Die Studienleiterinnen der Sotomo GmbH, Corinna Heye (links) und Gerlinde Theunissen. IDSK
05.03.2026 05:00
Teures Wohnen in Kreuzlingen
In Kreuzlingen wird relativ viel Wohnraum gebaut - Mit Blick auf das Wachstum auch dringend nötig
Die Wohnraumanalyse stellt der Stadt Kreuzlingen ein mehrheitlich gutes Ergebnis. Zwar sind die Mieten hoch und der Leerwohungsbestand tief, so dass der Druck noch wachsen wird, doch allgemein ist die Wohnsituation positiv.
Kreuzlingen Am Montagabend stellte der Stadtrat im Dreispitz die von der Sotomo erarbeitete Wohnraumanalyse vor. Dabei hob Stadtpräsident Thomas Niederberger zunächst hervor, dass die Stadt «ein begehrter Wohnort mit hoher Lebensqualität ist». Eine erste Bevölkerungs- und Wohnraumanalyse sei 2023 erstellt worden. Auf dieser Grundlage sei das Projekt der Wohnbaugenossenschaft an der Rieslingstrasse erfolgreich umgesetzt worden. Doch die Beantwortung der SP-Interpellation «Preisgünstiger Wohnraum» habe gezeigt, dass eine Aktualisierung der Analyse notwendig geworden sei.
Kreuzlingen baut städtisch
Corinna Heye und Gerlinde Theunissen von der Sotomo GmbH stellten die Analyse im Detail vor. Es zeige sich, dass in Kreuzlingen relativ wenig Familienhaushalte, relativ viele Haushalte mittleren Alters und relativ viele Einzelpersonenhaushalte beständen. Kreuzlingen habe im Vergleich zu Romanshorn, Frauenfeld, Olten, St. Gallen und Wil am meisten neue Wohnungen gebaut, jedoch auch überdurchschnittlich viel abgerissen. Die Analyse zeigt auf, dass Kreuzlingen städtisch baut. Das heisst, hauptsächlich kleine Wohnungen und wenige Einfamilienhäuser.
«Trotz der hohen Wohnbautätigkeit deutet die überdurchschnittliche Leerwohnungsziffer auf einen angespannten Wohnungsmarkt mit wenig verfügbarem Wohnraum hin», macht die Analyse auf ein Problem aufmerksam. Dazu kommt, dass Kreuzlingen im Vergleich die teuersten Mietpreise aufweist. Theoretisch gebe es genug grosse Wohnungen für die Anzahl grosser Haushalte, ein Problem sei jedoch die Unterbelegung: «Viele kleine Haushalte leben in grossen Wohnungen». Dies trifft laut Analyse vor allem auf sogenannte «ältere Haushalte» zu.
Günstigen Wohnraum fördern
Rund 45 Prozent der Neubaubewohnenden sind innerhalb von Kreuzlingen umgezogen und haben damit ihre vorherige Wohnung für andere Haushalte freigemacht. Die neuen Wohnungen sind im Schnitt 25 Franken pro Quadratmeter teurer als die Bestandeswohnungen, diese werden durch den Mieterwechsel tendenziell aber auch teurer. Eine mögliche Folge sei die Verdrängung von einkommensschwachen Haushalten. Es werde nicht unbedingt Wohnraum für mehr Menschen geschaffen, sondern eher für kleinere, tendenziell wohlhabender Haushalte mit mehr Wohnfläche und geringeren Zimmeranzahl. «Wie in anderen Regionen haben einkommensschwache Haushalt eine zu hohe Mietpreisbelastung», hält die Analyse fest.
Das Kreuzlinger Bevölkerungswachstum wird deutlich höher eingeschätzt als das der Referenzstädte. Bis 2040 soll die Stadt um rund 4500 Einwohnende wachsen. «Diese Entwicklung ist in der Zonenplanung berücksichtigt», sagt Thomas Niederberger dazu. «Wenn die Projekte auch umgesetzt werden». Viele grössere Überbauungen seien in Planung oder in Realisierung. So etwa die HRS-Überbauung an der Bahnhofstrasse, die Überbaung «Linde» der Post oder auf dem Besmerplateau.
Auch wenn die Situation im Bereich bezahlbarer Wohnraum aktuell nicht brenzlig sei, gelte es, Massnahmen zu ergreifen. Die Förderung von bezahlbarem Wohnraum sei im Legislaturprogramm enthalten. Ebenso die Förderung von kostengünstigem und genossenschaftlichem Wohraum. Es sei ein Ziel, verbindliche Rahmenbedingungen für gemeinnützigen Wohnungsbau zu schaffen, nicht nur mit gemeinnützigen Wohnbauträgern, sondern auch mit privaten Investoren aus der Stadt und der Region.
Von Kurt Peter