsbereich ein Rondell aus Sandstein erbaut worden. «Darunter wurden ältere Mauern entdeckt», so Simone Benguerel. «Diese dürften zu Vorgängern der heutigen Umfassungsmauern oder zu schlosszeitlichen Anlageteilen gehören». Auf einem Plan zu Beginn des 19. Jahrhunderts sei an dieser Stelle ein Treppenaufgang eingezeichnet. Der Sandegg soll nun neues Leben eingehaucht werden. Die Gemeinde Salenstein und das Amt für Archäologie haben ein Sanierungsprojekt erarbeitet, das in mehreren Etappen umgesetzt wird.
In diesem Jahr gilt der Fokus der Sicherung und Wiederinstandstellung der Aussichtsterrasse, nächstes Jahr folgen die Restaurierung der Umfassungsmauern und die Wiederherstellung der historischen Gartenanlage. «Der südliche Teil soll naturbelassen gestaltet werden, der Mittelbereich als klassischer Garten», präzisierte Bruno Lorenzato. Der Gewölbekeller unter der Aussichtsterrasse werde saniert und gesichert, der Öffentlichkeit aber nicht zugänglich gemacht.
Von Kurt Peter