Was Weihnachten mit Geld zu tun hat
Im Kirchenjahr beginnt die Vorweihnachtszeit am ersten Sonntag im Advent. Der Kalender der westlichen Konsumgesellschaft setzt den Beginn der adventlichen und weihnachtlichen Festzeit schon früher an.
Im Kirchenjahr beginnt die Vorweihnachtszeit am ersten Sonntag im Advent. Der Kalender der westlichen Konsumgesellschaft setzt den Beginn der adventlichen und weihnachtlichen Festzeit schon früher an.
Mit dem Black Friday Ende November werde die Konsumschlacht der Vorweihnachtszeit eingeläutet, kommentierte die Tagesschau in einem Beitrag über die Konsumentenstimmung in der Schweiz. In diesem Jahr wurde der erste Sonntag im Advent in den Kirchen nur zwei Tage nach dem Black Friday gefeiert. Tun sich hier unüberbrückbare Gegensätze auf? Die Besinnlichkeit und die Stille der Weihnachtszeit werde immer mehr von der Geschäftigkeit und dem Lärm der Konsumgesellschaft verdrängt, ist eine in und ausserhalb der Kirchen oft gehörte Kritik. Wir müssten wieder lernen, mit weniger zu zufrieden zu sein, einfachere Geschenke zu machen und so zur ursprünglichen Sinnhaftigkeit von Weihnachten als einer Zeit des Friedens und der Besinnung zurückzufinden.
Diese Kritik ist gewiss in vieler Hinsicht berechtigt. Statt übermässig Geld auszugeben, laden uns die Kirchen ein, uns in vielen Gottesdiensten von der biblischen Weihnachtsbotschaft beschenken zu lassen. Für die Teilnahme an den Weihnachtsgottesdiensten müssen wir kein Eintrittsgeld bezahlen, und was wir dort umsonst erhalten, tut unserer Seele gut.
Und doch hat Weihnachten auch etwas mit Geld zu tun. Nach christlichem Verständnis bedeutet Weihnachten, dass Gott Mensch geworden ist. Weihnachten ist damit auch ein materielles Ereignis. Gott ist in Jesus Mensch geworden und so in die materielle Existenz von uns Menschen eingedrungen. Gott holt uns nicht aus der materiellen Welt heraus und führt uns weg in eine geistige Parallelwelt. Erlösung ist auch ein leiblich-materielles Geschehen. Wenn sich die Menschen an der Botschaft von Weihnachten orientieren, dann wird der Fluss des Geldes umgeleitet, die Armen werden reicher und die Reichen ärmer. Im sogenannten Magnifikat hat die mit Jesus schwangere Maria zu ihrer Cousine Elisabeth folgende Aussagen gemacht: «Er stösst die Gewaltigen vom Thron und erhebt die Niedrigen. Die Hungrigen füllt er mit Gütern und lässt die Reichen leer ausgehen.» (Lukas 1,52-53)
Als Pfarrer in der sozialen Anlaufstelle Open Place der Evangelischen Kirchgemeinde Kreuzlingen erlebe ich, dass Seelsorge oft dann zum Erfolg führt, wenn zuerst die materiellen Nöte der Menschen angesprochen werden. In einem Studienurlaub vor zwei Jahren habe ich mir ein juristisches Grundwissen für die Soziale Arbeit angeeignet, nicht um mich vom Pfarrberuf zu verabschieden, sondern um glaubwürdiger zu werden in der Verkündigung der biblischen Frohbotschaft.
Wenn Erlösung gemäss christlichem Verständnis auch ein materielles Geschehen ist, dann dürfen, ja sollen wir an Weihnachten gerne im Rahmen unserer Möglichkeiten Geld ausgeben. Wenn wohlhabendere Menschen im Januar etwas weniger und ärmere Menschen etwas mehr Geld auf dem Bankkonto hätten, dann wäre etwas von der Weihnachtsbotschaft in unserer Welt angekommen.
Damian Brot, Pfarrer der Evangelischen Kirchgemeinde Kreuzlingen
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