18.03.2026 11:14
Superkolonie invasiver Ameisen in Kreuzlingen
Stadt und Kanton koordinieren Bekämpfung
Die Tapinoma magnum bereitet Kanton und Stadt Sorgen. Die eingeschleppte Ameisenart wurde im Sommer 2025 erstmals gemeldet und vermehrt sich seither rasant. In Kreuzlingen sind zwölf Grundstücke auf 20'000 Quadratmeter betroffen. Die Bekämpfung beginnt noch im März und soll bis Oktober abgeschlossen sein.
Kreuzlingen Am Dienstagnachmittag informierten Kanton und Stadt über eine ungewöhnliche Invasion. Die aus dem Mittelmeerraum stammende Ameise Tapinoma magnum ist die aggressive Variante der beiden bekannten invasiven Varianten und wurde im Sommer 2025 erstmals im Bereich Burgerfeld, ehemalige Gärtnerei Maier, festgestellt. «Gleich nach dieser Meldung wurde die Art bestimmt und das Ausmass ermittelt», erklärte Stadtrat Ernst Zülle. Im November folgte die Koordinationssitzung der involvierten Behörden, die Festlegung der Zonen und die Erstellung eines Bekämpfungskonzepts.
Intelligentes Auftreten
«Das eigentlich unscheinbare Biest kann Häuser unbewohnbar machen, durch Unterhöhlung des Bodens den Untergrund instabil werden lassen und bildet Superkolonien», zählt Ernst Zülle die Eigenschaften der Ameise auf. Und daher habe es eine klare Weisung des Kantons gegeben: «Zusammen müssen wir das Problem lösen, in diesem Fall heisst das eliminieren». Martin Eugster, Leiter des kantonalen Amtes für Umwelt bestätigt das. «Auf 20'000 Quadratmeter sind zwölf Grundstücke betroffen, unter anderem der Sportplatz Burgerfeld». Für Kanton und Stadt sei der Befall durch Tapinoma magnum Neuland.
Für Tamara Gloor von der Fachstelle Neobiota des Amtes für Umwelt ist die Ameise aus verschiedenen Gründen ein Problem. Ein Nest könne mehrere Königinnen aufweisen, was bei einheimischen Arten nicht der Fall sei. Dadurch gebe es eine hohe Reproduktion. «Die Tapinoma magnum hat ein intelligentes Auftreten, sie erkennt Giftköder nach kurzer Zeit, was die Bekämpfung erschwert». Das betroffene Gebiet wurde in eine Bekämpfungs- und eine Überwachungszone eingeteilt. In der Bekämpfungszone werden die Nester mit Heisswasser und mit geeigneten Insektiziden durch eine Schädlingsbekämpfungsfirma behandelt. Diese Massnahmen starten in den nächsten Tagen bis Ende Juni mit anschliessender Erfolgskontrolle.
Separate Grüngutentsorgung
«Wir werden diese Behandlungen wöchentlich wiederholen und durch eine periodische Überprüfung die Bekämpfungszone gegebenenfalls verkleinern oder ausweiten, so Andreas Signer von der Bauverwaltung. Die Überwachungszone werde während der Bekämpfungsphase voraussichtlich dreimal auf das Vorkommen von Tapinoma magnum geprüft, eine aktive Bekämpfung sei nicht vorgesehen. «Falls notwendig, werden natürlich entsprechende Massnahmen zur Bekämpfung ergriffen». Eine Meldung bei Verdachtsfällen sei direkt an die Bauverwaltung zu machen. Die Betroffenen werden während der Bekämpfungszeit eine separate Grüngutentsorgung mit eigenem Container erhalten. «Dieser wird zur KVA gebracht und der Inhalt verbrannt».
Für die Bekämpfung der Ameisen mit Insektiziden wurde die Firma Kistler & Stettler beauftragt. «Die Tapinoma magnum ist für uns kein Neuland, wir haben sie schon in der Stadt Zürich erfolgreich eliminiert», erklärt Robert Kistler. Die Herausforderung in Kreuzlingen sei die grosse Fläche. Und die Bekämpfung brauche viel Koordination zwischen Stadt, Kanton und Schule sowie das dazu geeignete Wetter. Es würden natürlich nur zugelassene Produkte verwendet, so der Fachmann. Eine 100-prozentige Erfolgsgarantie könne er aber nicht geben. Den Einsatz von Insektiziden verteidigt Tamara Gloor: «Wo die Tapinoma magnum wütet, wächst grossflächig nichts mehr, der Einsatz der Insektiziden aber kann ganz gezielt und auf kleinen Flächen erfolgen. Die Natur erholt sich danach sicher wieder».
Von Kurt Peter