Zwischen Triumph und Tortur: Tanja Eilinger beisst sich in Zürich durch
Am vergangenen Sonntag beim Zürich Marathon erlebte die Weinfelderin Tanja Eilinger eine emotionale Achterbahnfahrt.
Tanja Eilinger (m.) gewann den Zürich Marathon in ihrer Alterskategorie. Bild: zVg
Am vergangenen Sonntag beim Zürich Marathon erlebte die Weinfelderin Tanja Eilinger eine emotionale Achterbahnfahrt.
Marathon Trotz schwerer Beine sicherte sich die 44-Jährige den Sieg in ihrer Alterskategorie und den starken sechsten Gesamtrang – auch wenn ihr grosses Ziel, ihre persönliche Bestzeit nochmals zu verbessern dieses Mal leider ausser Reichweite blieb.
Die Vorzeichen für die Thurgauer Langstreckenläuferin hätten kaum besser sein können: Die Vorbereitung verlief tadellos, die Trainingswerte waren so stark wie nie zuvor. Nach ihrer persönlichen Bestzeit beim Valencia Marathon im Dezember 2025 (2:45:10) war das Ziel für Zürich klar gesteckt. Eilinger wollte alles daran, diese Marke erneut zu unterbieten. Doch der Marathon hat seine eigenen Gesetze. Trotz kühler Temperaturen und damit eigentlich guter äusserer Bedingungen merkte die 44-Jährige Thurgauerin schon beim Einlaufen und im Rennen bereits vor Kilometer 10, dass ihr die Leichtigkeit heute gänzlich fehlte. Die Energie für einen absoluten Toplauf war an diesem Tag schlichtweg nicht vorhanden bzw. abrufbar.
Obwohl Eilinger die Halbmarathon-Marke noch in soliden 1:22:15 Stunden passierte, begannen die Probleme früh. Wer bereits vor Kilometer 20 «am Anschlag» läuft, dem steht ein langer Leidensweg bevor. Die Weinfelderin stand vor der klassischen Marathon-Entscheidung: Das Tempo der Tagesform anzupassen und zu drosseln oder zu riskieren, zu lange im «roten Bereich zu drehen» und in der zweiten Rennhälfte komplett einzubrechen. Während des Rennens schlich sich dann doch auch mehrfach der Gedanke an einen frühzeitigen Rennabbruch ein und so vielleicht in drei, vier Wochen an einem anderen Frühjahrsmarathon nochmals an den Start gehen zu können. «Ich bin im Nachhinein aber froh, dass ich durchgebissen- und durchgelitten habe», so Eilinger. Für den Kopf wäre ein vorzeitiges Aussteigen mit Blick auf künftige Aufgaben sicher nicht förderlich gewesen.
Am Ende stoppte die Uhr bei 2:48:20. Auch wenn das Zeitziel damit nicht erreicht wurde und die Enttäuschung im ersten Moment dominierte, unterstreicht das Resultat doch auch Eilingers Klasse: In der Gesamtwertung der Frauen belegte sie, hinter drei Läuferinnen aus Kenya und als dritte Schweizerin, den hervorragenden 6. Rang und sicherte sich in ihrer Altersklasse (W40) gleichzeitig souverän den Sieg. Es ist ein Erfolg der Willenskraft, der zeigt, dass sie auch an «schlechteren» Tagen weiterhin zur nationalen Spitze gehört.
Nach den Strapazen von Zürich steht nun primär die Regeneration im Vordergrund. Die Planung für die zweite Jahreshälfte ist jedoch bereits im Hinterkopf. Tanja Eilinger lässt offen, welchen Herbstmarathon sie in Angriff nehmen wird. Zur Auswahl stehen die grossen Klassiker in Berlin oder Frankfurt oder der Dreiländermarathon in Bregenz. Auch ein Start in Luzern ist ein Thema – dort finden im Oktober die Schweizer Meisterschaften über die Marathondistanz statt. Die Weinfelderin würde ihre zwei bronzenen Auszeichnungen aus den Jahren 2023 und 2025 gerne mit einer weiteren Medaille ergänzen.
red
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