Kaspar Fröhlich erklärt, was für Massnahmen es geben wird.
19.12.2025 15:08
Sanierung der Lengwiler Weiher stärkt Hochwasserschutz und Natur
Grossweiher, Pfaffenweiher und Neuweiher werden umfassend erneuert. Das Projekt verbindet Sicherheit, Ökologie und Naherholung.
Die drei Weiher im Raum Kreuzlingen sind für den Hochwasserschutz unverzichtbar und zugleich ökologisch wertvolle Lebensräume von nationaler Bedeutung. Mit einem umfassenden Sanierungsprojekt sollen Grossweiher, Pfaffenweiher und Neuweiher technisch ertüchtigt, ökologisch aufgewertet und langfristig gesichert werden.
Lengwil Die Weiherlandschaft oberhalb von Kreuzlingen übernimmt eine zentrale Schutzfunktion für die Stadt. Bei Starkregen halten Grossweiher, Pfaffenweiher und Neuweiher grosse Wassermengen zurück und entlasten so die Siedlungsgebiete. «Diese Weiher sind ein zentraler Bestandteil unseres Hochwasserschutzsystems», betont Stefan Braun von der Stadt Kreuzlingen. «Mit der Sanierung stellen wir sicher, dass diese Schutzfunktion auch in Zukunft zuverlässig erfüllt werden kann.»
Neben ihrer technischen Bedeutung sind die Weiher ökologisch von grossem Wert. Der Grossweiher und der Neuweiher gelten als Amphibienlaichgebiete von nationaler Bedeutung, der Neuweiher zusätzlich als Flachmoor von nationalem Rang. Umgeben sind die Gewässer von wertvollen Waldflächen, die teilweise unter Schutz stehen. «Es geht hier nicht nur um Sicherheit, sondern auch um den Erhalt einzigartiger Lebensräume», sagt Markus Bürgisser von Pro Natura. «Die Kombination aus Wasserflächen, Röhrichtzonen, Moor und Wald ist ökologisch aussergewöhnlich.»
Technische Sanierung trifft ökologische Aufwertung
Untersuchungen der bestehenden Anlagen haben gezeigt, dass bei allen drei Weihern Sanierungsbedarf besteht. Besonders beim Grossweiher stehen Fragen der Stauanlagensicherheit im Vordergrund. Defekte Grundablässe, Sickerwasser in den Dammböschungen, Bewuchs auf den Dämmen und Biberaktivitäten beeinträchtigen die Sicherheit. «Viele dieser Anlagen stammen aus einer Zeit mit ganz anderen Anforderungen», erklärt Kaspar Fröhlich von der Fröhlich Wasserbau AG. «Heute müssen wir sowohl technische Sicherheitsstandards als auch ökologische Aspekte berücksichtigen.»
Ziel des Projekts ist es, die baulichen und technischen Anforderungen an die Stauanlagen zu erfüllen und den Hochwasserschutz für Kreuzlingen langfristig zu sichern. Gleichzeitig sollen die Weiher ökologisch aufgewertet und besser miteinander vernetzt werden. Auch die Nutzung als Naherholungsgebiet bleibt gewährleistet. «Uns war wichtig, dass Spazierwege und bestehende Infrastruktur erhalten bleiben», sagt Stefan Braun. «Die Bevölkerung soll dieses Gebiet weiterhin nutzen und erleben können.»
Am Grossweiher ist vorgesehen, den Wasserspiegel schrittweise um insgesamt 30 Zentimeter abzusenken. Ergänzend wird am Auslauf ein Grobrechen erstellt, der Grundablass wird untersucht und saniert, und Durchlässe sowie Verbindungsstrecken werden angepasst. Drei neue Amphibientümpel verbessern die Lebensbedingungen für geschützte Arten. «Gerade diese Kombination aus technischer Sicherung und ökologischer Verbesserung ist entscheidend», so Kaspar Fröhlich. «Wir lösen mehrere Probleme gleichzeitig.»
Mehr Sicherheit für Mensch, Natur und Region
Ein wichtiger Bestandteil des Projekts ist der gezielte Umgang mit Biberaktivitäten. Schutzgitter in den Dämmen sollen Schäden verhindern, ohne den Lebensraum der Tiere einzuschränken. «Der Biber gehört hierher», sagt Markus Bürgisser. «Aber seine Aktivitäten müssen so gelenkt werden, dass sie nicht zur Gefahr für Mensch und Infrastruktur werden.»
Auch beim Pfaffenweiher und beim Neuweiher sind umfangreiche Massnahmen vorgesehen, darunter Dammerhöhungen, zusätzliche Notüberläufe, die Sanierung von Grundablässen sowie ökologische Aufwertungen der Auslaufbereiche. Insgesamt entstehen zehn neue Amphibientümpel. Begleitend werden forstliche Massnahmen umgesetzt, schwere Baumbestände auf den Dämmen reduziert und wertvolle Eichen erhalten.
Die Wirkung auf den Hochwasserschutz ist erheblich. Durch die Absenkung des Wasserspiegels am Grossweiher entsteht ein zusätzliches Retentionsvolumen von rund 16’000 Kubikmetern. Damit wird nicht nur Kreuzlingen, sondern auch das angrenzende Konstanz besser geschützt. «Das ist eine Investition in die Sicherheit der gesamten Region», betont Stefan Braun.
Die Gesamtkosten des Projekts belaufen sich auf rund 582’000 Franken. Die Stadt Kreuzlingen trägt rund 205’200 Franken, Pro Natura beteiligt sich mit etwa 25’000 Franken, der Rest wird durch Beiträge von Kanton und Bund finanziert. Die Projektauflage ist für Januar 2026 vorgesehen, der Baubeginn für April 2026. Der Abschluss der Arbeiten ist im Spätsommer oder Herbst 2026 geplant, das endgültige Stauziel des Grossweihers wird 2027 erreicht.
Von Desirée Müller