05.03.2026 16:29
Zwei Dokumentarfilme im Kult-X
Zwei Filme stehen auf dem Programm des Filmforums Kreuzlingen und Konstanz: Am 8. März läuft im Kult-X, 17 Uhr, «Ein Tag ohne Frauen», am Donnerstag, 12. März, 19.30 Uhr, zeigt das Filmforum KuK ebenfalls Kult-X die Doku «No Other Land».
Kreuzlingen «Ein Tag ohne Frauen»: 1975, von der UN zum Internationalen Jahr der Frau ausgerufen, verbündeten sich isländische Frauengruppen und riefen zu einem day off auf, der über Radio- und TV-Spots beworben wurde und dem rund 90 Prozent aller isländischen Frauen folgten. Kollektiv legten sie die Arbeit in Fischfabrik, Büro, Schule und zu Hause nieder (nur Krankenhäuser wurden ausgeklammert). So standen grosse Teile der Wirtschaft still. Und die Herren der Schöpfung standen plötzlich ganz allein den Niederungen des Familien- und Arbeitsalltags gegenüber und mussten die Kinder mit in Werkstatt oder Büro nehmen. Mit dem Streik wollten die Frauen zeigen, wie wichtig die weibliche Hälfte der Gesellschaft für das Wohl aller ist.
Pünktlich zum 50. Jahrestag ihres Streiks am 24. Oktober 2025 setzt der Film diesen mutigen Frauen ein Denkmal. Die Aktivistinnen von damals erzählen die Geschichte dieses bedeutsamen Tages. Eine von ihnen, Vigdís Finnbogadóttir hat es allen gezeigt: 1980 wurde sie Islands Präsidentin. Mit spielerischen Animationen versehen, ist «Ein Tag ohne Frauen» subversiv und unerwartet lustig. Film zum Internationalen Frauentag, ab 19 Uhr sind alle zu einem Apéro eingeladen, Gespräch mit Kantonsrätin Marion Sontheim
«No other Land»
Ein halbes Jahrzehnt lang filmt der palästinensische Aktivist Basel Adra, wie seine im Westjordanland gelegene Gemeinde Masafer Yatta, die aus mehreren seit Generationen bewohnten Dörfern besteht, durch die israelische Besatzung zerstört wird. Der Film zeigt, wie israelische Armeeangehörige noch bewohnte Häuser mit Bulldozern plattwalzen, weil Israel diese palästinensischen Wohngebiete zur Militärzone erklärt hat und dort einen Waffenplatz bauen will. Er dokumentiert, wie ein palästinensischer Strommast von der israelischen Armee umgerissen wird, wie Soldaten einen Brunnen mit Teer zuschütten und einen Spielplatz absperren. Und vor allem, wie sich ein Palästinenser beim Gerangel um einen Generator eine israelische Kugel einfängt, woran er später sterben wird. Basil wird auch von Siedlern attackiert.
«No Other Land» hatte im Februar 2024 auf der Berlinale seine Weltpremiere in der Sektion Berlinale Panorama und wurde mit dem Berlinale Dokumentarfilmpreis ausgezeichnet. Im Anschluss an die Preisverleihung kam es in der deutschen Öffentlichkeit zu heftigen Kontroversen. Gefilmt wurde mehrheitlich vor dem Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023. Es geht hier nicht um Krieg, sondern um völkerrechtswidrige Vertreibung. ⋌
Kooperation mit Amnesty International Thurgau, im Anschluss Gespräch mit Jochi Weil, jüdischer Friedensaktivist, Zürich und Tawfiq Darwish, palästinensischer Friedensaktivist, Romanshorn ⋌red