Das Restaurant Seeburg schlägt ein neues Kapitel auf.
03.07.2025 10:00
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Das Restaurant Seeburg in Kreuzlingen bekommt ein neues Kapitel
Nach einer Phase der Unklarheit steht fest: Die Seeburg Kreuzlingen bekommt einen neuen Pächter. Timo Leibbrand übernimmt ab 2026 und zur Überraschung vieler gemeinsam mit Hofladen «Schrofen»- Besitzer Klemenz und Jacqueline Somm.
Kreuzlingen Nach Jahren, in denen der Fokus auf Events und Hochzeiten lag, kehrt ab Januar 2026 wieder ein regulärer Restaurantbetrieb ein. Der bisherige Pächter Matias Bolliger zieht sich zurück. An seine Stelle tritt Timo Leibbrand, ein erfahrener Gastronom aus Konstanz mit Wohnsitz inKreuzlingen, der die traditionsreiche Liegenschaft gemeinsam mit Hofladen und Metzgerei Besitzern Jacqueline und Klemenz Somm übernimmt. Der 37- jährige Leibbrand war zwölf Jahre Küchenchef im Il Boccone, danach Geschäftsführer im Constanzer Wirtshaus und zuletzt zwei Jahre in der Attika in Frauenfeld tätig.
Restaurant wieder öffentlich
Matias Bolliger war über zehn Jahre lang das Gesicht der Seeburg. Er führtedasHausaus schwierigenVerhältnissen zu einer der gefragtesten EventlocationsderRegion.Rund120 Hochzeitenfindenhierjährlichstatt. Zuletzt aber verzichtete er auf einen klassischen à-la-carte-Betrieb, was nicht allen gefiel. Die Stadt Kreuzlingen, Eigentümerin der Liegenschaft, hatte im Vertrag eigentlich einen öffentlichen Gastrobetrieb vorgesehen. Eine einvernehmliche Vertragsauflösung war die Folge. Bolliger zeigt Grösse und will sichtlich, dass es der Seeburg auch künftig «gut geht». Dass ein künftiger Pächter beim Vorgänger einsteigt, um Team und Abläufe kennenzulernen,kommt nicht alle Tagevor.Doch es war sogar Bolligers Vorschlag:«Ich wünschte mir jemanden für die Seeburg, der versteht, was für einbesondererOrtdas ist», sagt er. «UndalsTimo vor mir stand, wusste ich schnell, dass er es sein könnte.» Ein toller Zug von Bolliger, findet auch der anwesende Stadtrat Daniel Moos. Überraschend für viele: Klemenz und Jacqueline Somm sind mit dabei. Nicht still im Hintergrund, sondern als aktive Partner, die das Projekt mittragen und mitgestalten. Zumindest die ersten Jahre. Timo Leibbrand bezog für das «Attika» das Fleisch von den Somms und eine Freundschaft, nun eine Partnerschaft, entstand. Aus einem lockeren Gespräch wurde rasch eine konkrete Idee. Klemenz fragte, ob sich Timo grundsätzlich eine Selbstständigkeitvorstellenkönnte.Als der zustimmte,war schnellklar:DastimmenWerteundHaltung – beimQualitätsanspruch,imUmgangmitMenschen und beim Blick aufs Handwerk. Verschiedene Optionen wurden gemeinsam geprüft. So stand auch der Bären in Kreuzlingen zur Debatte. Doch ihr Herz eroberte die Seeburg. Die Somms bringen ihr Netzwerk mit, unterstützen bei Organisation, Finanzierung und Strategie. In der Küche oder im Service wird man sie selten antreffen, doch sie bleiben präsent. «Wenn Not am Mann ist, springen wir ein», sagt Jacqueline Somm mit einem Lächeln.
Grosse Investition
Dass das Trio die Seeburg übernimmt, sei für die Stadt ein Glückstreffer. Die Anzahl Bewerbungen sei sehr bescheiden ausgefallen, sagte Moos. Ein Grund könnte der grosse Batzen sein, welcher ein Pächter als Startkapital mitbringen muss. Trotz Mietverhältnis muss die InfrastrukturwieMöbel,Kücheusw.übernommen werden. Für die meisten finanziell nicht stemmbar. Nebst strategischen Partnern sind Somms vor allem eins: Geldgeber. Die Seeburg wird künftig als Aktiengesellschaft geführt. Klemenz und Jacqueline Somm investieren 200'000, Timo Leibbrand 100'000 Franken. In einigen Jahren sei es das Ziel, dass der Betriebsleiter ihnen ihre Aktienanteile nach und nach abkauft. Somms haben die Aufgabe nicht gesucht, doch die Gastronomie reizt die beiden. Dass das Fleisch vom Hofladen bezogen wird, versteht sich von selbst. Über die Höhe der Pacht konnte und wollte Moos keine Auskunft geben. Wohl werde die Immobilie gerade von einem externen Experten geschätzt. Der Mietpreis werde sich demensprechend anpassen. Das Modell sei flexibel und nicht in Steingemeisselt. Sosei eineGewinnbeteiligung für die Stadt angedacht. Auf die Stadt kommen Investionen von 1,4 Millionen Franken zu. HauptgrundseiderBrandschutz,der nichtmehrderNormentspreche.Eine weitere Abmachung mit der Stadt sind die Öffnungszeiten. So wird das Restaurant ganzjährig offen haben, über denWinter mitreduzierten Öffnungszeiten. Angedacht sei eine Speisekarte mit mediteranem Touch. Doch es wird auch eine Sushi-Woche geben, sagt Timo Leibbrand. Und die Preise? Der Restaurantbesuch soll für alle bezahlbar sein. «Man kann gerne auch für ein Glacé oder einen Kafi vorbeikommen», so der künftige Chef.
Von Desirée Müller