Befürworten ein neues Friedhofsreglement: Akif Avsar und Elsi Bärlocher.
zVg
14.05.2025 00:00
Publireportage
Warum JA stimmen für das neue Friedhofreglement
Am 18. Mai stimmt Weinfelden über Anpassungen des Friedhofreglements ab. Es beinhaltet wichtige Verbesserungen für die Weinfelder Bevölkerung. Zu reden gibt, ob sich Muslime künftig nach ihrer Tradition begraben lassen dürfen. Zwei Befürworter setzen sich mit wichtigen Fragen auseinander.
Elsi Bärlocher, ein Teil der SVP ist klar gegen das muslimische Grabfeld. Warum engagieren Sie sich als aktives SVP-Mitglied dafür?
Elsi Bärlocher, SVP: Wir erwarten von zugewanderten Menschen, zu Recht, dass sie sich hier integrieren. Darum müssen wir ihnen die Integration umgekehrt auch ermöglichen – etwa bei der Bestattungsart.
Warum braucht es die muslimischen Gräber?
Rund zehn Prozent der Weinfelder Bevölkerung sind Muslime. Viele leben bereits in zweiter oder dritter Generation hier – sie sind Teil der Weinfelder Gemeinschaft. Dank den jahrzehntelangen positiven Erfahrungen anderer Gemeinden konnten wir eine praktikable Lösung ausarbeiten.
Akif Avsar, auch Sie sind SVP-Mitglied und Teil der muslimischen Gemeinschaft. Wie viele Menschen haben den Wunsch, hier nach muslimischer Tradition beerdigt zu werden?
Akif Avsar: Viele in der Schweiz geborene Personen möchten sich hier so beerdigen lassen.
Sie auch?
Akif Avsar: Ja, definitiv. Ich bin ein Schweizer Muslim und möchte in meiner Heimat Weinfelden begraben werden – mit Blick in Richtung Mekka.
Können Sie beschreiben, was es bedeutet, wenn ein Angehöriger nicht Richtung Mekka begraben werden kann?
Akif Avsar: Gläubige Muslime versuchen, die Empfehlungen des Propheten Mohammed möglichst genau einzuhalten. Wird ein Verstorbener nicht mit dem Gesicht Richtung Mekka beerdigt, kann das für die Familie sehr schwer sein. Denn dies ist für uns Teil eines würdevollen Abschieds.
Die Föderation islamischer Dachorganisationen sagt, Muslime zeigten durch den Wunsch, hier begraben zu werden, Integrationswillen. Wie sehen Sie das?
Elsi Bärlocher: Für mich zeigt es deutlich, dass Weinfelden ihre Heimat ist. Sie haben darum den Wunsch, hier nach ihrer Tradition bestattet zu werden.
Akif Avsar: Ich stimme dem zu. Wir sind Schweizer, haben hier unseren Lebensmittelpunkt. Das Begräbnis hier verstärkt unsere Verbundenheit mit Weinfelden noch mehr – auch bei neu Zugezogenen.
Die Föderation sagt auch, das separate Grabfeld für Muslime sei keine Besonderheit, es gebe bereits heute Unterteilungen auf dem Friedhof, etwa mit Kinder- oder Gemeinschaftsgräbern. Was sagen Sie dazu?
Elsi Bärlocher: Das ist richtig. Im überarbeiteten Friedhofreglement haben wir die bestehenden Bestattungsformen nur um eine ergänzt: Um die Möglichkeit, mit Blick Richtung Mekka bestattet zu werden. Man darf zudem nicht vergessen: Im Unterschied zu Muslimen haben Christen bereits heute die Möglichkeit, die Art der Bestattung zu wählen.
Könnte der Platz auf dem Friedhof wegen der separaten Muslim-Gräber künftig knapp werden?
Elsi Bärlocher: Heute werden etwa 90% der verstorbenen Weinfelder kremiert. Die Hälfte davon wünscht sich eine Bestattung in einem der Gemeinschaftsgräber, deshalb gibt es immer mehr Grünflächen auf dem Friedhof. Zudem ist die Anzahl Gräber auf 70 begrenzt. Ich bin mir daher sicher, dass es trotz des geplanten Grabfeldes stets genügend Platz für alle Verstorbenen hat.
Den Christen wird also nichts weggenommen?
Elsi Bärlocher: Nein, ich wüsste absolut nicht, was das sein sollte. Schweizer Friedhöfe waren, sind und bleiben geprägt von christlichen Normen.
Die Gegner haben Angst, dass nach den Muslim-Gräbern weitere Spezialwünsche folgen könnten. Hat Ihre Gemeinschaft weitere offene Wünsche?
Akif Avsar: Mir ist nichts bekannt.
Haben Sie Verständnis, dass die muslimischen Gräber Ängste wecken?
Elsi Bärlocher: Selbstverständlich kann ich das nachvollziehen. Fremdes befremdet. In diesem Reglement geht es aber nicht um Fremde, sondern um integrierte Muslime, die mit unseren Kindern zur Schule gegangen sind, in Vereinen mitmachen, hier arbeiten, Steuern bezahlen und unsere Gesetze einhalten. Mein Lösungsvorschlag: Suchen Sie das Gespräch mit diesen Menschen. Je besser wir uns kennen, umso schneller bauen sich Vorurteile und Ängste ab.
Akif Avsar: Wichtig ist, dass die Bevölkerung ihre Fragen zu den muslimischen Grabfeldern stellen kann. Ich sehe es als meine Pflicht, diese zu beantworten. Ich bin zuversichtlich, dass die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger sich bei Ihrer Entscheidung nicht von übergeordneten Ängsten leiten lassen, sondern erkennen, dass dieser Weinfelder Kompromiss eben diejenigen stärkt, welche sich für einen weltoffenen und integrationsbereiten Islam einsetzen.
Was würde es mit Ihnen machen, wenn Weinfelden Nein stimmt zu muslimischen Gräbern?
Elsi Bärlocher: Ich würde das sehr bedauern, vor allem für unsere muslimischen Mitmenschen, die sich das so sehr gewünscht haben. Es wäre eine verpasste Chance und ein negatives Signal, auch über unsere Gemeindegrenze hinaus.
Akif Avsar: Ich wäre sehr enttäuscht. Wenn jemand in einem Baum-Gemeinschaftsgrab beerdigt werden möchte, ist dies in Ordnung, wenn ich im Tod in Richtung Mekka blicken möchte, nicht. Und dies, obwohl es problemlos realisierbar wäre.
pd